Beiträge getagged ‘taca’

In Kolumbien!

7 Mai 2009

Gestern morgen ist um 2:50 Uhr Aufstehen angesagt, da der Flug von Santiago nach Lima verdammt früh ist: Um 6:40 Uhr soll er abfliegen und die Fluggesellschaft, Taca, will dass man mindestens 3 Stunden früher am Flughafen ist. Nach Rücksprache mit dem Reisebüro im Hostel ignore ich das und plane 2,5 Stunden ein und bestelle einen Flughafentransfer für 3:40 Uhr. Nachdem der Transfer um 3:55 Uhr immer noch nicht da ist, lasse ich die Nachtschicht im Hostel ein Taxi bestellen, und kaum hat er das gemacht, klingelt es an der Tür: Der Transfer ist da. Also muss der arme übernächtigte Mitarbeiter das Taxi wieder stornieren und ich mache mich auf den halbstündigen Weg zum Flughafen.

Dort angekommen lasse ich erstmal meinen Koffer in Plastik einschweißen und stelle ich mich an der Taca Schlange an, wo schon ein paar Leute stehen. Kaum stehe ich da, fangen zwei Mädels vor mir an sich zu unterhalten – in Deutsch. Die beiden, Mareike und Barbara, sind, wie sich rausstellt, auch auf dem Weg nach Bogotá und haben die gleichen Flugverbindungen. Also kämpfen wir uns fortan zusammen durch den undurchsichtigen Dschungel am Flughafen Santiago: Zuerst das Ticket von Taca holen, dann mit dem Ticket zu LAN gehen und das Gepäck einchecken – LAN macht den Flug nach Lima. Angeblich soll alles durchgecheckt werden, wir haben aber so unsere Zweifel, ob das wirklich klappt.

Unsere Plätze sind vom Zweitcheckin bei LAN natürlich nicht mehr zusammen und so verbringen wir den 4-stündigen Flug nach Lima ziemlich allein mit Video (Mi perro y yo), schlafen und lesen. In Lima angekommen müssen wir das Gepäck noch mal durchleuchten lassen und 1,5 Stunden später betreten wir mit dem letzten Aufruf das Flugzeug von Taca Richtung Bogotá. Die Maschine ist viel weniger modern, der Flug aber genauso lang. An Board des Fliegers bekommen wir erstmal die Einreiseformulare ausgehändigt und zusätzlich noch einen Fragebogen, ob wir Husten, Schnupfen, Fieber, Gliederschmerzen, o.ä. haben – die Schweinegrippe lässt grüßen.

Als wir dann endlich um 14 Uhr (mit einer Stunde Zeitverschiebung, also GMT-5) ankommen, wartet erstmal die Einreise auf uns: Der Grenzbeamte ist superfreundlich und bewilligt mir auch anstandslos die von mir gewünschten 60 Tage Aufenthaltsgenehmigung. Da ich vor den Mädels noch auf die (überfüllte) Toilette gegangen bin, sind diese schon lange durch, aber als ich am Gepäckband ankomme sitzen sie da und warten auf mich – unsere Koffer sind nicht da! Alle Passagiere, die von Santiago über Lima nach Bogotá geflogen sind, vermissen ihr Gepäck. Also darf ich erstmal ein Gepäckverlustformular ausfüllen und die Dame sagt mir noch, ich solle mal auf den nächsten Flug aus Lima warten – der käme in einer Stunde an.

Glücklicherweise ist an Bord dieses Fluges tatsächlich unser Gepäck, so dass wir uns nun den weiteren organisatorischen Dingen widmen können: ein wenig Bargeld holen (im Notfall hätte ich ja glücklicherweise von meinen Kollegen schon kolumbianisches Geld gehabt – Danke nochmal), den Flug der Mädels nach Leticia bestätigen und dann am Schluss ein Taxi zum Hostal organisieren. Das mit dem Geld abheben ist auch nicht so einfach, Barbara bekommt mit ihrer Karte aus keinem der fünf verschiedenen Automaten Geld, während es bei mir glücklicherweise schon beim ersten klappt. Der DKB-Visa Karte sei Dank!

Die Taxifahrt nach Bogotá ist ein Abenteuer für sich: Sicherheitsabstände gibt es nicht, die Autos fahren beim Spurwechsel nur Zentimeter aneinander vorbei und unser Fahrer hupt im Durchschnitt einmal pro Minute. Da Barbara und Mareike noch kein Hostel haben, kommen sie erstmal mit zu meinem, die Hoffnung ist, dass dort noch was frei ist.

