Beiträge getagged ‘seelöwen’

Überwintern auf Feuerland

13 November 2009

Ushuaia im Schnee

Schnee in Ushuaia

06.11.09 – 12.11.09 Ushuaia, Tierra de Fuego

Am 06.11.09 nehme ich um 07:30 Uhr den Bus von Puerto Natales nach Ushuaia auf Feuerland. Die ersten Stunden ziehen die Südpatagonischen Landschaften am Fenster vorbei, während der Bus unbeirrt Richtung Feuerland fährt. In der Nähe von Punta Arenas stoppen wir dann auf der Straße mitten im Nirgendwo: Wir müssen in einen anderen Bus umsteigen, der von Punta Arenas kommend weiter Richtung Süden fährt. Und schon kurze Zeit später zeigt sich am Horizont ein blauer Streifen – die Magellan Straße, die wichtigste Wasserstraße südlich des Panamakanals und nördlichste Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik. Als wir am Hafen ankommen, wartet schon eine Fähre auf uns, die uns nach Feuerland bringen soll. Die Überfahrt dauert nur 15 Minuten, dennoch genug Zeit für Delphine, uns zu finden. Sie begleiten das Schiff fröhlich bis dieses Hafen anlegt.

Danach geht es weiter nach Rio Grande, dem nächsten Stop auf der etwas komplizierten Route nach Ushuaia. Interessanterweise komme ich ins Gespräch mit zwei weiteren Deutschen im Bus, die, wie sich rausstellt, gerade von den Bogenschießweltmeisterschaften in Argentinien kommen – eine der beiden Damen ist Weltmeisterin im “Blank”-Schießen mit dem Bogen, also ohne Visir geworden. Bevor wir jedoch in Rio Grande ankommen, gilt es zunächst die chilenisch-argentinische Grenze zu passieren. Also wiedereinmal jeweils einen Stempel in den Pass aufgenommen und weiter geht’s – glücklicherweise sind die Argentinier nicht so paranoid an der Grenze wie die Chilenen, die grundsätzlich jedes Gepäckstück durchleuchten und mit Hunden nach Früchten suchen, um die Einfuhr von Plagen zu verhindern.

Als wir nach insgesamt 9 Stunden Bus- und Fährfahrt in Rio Grande ankommen, gilt es wiedereinmal das Gepäck aus dem Bus zu holen, den Busgutschein in ein Ticket umzuwandeln und auf den Anschlussbus zu warten. Die Chilenen dürfen nämlich aufgrund der schlechten Nachbarschaft mit den Argentiniern keine Bustickets für Busse in Argentinien ausstellen… Nachdem diese Hürde genommen ist, geht’s nach kurzer Wartezeit im Kleinbus weiter nach Ushuaia. Als wir einen der Pässe queren begrüßt uns schon der erste Schneesturm – der Frühling ist dank des Wetterphänomens El Niño nach wie vor im Urlaub…

Hafen von Ushuaia

Hafen von Ushuaia

Ushuaia begrüßt uns dann trotzdem mit Sonnenschein und einem schönen Panoramablick: Attraktiv zwischen Beagle-Channel und gebirgigem Hinterland gelegen, zeigen sich schneebedeckte Gipfel auf der einen Seite, und tiefblaues Wasser auf der anderen Seite. Im Hafen liegen ein paar alte, verrottete Kriegsschiffe, die kaum seetauglich scheinen, und ein wenig weiter begrüßen mit Container mit der Aufschrift Hamburg-Süd von Bord eines Containerschiffs. Die Häuser sind bunt und ansehnlich, die Stadt wirkt schön. Ein paar städtebauliche Sünden sind trotzdem zu sehen – an einem der Hügel wurden für Wohngebiete alle Bäume gefällt, so dass auf dem sonst waldbedecktem Berg eine weiße, kahle Schneise verbleibt, nur durch vereinzelte Häuser unterbrochen. Die Stadt ist, wie mir später ein Taxifahrer erzählt, nach Eröffnung des modernen Flughafens innerhalb von 10 Jahren von 5.000 auf 80.000  Einwohner gewachsen.

