Beiträge getagged ‘sabbatical’

Das Ende naht

26 Februar 2010

Schon bald geht es wieder nach Deutschland, mein Jahr in Südamerika neigt sich dem Ende zu. Und da sich nun schon mehrfach Leute gefragt haben, wann und wie ich zurückkomme, hier die Flugdaten:


Bogota to Caracas

 

Flight 1 – Saturday, March 13, 2010
Departure   :11:00 – Bogota, Colombia – Eldorado, terminal 1
Arrival     :13:20 – Caracas, Venezuela – Simon Bolivar
Airline     :Avianca AV068


Caracas to Frankfurt

 

Flight 1 – Saturday, March 13, 2010
Departure   :17:30 – Caracas, Venezuela – Simon Bolivar
Arrival     :08:55+1day(s) – Frankfurt, Germany – Frankfurt International, terminal 1
Airline     :Lufthansa LH535


Frankfurt to Hamburg

 

Flight 1 – Sunday, March 14, 2010
Departure   :12:15 – Frankfurt, Germany – Frankfurt International, terminal 1
Arrival     :13:15 – Hamburg, Germany – Hamburg, terminal 2
Airline     :Lufthansa LH012

Bis bald in Hamburg!

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Bilder der Busfahrt über den Paso de Jama

30 November 2009
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Wieder in Bogotá

29 November 2009

Salta

Salta

Diesmal nur kurzer Artikel… Mit Solveig und Kim, die ich in Puerto Iguazú kennengelernt hatte, nahm ich einen Flug nach Salta, da dieser bei fast gleichem Preis, ca. 20 Stunden an Zeit sparte. Diesmal wohnten wir allerdings in unterschiedlichen Unterkünften, die Mädels entschieden sich, ein etwas teureres, komfortableres Hostel zu buchen. Dennoch waren unsere Bleiben in unmittelbarer Nähe zueinander, so dass wir abends ein paar exzellente Steaks zusammen aßen, bis die beiden dann in die Umgebung von Salta weiterzogen. Ich harrte noch ein paar Tage aus, bestieg den örtlichen Hügel, um die Stadt von oben zu sehen und lernte Uwe kennen, mit dem ich dann auch über den Paso de Jama von Salta nach San Pedro de Atacama fuhr. Der Bus kam nach ca. 12 Stunden an, die Busfahrt aber war gespickt mit wunderschönen Aussichten. Sicherlich die schönste Busroute, die ich bisher gesehen habe. In San Pedro habe ich dann nur noch auf den Tag meines Rückfluges nach Bogotá gewartet, und inzwischen bin ich hier wieder angekommen.

Morgen werde ich zusammen mit Nathaly ein Zimmer mieten und dann werden wir mal die Planung für den Dezember angehen…

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Ab in die Wärme

22 November 2009

 

Blaublühende Bäume in Buenos Aires

Blaublühende Bäume in Buenos Aires

Nach all den Problemen mit dem LAN Flug von Ushuaia nach Buenos Aires komme ich mit einem anderen Flug der Aerolineas Argentinas schließlich doch gegen 1:30 Uhr nachts in Buenos Aires an und nehme sofort ein Taxi zu meiner Unterkunft, dem Hostel Kaixo im Zentrum der Stadt, nur zwei Blöcke vom berühmten Obelisken entfernt gelegen. Dort erwartet mich schon Neil, ein Freund, den ich im Juni in Bogotá kennengelernt hatte mit einem kühlen Bier – er selbst ist auch erst eine Stunde vorher mit einem Bus aus Mendoza angekommen, da er seinen eigentlichen Bus verpasst hatte. Das Hostel hat einen Balkon zur Straße raus, und dort tauschen wir noch bis 5 Uhr morgens die Erlebnisse der letzten Monate aus, bis wir dann doch ins Bett gehen.

Der Obelisk

Der Obelisk

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück machen wir uns auf, einen kleinen Stadtspaziergang zu machen, San Telmo, Palermo und das Zentrum stehen auf dem Programm. Überall blühen blauviolett Bäume, an jeder Ecke sind kleine Kaffees und viele Bäume säumen die Straßen. Die Stadt ist vielleicht die sauberste und grünste Stadt, die ich auf diesem Kontinent bisher gesehen habe, und die Menschen hier sehen zwar lateinamerikanisch aus, allerdings mit starkem europäischen Einschlag.