Nach einer halben Stunde kommen wir im Hostel an, und es gibt tatsächlich noch freie Betten. Das Hostel namens Platypus ist klein und doch recht groß – mehrere Wohnhäuser gehören dazu, wir sind in Casa 3. Die erste positive Überraschung ist, dass es zu jeder Tag und Nachtzeit kostenlosen echten Kaffee gibt. In Chile gibt es ja leider überwiegend nur Instant-Kaffee, insofern ist das eine echte Wohltat nach der langen Reise. Während wir unseren Kaffee trinken treffen wir u.a. Lisa, eine Deutsche, die uns allerlei unheimliche Geschichten über Kolumbien und Brasilien erzählt, andere erzählen uns aber recht positives über Bogotá, so dass wir wieder einigermaßen beruhigt sind. Die üblichen, in Südamerika zu treffenden, Sicherheitsvorkehrungen sollten auch hier ausreichen.

Später gehen wir noch kurz etwas zu Abend essen, lächerliche 2 Euro zahlt man hier für ein 2-Gänge Tagesmenü. Danach unterhalten wir uns noch und ich pack mir meine Ohrstöpsel in die Ohren, da neben meinem Raum der sehr laute Fernsehraum ist und man in diesem Haus alles hören kann (jetzt, wo ich gerade diese Zeilen schreibe, kann ich einem Israeli der nebenan telefoniert problemlos zuhören – kann aber kein Hebräisch). Ich telefonier noch kurz mit Carolina, der Schwester von Diana (die ich in Valpo kennengelernt hatte), und wir verabreden uns für den nächsten Tag um 11 Uhr am Goldmuseum.

Nach einer eher kalten Dusche trinke ich noch kurz einen Kaffee, bevor ich mich auf die Suche nach dem Goldmuseum, dem “Museo de Oro” mache. Dort angekommen, ich bin 5 Minuten zu spät, ist von Caro noch keine Spur. Kolumbianische Zeit halt. Um ca. 11:15 Uhr schlägt sie dann auf und zusammen schauen wir uns die sehr eindrucksvollen Exponate dieses hochgelobten Museums an.

Nachdem wir diesen kulturell schönen Pflichtteil hinter uns gebracht haben, zeigt Caro mir den historischen Kern Bogotás: La Candelária. Dort gehen wir noch ins Museo Bóltero, wo Werke dieses Künstlers ausgestellt sind und treffen uns dann mit einer Freundin von ihr, Andrea, zum Mittagessen. Diese ist übrigens noch schlechter zu verstehen als Caro: Wie mir die beiden erklären, spricht die kolumbianische Jugend wesentlich schneller als die Leute in meinem Alter. Die beiden sind jedenfalls doppelt so schnell in der Sprache unterwegs wie Diana und insofern habe ich meine liebe Not, sie zu verstehen. Zwischendurch sprechen uns mehrere Bettler an, die aber sehr höflich sind und genauso höflich von den Mädels behandelt werden. Eine seeeehr höfliche Gesellschaft hier.

Nachdem wir noch die von mir dringend benötigten Flip-Flops in einem Shop reserviert haben – ich werde sie morgen abholen – trinken wir noch ein Bierchen. Auf dem Rückweg werden wir dann Zeugen einer Meerschweinchenwette auf der Straße: Man kann darauf wetten, in welches Häuschen ein Meerschweinchen laufen wird… Wir essen noch eine kolumbianische Spezialität die einem Döner Hawaii ähnelt (Arepa oder so ähnlich) und dann bringen mich die beiden zurück zu meinem Hostel. Dort stelle ich dann fest, dass mich die kolumbianische Sonne im Nacken gut verbrannt hat – 2600m über dem Meer plus Sonne sind halt doch nicht ohne, auch wenn ich so gar nichts gemerkt hatte…

Morgen werde ich dann das Abenteuer unternehmen, mich mit den beiden in einem weiter entfernten Teil der Stadt zu treffen, wozu ich mehrere Buslinien nehmen muss. Dafür zeigen mir die beiden dann, wie man in Bogotá seine Abende verbringt :). Zudem wird sie mir einen kolumbianischen Chip fürs hiesige Telefonnetz mitbringen, so dass ich hier eine lokale Telefonnummer für mein Handy habe.

VN:F [1.9.2_1090]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.9.2_1090]
Rating: 0 (from 0 votes)