Vom Busterminal mache ich mich dann zu Fuß zum angeblich zentral gelegenen Freestyle Hostel – glücklicherweise ist es das tatsächlich, so dass ich dort nach 5 Minuten Fußweg auch ankomme.

Dort werde ich von einem augenscheinlich Reggae-süchtigen Inhaber begrüßt: Haare bis zur Hüfte, traditionell verfilzt, ein Bär, der mich erstmal umarmt und mit den Worten “Willkommen in der Familie” begrüßt… Das Hostel ist sehr modern, hat stets kostenlosen Kaffee aber auch ein paar Nachteile: Die Toiletten und Duschen lassen sich nicht verschließen und durch eine Intervallschaltung in der Toilettenbeleuchtung geht das Licht minütlich aus, so dass man den Schalter erneut drücken muss. Mein Dormitorio, und weiter oben das Billardzimmer, haben aber Fenster zur Bucht, wo man im Abendlicht jenseits der Hausdächer die Yachten schaukelnd vor Anker liegen sieht.

Am nächsten Morgen orientiere ich mich erstmal in der Stadt, mache ein paar organisatorische Besorgungen, informiere mich über Bus und Flugoptionen, um Ushuaia wieder zu verlassen, Tourmöglichkeiten und wandere ein wenig durch die Stadt. Auch reserviere ich noch einen Platz für eine Tour auf die Pinguinkolonie in der Nähe der Estancia Haberton. Abends gehe ich früh ins Bett, nach 12 Stunden Busfahrt habe ich keine Lust mehr auszugehen.

Pinguine in der Nähe der Estancia Haberton

Pinguine in der Nähe der Estancia Haberton

Den Tag darauf nehme ich dann an der Tour teil, und nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir die Estancia, wo schon Reiseführerin und Boot auf uns warten. Es ist bitterkalt, ein aus der Antarktis kommender Wind bläst uns die Schneeflocken ins Gesicht, als wir das Boot betreten, das immerhin einen überdachten, allerdings unbeheizten Bereich hat. Nach 10 Minuten Fahrt erreichen wir die Kolonie und können uns freilebende und watschelnde Magellan-Pinguine anschauen. Es ist wirklich bitterkalt, nach wenigen Minuten bin ich nur noch am Frieren und kann kaum die Kamera halten… Als wir dann nach kurzer Zeit mit dem Boot zurückfahren, gibt es glücklicherweise die Möglichkeit noch einen heißen Kaffee und einen Kuchen zu verdrücken, bevor es nach Ushuaia zurückgeht.

Am folgenden Tag treffe ich ein paar Leute, mit denen wir im Hostel ein wenig Musik machen – zu Gitarre und Bongos singen wir ein wenig, spielen Billard, und betrachten die Schneestürme von drinnen. Für morgen ist eine Exkursion in den Parque Nacional Tierra del Fuego vorgesehen, leider bin ich morgens aber mit Magen-Darm-Schmerzen invalide, was sich allerdings am nächsten Tag gibt.

Kormorane im Beagle Channel

Kormorane im Beagle Channel

Um zumindest noch ein wenig mehr zu sehen, habe ich eine Bootsfahrt auf dem Beagle-Channel gebucht, wo einige Seelöweninseln und ein Leuchtturm zu begutachten waren – trotz Schneesturm war das ganze allerdings nicht ganz so kalt, da es eine geheizte Kabine gab, wo wir Kaffee bzw. auf der Rückfahrt das hiesige Bier “Beagle-Channel” serviert bekamen und auf der Rückfahrt das Schiff auch selbst steuern durften – natürlich nur unter den strengen Augen des Kapitäns… Abends ging es dann noch in einen Pub mit ein paar Israelis, Amerikanern, Quebec-Kanadiern, wo wir noch bis ca. 2 Uhr blieben.