Regen in Buenos Aires

Regen in Buenos Aires

Das schwül-heiße Wetter entlädt sich dann am Nachmittag: Regengüsse, wie ich sie noch nicht erlebt habe gehen auf Buenos Aires nieder, bis auf die Haut durchnässt eilen wir durch überschwemmte Straßen, queren knöcheltief unter Wasser stehende sechsspurige Straßen in Flip-Flops während uns einige Argentinier von ihrem überdachten Refugium belustigt zusehen. Überall tauchen plötzlich fliegende Regenschirmhändler auf, die die Gunst der Stunde nutzen wollen, ihre Ware an den Mann zu bringen. Als wir im Hostel ankommen, darf ich Neil erstmal Klamotten ausleihen, da seine Sachen alle noch in der Wäsche sind und wir die Wäsche erst um 20 Uhr abholen können.

Abends treffen wir uns dann mit Leyla zum Essen, einer Freundin aus Chile, die zufällig auf Geschäftsreise in Buenos Aires ist. Das Essen, eine Grillplatte, die Neil und ich uns teilen, ist fantastisch: Perfekt gebratenes saftiges Rindfleisch, wahrscheinlich von Rindern, die erst Stunden zuvor geschlachtet wurden: Am Ende kostet uns der Spaß nur 10€ inklusive eines leckeren Rotweins und wir ziehen weiter zum Plaza Serrano, im Stadtteil Palermo. Dort sitzen wir noch ein Weilchen mit Leyla, bis sich diese verabschiedet, am nächsten Tag steht ein Meeting an. Wir wechseln die Kneipe und lernen schließlich noch zwei Argentinier kennen, mit denen wir dort noch bis in die frühen Morgenstunden (6:30 Uhr) bleiben. Buenos Aires scheint nicht zu schlafen, Ausgehzeiten bis 8 Uhr morgens sind völlig normal, schließlich fängt man auch erst gegen 1 Uhr nachts an.

Am nächsten Tag schlafen wir aus und beschließen, nicht nach Montevideo in Uruguay zu fahren, sondern Buenos Aires weiter zu erkunden. Leider müssen wir unser Hostel verlassen – wir hatten vergessen, zu verlängern und eine große Reisegruppe hat alle Betten belegt. Also checken wir in ein anderes Hostel, diesmal in Palermo, ein und wandern anschließend wiedereinmal durch die Straßen der Stadt, schauen uns die Bauten an und Essen lecker. Danach geht’s wieder auf die altbekannte Stätte des Plaza Serrano, wo wir auch an diesem Abend zwei Argentinier kennenlernen, mit denen wir später noch tanzen gehen – irgendwo im Norden von Palermo. Um 7:30 Uhr geben wir auf und erreichen das Hostel rechtzeitig zum Frühstück, wonach wir ersteinmal ein paar Stunden schlafen. Den Rest des Tages laufen wir wiedereinmal durch die Stadt, bevor wir abends früh ins Bett gehen.

Wasserfälle

Wasserfälle

Dann steht auch schon meine Busfahrt nach Iguazú zu den Wasserfällen an: Auf der Fahrt dorthin sitze ich neben einer netten Mexikanerin, so dass die Fahrt nicht zu langweilig wird und nebenbei sind noch eine Deutsche und eine Holländerin ebenfalls im Bus, die mich zu meinem Hostel begleiten – sie selbst hatten noch nichts rausgesucht. Während die Mädels am gleichen Tag noch einen Teil der argentinischen Seite anschauen, lauf ich ein wenig durch die Stadt und mache nichts…

Für den nächsten Morgen verabreden wir uns aber, um den Nationalpark zusammen zu besuchen. Sie haben einen Teil der argentinischen Seite noch nicht gesehen, also gehen wir zusammen dahin, machen eine Speedboat-Fahrt mit Dusche unter zwei Wasserfällen und am Nachmittag ziehe ich dann alleine weiter – zum Teufelsschlund, la Garganta del Diablo.

Der Blick von der brasilianischen Seite

Der Blick von der brasilianischen Seite

Der Nationalpark ist unglaublich: Unglaubliche Wassermengen stürzen die Klippen hinunter, das Hinterland steht komplett unter Wasser, vereinzelt luken die Spitzen einiger Sträucher oder Bäume aus der Seenlandschaft empor. Enge Durchflüsse erzeugen reißende brodelnde Sturzbäche und Regenbogen zeigen sich in der Gischt der brausenden Wasserfälle. Die pure Kraft der Natur, die sich hier zeigt lässt sich nur mit offenem Mund ertragen, und die 34°C im Schatten werden durch die Gischtnebel gelindert.

