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Das Verlassen des Gringo Trails

27 Mai 2009

Cartagena
Creative Commons License photo credit: juanpg

Seit Montag Nachmittag bin ich in Mompós. Um 5:17 Uhr hieß es aufstehen, um 6 Uhr sollte mein Taxi mich zum Busbahnhof bringen, der ca. 45 min. außerhalb von Cartagena liegt.

Cartagena ist anders als ich es mir vorgestellt hätte, aber vielleicht liegt dies auch am Hostel. Das Cartagena Art Hostel wird dominiert von Reisenden, die zum Feiern hier sind. Die wenigstens schauen sich die Sehenswürdigkeiten an, einige fahren jedoch zum Playa Blanca, den hiesigen schönen Karibikstrand, der mich allerdings nicht besonders interessiert hat.

Die überwältigende Mehrzahl der Touristen konsumiert alle 1-2 Tage Kokain, wodurch sie, ob sie es wahrhaben wollen oder nicht, direkt kolumbianisches Blut an den Fingern haben: Das hiesig angebaute Kokain dient der Finanzierung paramilitärischer Gruppen, die gegen den kolumbianischen Staat kämpfen. Aus diesem Grund kann ich auch im Stadtteil Gethsemaní kaum 10m gehen, ohne angesprochen zu werden, ob ich nicht Kokain kaufen oder eine Prostituierte frequentieren wolle.

Die Altstadt Cartagenas hingegen ist beeindruckend: liebevoll restaurierte Häuser aus der Zeit der spanischen Conquista, die Festung San Felipe und die Stadtmauer sind zurecht der Stolz vieler Kolumbianer. Der Preis dafür ist, dass man das wahre, kolumbianische Gesicht Cartagenas nur schwer kennenlernt. Somit war mein vielleicht interessantestes Gespräch in Cartagena mit einem Eisverkäufer, der mir ursprünglich ein Eis verkaufen wollte, mit dem ich dann aber ins Gespräch kam und ein paar hundert Meter zusammen die Straße runtergelaufen bin.

Also bin ich froh, Cartagena, und damit den Gringo Trail, am Montag morgen hinter mir lassen zu können, um den einzigen Direktbus des Tages Richtung Mompós zu nehmen. Die Busfahrt erfolgt durch grüne Hügel, einsame Dörfer hin nach Magangué, einer Stadt in der Nähe von Mompós. Hier versucht der Busfahrer, weitere 20000 Pesos von mir zu kassieren, aber nachdem ich ihm noch mal mein Ticket gezeigt habe, wo deutlich Mompós draufsteht, gibt er auf… Von Magangué geht es weiter nach La Bodega, wo wir anhalten, um auf die Insel, auf der Mompós gelegen ist, per Fähre überzusetzen.

Da im Bus nur noch 4 Leute sind, eine Irin, ein kolumbianisches Ehepaar aus Mompós und ich, ist die Gruppe recht überschaubar. Während wir unter dem Dach einer schilfgedeckten Hütte gegrilltes Rindfleisch zu Mittagessen und die Fliegen uns umschwirren unterhalten wir uns mit dem Busfahrer, was allerdings nur schwer möglich ist: Er stammt aus dem hohen Norden Kolumbiens, wo ein nur schwer verständlicher Dialekt gesprochen wird. Irgendwann geben wir beide auf.

Nach ca. 2 Stunden, um 13:30 Uhr beginnt dann endlich das Boarden der Fähre. Während wir auf die Fähre fahren erlege ich noch kurz eine Tigermücke im Bus (die Viecher können Dengue-Fieber übertragen) und dann steht eine Stunde Fährfahrt auf dem Rio Magdalena an.

Am anderen Ufer angekommen geht die Busfahrt weiter. Vorbei an grasenden Schweinen, Eselkarren, Kuhherden auf der Straße und halb-fertigen Häusern, überholt von Motorrädern auf der z.T. sehr schlechten Straße erreichen wir nach ca. 40km Mompós, welches eigentlich Santa Cruz de Mompós heißt. Dennoch benutzt jeder nur Mompós oder alternativ Mompóx.

Mompós ist ein alter kolonialer Handelsstützpunkt in der auch Simon Bolivar viel Zeit verbracht hat. Die Kolonialbauten sind gut erhalten und schön anzusehen, Abends stellen die Einwohner die Stühle vor die Tür, um sich mit ihren Nachbarn oder Freunden zu unterhalten. Autos gibt es kaum, dafür fahren jede Menge Motorräder und -roller umher, streiten sich mit Eselskarren und Rikschas um Platz auf der Straße und versuchen möglichst nah an Fußgängern vorbeizufahren :).