Leuchtturm :)

Leuchtturm :)

Für den gestrigen Tag war dann mein Flug nach Buenos Aires eingeplant, aber als ich morgens am Flughafen ankam, wurde ich von LAN mit der Information begrüßt, dass das Bodenpersonal von LAN in Buenos Aires streike und der Flug insofern verspätet sei – weitere Information würden um 11 Uhr folgen. Also setze ich mich hin, unterhalte mich ein wenig mit einem Litauer und einem Estonier, die mir prompt um 9:30 Uhr morgens ein Bier anbieten (das ich ablehne). Um 11 Uhr gibt es allerdings immer noch keine Neuigkeiten und das sehr freundliche und hilfsbereite Personal in Ushuaia vertröstet uns auf 13 Uhr – und gibt einen Essensgutschein für ein Mittagessen in der Kantine aus, wo ich dann mit einer Schweizerin zu Mittag esse, die auch festsitzt. Um 13 Uhr haben wir dann die finale Information, dass der Flug gestrichen wurde, und LAN uns anböte, das Ticket entweder zu stornieren oder ein Hotel gestellt zu kriegen, um morgen aufs Neue darauf zu warten, dass der Streik ein Ende findet. Wir stellen uns erstmal bei Aerolineas Argentinas an, deren Personal nicht streikt und schaffen es, Tickets für einen Flug um 21 Uhr zu ergattern – allerdings erst, nachdem das IT-System wieder läuft, das zwischendurch für ein paar Stunden abgestürzt. Nachdem alles sicher ist, und alle Fragen auch zum Around-The-World-Ticket der Schweizerin geklärt sind, lassen wir unsere LAN Tickets stornieren und kommen schließlich gegen 1:00 Uhr nachts in Buenos Aires an.

VN:F [1.8.3_1051]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.8.3_1051]
Rating: +1 (from 1 vote)

Herbststürme im Frühling

26 Oktober 2009

Vulcão Villarica, vista de Pucón

Pucón: Dieses kleine Dörfchen bringt ob seiner landschaftlich herausragenden Lage die Mehrzahl der Touristen und Einheimischen zum Schwärmen. Wo gibt es schon einen aktiven Vulkan zu sehen, der direkt an einem See gelegen ist, die meiste Zeit des Tages Rauch ausspuckt und des nächstens gelegentlich vor sich hin glüht und den Abendhimmel in ein surreales rotes Farbenmeer taucht? So wird der Ort regelmäßig als Höhepunkt der chilenischen Provinz Los Lagos, der “Seen”-Provinz angepriesen, lediglich die immer zahlreicher auftauchenden Touristen seien nicht jedermanns Sache.

Soweit mein Wissensstand über Pucón, bevor ich ankam. Auf Höhe von Chillán fing es an zu regnen, regelrechte Flüsse tropften die Busscheiben hinab und der Himmel zeigte sich in einem einheitlichen Hamburger Grau: Es machten sich Heimatgefühle in mir breit… Am Straßenrand Felder und Wiesen in sattem Grün, grasende Holsteiner Kühe oder Schafe und dazu dieses nasskalte, windige Klima. Es wunderte mich nicht mehr, warum Chile einst in Deutschland damit warb, dass deutsche Einwanderer sich sofort heimisch fühlen würden, kämen sie nur als Pioniere und Einwanderer nach Chile.

So näherten wir uns an Pucón an, der Regen wurde immer stärker, ebenso der Wind, und im Hintergrund plärrten die beiden Kleinkinder im Bus. Und als wir den Zwischenstopp in Villarica, einem kleinen Dorf einlegten, war vom Lago Villarica nichts, aber auch gar nichts zu sehen. Die gleiche Situation ereilte mich dann in Pucón: Vulkan? Welcher Vulkan? See? Welcher See? Nichts war zu sehen von den ach-so-spektakulären Landschaften, lediglich die an einen österreichischen Wintersportort erinnernde touristische Infrastruktur erstreckte sich vor mir im Regen. Das Hostel schien in der Nähe des Busbahnhofs gelegen, nach 30 Sekunden im strömenden Regen entschied ich mich aber doch dafür, ein Colectivo zu nehmen, dessen Route direkt am Hostel vorbeiführte. Als ich dann im Hostel Ecole ankam, bekam ich glücklicherweise noch ein günstiges Bett, zusammen in einem Raum mit einem Engländer, Jim, der schon länger da war und sich bitterlich über das Wetter beklagte, das anscheinend schon seit Tagen sehr schlecht war.