Abends esse ich eine Pizza an einem Straßenstand mit mobilem Gasofen, wo die Pizza frisch zubereitet wird. Am nächsten Morgen steht eine Besichtigung der Stadt an: Es gibt 5 Kirchen und ein paar sehenswerte Kolonialbaute. Auf die Museen verzichten wir, da sie wohl nicht allzu interessant sind. Stattdessen spricht mich auf der Straße ein Mann an, ob ich heute Abend Zeit hätte – er würde gerne sein Englisch im Gespräch verbessern und ich müsste ja auch Spanisch üben. Danke sehr… Obwohl ich ihm gar nicht sage, wo wir wohnen, sagt er, dass er versuchen würde, mich heute Abend zu besuchen. Naja, mal schauen, was daraus wird.

Wahrscheinlich bin ich bei so wenigen Touristen auch nicht schwer aufzufinden: Es gibt lediglich ein Hostel, La Casa Amarilla, im Ort, sowie einige Hotels. Das Hostel ist klein aber fein. Sehr sympathische Betreiber versuchen einem alles von den Lippen abzulesen, der Besitzer Richard, ein Engländer, hat viele gute Tipps parat, die Räume und Badezimmer sind sehr sauber, haben Deckenventilatoren und sind leer. Weiterhin gibt es kostenlosen Kaffee und abgekochtes Wasser. Es gibt hier auch noch Luxuszimmer, die laut seiner Aussage die besten Duschen des Landes haben ;-). Da mir aber 100000 Pesos im Vergleich zu 15000 Pesos zu viel sind, nehme ich dann doch ein Bett im Dorm – es sind ja eh keine anderen Gäste da, so dass ich de facto ein Einzelzimmer habe. Richard beruhigt uns dann noch bezüglich Moskitos: Sie kämen zwar gegen 18:30 Uhr für ne Stunde oder so raus, aber wenn man dann unter nem Ventilator wäre, sei alles gut. Außerdem habe es schon seit 4 Jahren keinen Fall von Dengue gegeben und Malaria gäbe es hier eh nicht.

Wie sehen die nächsten Tage aus: Es geht weiter nach Medellín, wo ich wohl ein paar Tage bleiben werde, und mich mit Laura Zoe, einer Engländerin, die ich aus Bogotá kenne, treffe. Sie arbeitet inzwischen in einem Sozialprojekt in Medellín und wohnt in einem Hostel, wo ich dann hoffentlich auch unterkommen werde.

Nach meinem Zwischenstopp in Medellín steht dann wieder Bogotá auf dem Programm, dann geht’s kurz in die Zona Cafetera und am 10.6. nehme ich einen Flug nach Quito, Ecuador. Dort will ich mich mit Nathali, einer Bekannten aus Torbens und meinem Peru-Urlaub treffen.

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Grober Zeitplan für Südamerika

30 März 2009

Mapa de América del Sur (Sudamérica) - mapa da América do Sul - map of South America
Creative Commons License photo credit: thejourney1972

Da ich ja dann nächste Woche Dienstag im Flieger nach Chile sitze, hier schon mal zur Information ein grober Zeitplan, wie meine Jahresplanung aussieht:

  • 08.04.09 Ankunft Santiago de Chile
  • 3-4 Tage Aufenthalt in Santiago und Sightseeing, dann Weiterfahrt nach Valparaíso
  • 4-5 Wochen Aufenthalt in Valparaíso (Sprachkurs? Sozialprojekt?), dann Flug nach Bogotá/Kolumbien
  • 4-6 Wochen Kolumbien
  • 1-3 Monate Ecuador (Sozialprojekt? Galapagos?)
  • 4-6 Wochen Peru (Sozialprojekt?)
  • 1 Woche Bolivien (Salzebenen)
  • 2 Wochen Nordchile -> Valparaíso
  • Evtl. Snowboarden in den Anden
  • Zurück in Valparaíso (es ist jetzt Frühling) (Sozialprojekt?)
  • Valparaíso -> Feuerland
  • Grenzübertritt nach Argentinien
  • Nach Norden bis Buenos Aires
  • längerer Aufenthalt in Uruguay (Sozialprojekt?)
  • Brasilien: Karneval in Salvador (soll besser sein als Rio)
  • Flug nach Caracas / Venezuela
  • Rückflug ca. 15.03.10

So, genauer weiß ich das alles auch noch nicht :)

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Der Weg nach Südamerika – Sozialversicherungsdschungel Deutschland

18 Juni 2008

IMGP1507
Creative Commons License photo credit: sebibrux

Da ich ja im April 2009 für ein Jahr nach Südamerika gehen werde (Sabbatical), habe ich mich inzwischen mit der Sozialgesetzgebung in unserer Bunderepublik beschäftigen dürfen. Und da es sicherlich noch Menschen gibt, die das gleiche Problem haben, habe ich hier mal zusammengetragen, was ich bisher rausgefunden habe.