Muuuuuuuuca
Da ich nach 11 Stunden recht hungrig war, ging es erstmal ins Chef Pato, ein italienisches Restaurant, wo ich dennoch erstmal eines der stets guten chilenischen Filetsteaks verdrückte. Im Hintergrund lief ein Fußballspiel zwischen Universidad de Chile und dem brasilianischen Verein Fluminense im Rahmen des Copa Nissan Suramérica, das per Beamer auf eine Leinwand produziert wurde. Nachdem Fluminense schon nach 15min ein Tor geschossen hatte und Universidad kein Land sah, ging ich zurück zum Hostel – später erfuhr ich, dass die Mannschaft aus Brasilien noch 2:1 gegen Santiago verlor. Zurück im Hostel unterhielt ich mich dann noch ein paar Stunden mit ein paar Iren und meinem englischen Mitbewohner bevor ich gegen 1 Uhr nachts ins Bett ging.

Am nächsten Morgen zeigte sich dann der Himmel im gleichen Grau wie am Vortag, der Wind peitschte nach wie vor durch die menschenleeren Straßen und Gassen und der Vulkan Villarica war weiterhin nicht zu sehen, da die Wolken nach wie vor fast den Boden küssten. Somit war die Entscheidung leicht: Ich verließ Pucón schon am Morgen nach meiner Ankunft in Richtung Valdivia, eine weitere mehrstündige Busfahrt erwartete mich. Glücklicherweise war das Wetter in Valdivia besser: Bei gelegentlichem Sprühregen und böigem Wind traute sich die valdivische Sonne zwischendurch immer mal wieder aus ihrem Versteck.

Valdivia ist benannt nach dem spanischem Conquistador Pedro Gutiérrez de Valdivia (ca. 1500-1553), der von der  spanischen Krone nach Südamerika geschickt, unter Pizarro die chilenischen Ureinwohner unterwarf. Hierbei gründete er unter anderem die Städte Santiago und Valdivia und wurde im Jahr 1549 erster spanisch-königlicher Gouverneur Chiles. Heutzutage ist die an drei Flüssen gelegene Stadt Valdivia, die auch gleichzeitig Namensgeber der Metropolregion Valdivia ist,  insbesondere für Kunstmann, das im angrenzenden Niebla gebraute Bier bekannt. Es ist schwierig, einen Chilenen zu treffen, der nicht begeistert von diesem Bier schwärmt, auch wenn es für meinen Geschmack zu viel Malz enthält.

Solitario

Im Hostal in Valdivia traf ich sogleich eine weitere Deutsche, mit der ich mir dann am nächsten Tag Niebla, ein durch seeseitige Befestigungsanlagen geschütztes Dorf anschaute. Die Befestigungsanlagen waren allerdings nicht ausreichend, das von den Mapuche-Indianern geraubte Land dauerhaft zu halten. Erst 1861, lange nach der Unabhängigkeit Chiles, gelang es den Nachkommen der Conquistadores diesen Landstrich für sich zu beanspruchen und dem Widerstand der Mapuche standzuhalten. Abgesehen von einem Salsa-Club und Seelöwen an der Hafenmole hatte Valdivia allerdings nicht viel zu bieten, auch die angeblich sichtbaren deutschen Einflüsse auf die Architektur waren für mich nicht auszumachen.

Aus diesem Grund ging es dann gestern morgen weiter nach Süden, so dass ich nach 7 Stunden Busfahrt gen Süden nun den Norden Patagoniens erreicht habe. Zur Zeit bin ich in Castro auf Chiloé, der zweitgrößten Insel Südamerikas, die der Bus durch eine 20min Fährfahrt von Puerto Montt aus erreichte. Die Insel war lange abgeschieden vom Festland und entwickelte sich dadurch ein wenig anders als das von Einwanderern geprägte Festland Chiles: Mystische Wesen und Legenden von Hexen und Hexern prägen die hiesige Folklore. Für Touristen interessante Ausflugsziele sind hier z.B. die 150 Kirchen oder auch ein Nationalpark, in dem großer Artenreichtum an Vögeln herrscht, Füchse und Wölfe gesehen werden können und gewandert werden kann. Weiterhin gibt es auf Chiloé die in Chile sonst nicht verbreiteten Pfahlhäuser.

Falls der Regen morgen schwächer wird, stehen somit Kirchen und Pfahlhäuser auf dem Besuchsprogramm. Und danach geht’s dann nach Puerto Varas, bevor ich am Freitag die Navimag-Fähre in Puerto Montt nehmen werde.

VN:F [1.8.3_1051]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.8.3_1051]
Rating: -1 (from 1 vote)

Galapagos: Anreise und Isla Floreana

28 Juni 2009

Gestern ging es los: Um 4:15h stehe ich auf, um meinen Flug zu bekommen, der um 6:40h Quito verlassen soll. Als ich am Flughafen ankomme, darf ich zusammen mit zwei Brasilianern erstmal ne Dreiviertelstunde warten, da das Personal für Gepäckkontrolle und Check-In noch nicht da ist.

Dann geht es aber schnell: ID-Karte für Galapagos wird gekauft, das Gepäck geprüft und der Check-In bei Aerogal gemacht, und schon sitze ich in der Abflughalle am Gate.

Als wir die Abflughalle verlassen und das Rollfeld betreten eröffnet sich uns ein atemberaubender Anblick: Außergewöhnlich gute Sicht erlaubt es dem zweitgrößten Vulkans Ecuadors, dem Cotopaxi, sich uns zu zeigen. Mühelos dominiert der schneebedeckte, immer noch aktive Vulkan das sonst schon überwältigende Panorama Quitos. Cotopaxi, mit einer Höhe von über 5000m ist auch nach dem Abheben über den Wolken noch lange zu sehen. Hier in Ecuador grenzt die Begeisterung über diesen Vulkan schon an Verehrung.

In Guayaquil steht dann ein einstündiger Zwischenstopp an, danach geht es weiter auf die Galapagos, nach Baltra.

In Baltra werden sofort die Einreisepapiere vom Check-In kontrolliert, sowie der Eintritt für den Nationalpark kassiert: $100, von denen wenigstens 25% zur Erhaltung des Nationalparks direkt verwendet werden. 5% gehen leider auch an das Militär, man kann nur hoffen, dass damit die Küstenwache gemeint ist.

Nachdem das Gepäck ausgeladen ist, spricht mich Marcin, ein Pole, an, ob ich auch auf der “Amigo”, meinem Schiff, die Reise sei. Er hat den Aufkleber gesehen, den ich zur Erkennung auf dem Flughafen tragen sollte.

Unser Naturalist, der Reiseleiter, hat aber Verspätung, und wie sich rausstellt, warten nicht nur wir, sondern auch eine  vierzehnköpfige Gruppe von 14-17 jährigen Teenagern samt zweier Gruppen-Reiseleiter auf den lokalen Reiseleiter.

Die Gruppe besteht fast ausschließlich aus Amerikanern, die Ausnahmen bilden eine Puerto Ricanerin, eine Kanadierin und eine Chinesin. Wie mir der Dan, einer der beiden Gruppen-Reiseleiter später erzählt, ist das Ganze eine Abenteuer-Bildungsreise, die die Eltern für 21 Tage $5500 kostet. Inklusive sind dabei 2 Tage Sozialarbeit, da wohl inzwischen viele High Schools Sozialarbeit zur Voraussetzung zum Abschluss machen.

Als wir nach einer kurzen Busreise im Hafen ankommen, bedarf es mehrmaligen Pendelns des Dinghis, bis das gesamte Gepäck und alle Personen an Board der “Amigo” sind.

Die Amigo ist ein Boot der sogenannten Touristenklasse, und ich scheine der einzige zu sein, der die komplette Tour über acht Tage gebucht hat: Am Donnerstag werden neue Passagiere hinzukommen.