Es sind verschiedene Varianten in der Gestaltung des Arbeitsverhältnisses während der 12 Monate meiner Abwesenheit möglich:

  1. Kündigung des Arbeitsvertrages mit Wiedereinstellungsgarantie
  2. Ruhenlassen des Arbeitsvertrages (unbezahlter Urlaub)

Zu beachten sind folgende nicht ganz unwichtige Aspekte:

  1. Kündigungsschutz und Betriebszugehörigkeit
  2. Rentenversicherung
  3. Arbeitslosenversicherung
  4. Kranken- und Pflegeversicherung

Kündigungsschutz und Betriebszugehörigkeit

Bei Kündigung des Arbeitsvertrages mit Wiedereinstellungsgarantie (Variante 1) hätte der Arbeitgeber die Möglichkeit, direkt nach der Wiedereinstellung eine Kündigung auszusprechen. So unwahrscheinlich das in meinem Fall ist, ist das ein Risiko, das zu beachten ist. Die Betriebszugehörigkeit (mit Auswirkung auf Betriebsrente und etwaiger Bewertungen im Falle von betriebsbedingten Kündigungen) würde im schlechtesten Fall wieder bei 0 anfangen, im mir zugesagten Fall um 1 Jahr reduziert.

Wird der Vertrag einfach ruhengelassen (Variante 2), ändert sich nichts am Beschäftigungsverhältnis, außer, dass das Einkommen wegen des unbezahlten Urlaubs wegfällt.

Rentenversicherung

Ist bei beiden Varianten gleich: Nach §1, SGB IV sind nur diejenigen Beschäftigten versicherungspflichtig, die gegen Entgelt beschäftigt sind. Dies wäre bei mir nicht der Fall, also wäre ich nicht versicherungspflichtig. Auswirkungen auf die Altersrente (§43, SGB VI) gäbe es bezüglich der Anspruchsberechtigung – bei einer beitragsfreien Zeit von einem Jahr wird dieses natürlich nicht angerechnet. Auf die Rente bei Erwerbsminderung (§35ff, SGB VI) hätte das Jahr keine Auswirkungen, da in meinem Fall die Bedingung von 3 Jahren Beitrag in 5 Jahren erfüllt würde. Bei einem (von mir nicht vorgesehenen) Aufenthalt von 24 Monaten wäre das ganze schon grenzwertiger… Diese Auswirkungen ließen sich unterbinden, würde ich freiwillig den monatlichen Mindestbetrag von ~€79 zahlen.

Arbeitslosenversicherung

Bei der AV sieht es ähnlich aus: Gemäß §25, SGB III ist nur derjenige versicherungspflichtig, der für seine Arbeit ein Entgelt bezieht. Also auch hier kein Problem. Die Inanspruchnahme der Leistungen ist für meinem Fall in §28a, SGB III geregelt: Wenn innerhalb der letzten 24 Monate ein Arbeitsverhältnis bestand, wovon 12 Monate Beiträge entrichtet wurden, besteht ein Anspruch auf die Leistungen der Arbeitslosenversicherung.

Kranken- und Pflegeversicherung

Auch hier besteht die Versicherungspflicht nur bei Arbeit gegen Entgelt (§2, SGB IV). In meinem Fall würde ich meine bestehende Versicherung zu 5% der normalen Kosten ruhen lassen und müsste die Pflegeversicherung inkl. der Arbeitgeberbeiträge erbringen. Zusätzlich würde eine Auslandskrankenversicherung fällig, z.B. der Tarif R65 der Allianz. Alternative: Auslandsreiseversicherung für lange Reisen, die allerdings nur akute Fälle abdecken würde.

Das war’s erstmal, die o.g. Punkte muss ich allerdings noch schriftlich von der Deutschen Rentenversicherung Bund bestätigen lassen. Ich übernehme natürlich keine Garantie für die Richtigkeit meiner Äußerungen :-).

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