Um 14 Uhr geht es dann nach einem leckeren Mittagessen zur “Estación Charles Darwin”, die das Zuchtprogramm für Schildkröten verantwortet. Der Unterschied zu einem Zoo ist allerdings immens: Unser Naturalist nimmt uns mit ins Gehege, wo wir die bestimmt 1m großen Riesenschildkröten aus 1-2m Entfernung ohne Zaun oder sonstige Barrieren erleben dürfen: Seien es Territorialverhaltensweisen beim Trinken des Wassers aus dem Teich oder Paarungsversuche zweier männlicher Schildkröten.

Bis um 18 Uhr bleiben wir noch an Land, danach geht es zurück zum Schiff, um Abend zu essen.

Den Sonnenuntergang erleben Marcin und ich bei einem Bierchen auf dem Schiff, der Rest der Gruppe darf keinen Alkohol konsumieren, da in den USA die Altersgrenze hierfür 21 ist. 1. TAG.

Am nächsten Morgen weckt mich zunächst mein Mobiltelefon eine Stunde zu früh, da ich vergessen hatte, die Zeitzone umzustellen – die Galapagos Inseln sind eine Stunde zurück in der Zeit, bei GMT-6.

Nachdem mich Marcin brummelnd darauf hinweist, schlafen wir noch das knappe Stündchen, dann gibt es Frühstück.

Über Nacht ist das Schiff zur Insel Floreana gefahren, wo wir als erste Reisegruppe des Morgens anlanden. Ziel des heutigen Tages ist, möglichst viele Flamingos in freier Wildbahn zu sehen. Da ber laut unseres Naturalisten nur ca. 500 Flamingos in Floreana sind, sehen wir nur ganze vier Exemplare. Und zwei Seelöwen.

Seelöwen: Diese an Land tolpatschigen Tiere erwachen im Wasser zu ungeahnter Eleganz und sollten uns später am Tag noch viel freude bereiten.

Für den späten Vormittag steht schnorcheln auf dem Programm. Als erstes kommt mir der untere Teil des Schnorchels im Wasser abhanden, er bleibt unauffindbar. Die Flossen sind leider auch zu groß, also geht es zurück zur “Amigo”, wo ich eine neue Brille erhalte. Flossen leider aber nicht.

Als ich endlich schnorchelnd im Wasser bin, ist es erst einmal enttäuschend: Im Vergleich zum Tauchen im Tayrona Nationalpark wirkt das Meer in Schnorcheltiefe sehr leer. Doch auf plötzlich zeigt sich ein vorbeiziehender Fischschwarm, und kurze Zeit später tummeln sich zwei Seelöwen im Wasser, die sich uns neugierig bis auf ca. 1m annähern, dann aber stilvoll wegtauchen oder per Rolle ausweichen.

Die Seelöwen schwimmen bestimmt noch 10 Minuten mit uns, und kurze Zeit später geht es dann auch schon zurück zum Dinghi, das uns rechtzeitig zum Mittagessen auf die “Amigo” bringt.

Nach dem Mittagessen fahren wir dann auf die andere Seite der Insel: Hier ist das sogenannte Postoffice, die Post.

Das Konzept, angelehnt an das Nachrichtensystem der früher auf Galapagos ansässigen Freibeuter ist einfach aber intelligent: Wohnt man in der Nähe der auf einer Postkarte angegebenen Adresse, nimmt man die Karte mit und stellt sie persönlich zu.

Da ich allerdings zunächst nicht in Deutschland sein werde, erbeute ich eine Postkarte, die ich in Bogotá, Kolumbien zustellen werde. Nach dem Postamt geht es dann noch in eine durch Lava geformte Höhle, in der es stockduster ist. Hier macht es sich bezahlt, dass ich eine Taschenlampe dabei habe, da die Funzel unseres Touristenführer doch mal neue Batterien bräuchte…

Hinterher sind zwei Stunden Freizeit am Strand von Floreana geplant.

Für den 3. Tag morgen steht eine der wohl beeindruckendsten Inseln auf dem Programm: Española. 2. TAG.

VN:F [1.8.3_1051]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.8.3_1051]
Rating: 0 (from 0 votes)