Die brasilianische Seite der Wasserfälle sehe ich am nächsten Tag: Nach Querung der Grenze erwartet uns der dortige Nationalpark, der schönste Panoramen zeigt und es ermöglicht, ganz nah an die Wasserfälle ranzukommen. Beeindruckend. Und ich kann mich einfach nicht entscheiden, welche Seite schöner ist: Beide Seiten sind wunderschön, ein Erlebnis, das man so einfach nicht vergisst.

 

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Überwintern auf Feuerland

13 November 2009

Ushuaia im Schnee

Schnee in Ushuaia

06.11.09 – 12.11.09 Ushuaia, Tierra de Fuego

Am 06.11.09 nehme ich um 07:30 Uhr den Bus von Puerto Natales nach Ushuaia auf Feuerland. Die ersten Stunden ziehen die Südpatagonischen Landschaften am Fenster vorbei, während der Bus unbeirrt Richtung Feuerland fährt. In der Nähe von Punta Arenas stoppen wir dann auf der Straße mitten im Nirgendwo: Wir müssen in einen anderen Bus umsteigen, der von Punta Arenas kommend weiter Richtung Süden fährt. Und schon kurze Zeit später zeigt sich am Horizont ein blauer Streifen – die Magellan Straße, die wichtigste Wasserstraße südlich des Panamakanals und nördlichste Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik. Als wir am Hafen ankommen, wartet schon eine Fähre auf uns, die uns nach Feuerland bringen soll. Die Überfahrt dauert nur 15 Minuten, dennoch genug Zeit für Delphine, uns zu finden. Sie begleiten das Schiff fröhlich bis dieses Hafen anlegt.

Danach geht es weiter nach Rio Grande, dem nächsten Stop auf der etwas komplizierten Route nach Ushuaia. Interessanterweise komme ich ins Gespräch mit zwei weiteren Deutschen im Bus, die, wie sich rausstellt, gerade von den Bogenschießweltmeisterschaften in Argentinien kommen – eine der beiden Damen ist Weltmeisterin im “Blank”-Schießen mit dem Bogen, also ohne Visir geworden. Bevor wir jedoch in Rio Grande ankommen, gilt es zunächst die chilenisch-argentinische Grenze zu passieren. Also wiedereinmal jeweils einen Stempel in den Pass aufgenommen und weiter geht’s – glücklicherweise sind die Argentinier nicht so paranoid an der Grenze wie die Chilenen, die grundsätzlich jedes Gepäckstück durchleuchten und mit Hunden nach Früchten suchen, um die Einfuhr von Plagen zu verhindern.

Als wir nach insgesamt 9 Stunden Bus- und Fährfahrt in Rio Grande ankommen, gilt es wiedereinmal das Gepäck aus dem Bus zu holen, den Busgutschein in ein Ticket umzuwandeln und auf den Anschlussbus zu warten. Die Chilenen dürfen nämlich aufgrund der schlechten Nachbarschaft mit den Argentiniern keine Bustickets für Busse in Argentinien ausstellen… Nachdem diese Hürde genommen ist, geht’s nach kurzer Wartezeit im Kleinbus weiter nach Ushuaia. Als wir einen der Pässe queren begrüßt uns schon der erste Schneesturm – der Frühling ist dank des Wetterphänomens El Niño nach wie vor im Urlaub…

Hafen von Ushuaia

Hafen von Ushuaia

Ushuaia begrüßt uns dann trotzdem mit Sonnenschein und einem schönen Panoramablick: Attraktiv zwischen Beagle-Channel und gebirgigem Hinterland gelegen, zeigen sich schneebedeckte Gipfel auf der einen Seite, und tiefblaues Wasser auf der anderen Seite. Im Hafen liegen ein paar alte, verrottete Kriegsschiffe, die kaum seetauglich scheinen, und ein wenig weiter begrüßen mit Container mit der Aufschrift Hamburg-Süd von Bord eines Containerschiffs. Die Häuser sind bunt und ansehnlich, die Stadt wirkt schön. Ein paar städtebauliche Sünden sind trotzdem zu sehen – an einem der Hügel wurden für Wohngebiete alle Bäume gefällt, so dass auf dem sonst waldbedecktem Berg eine weiße, kahle Schneise verbleibt, nur durch vereinzelte Häuser unterbrochen. Die Stadt ist, wie mir später ein Taxifahrer erzählt, nach Eröffnung des modernen Flughafens innerhalb von 10 Jahren von 5.000 auf 80.000  Einwohner gewachsen.

Vom Busterminal mache ich mich dann zu Fuß zum angeblich zentral gelegenen Freestyle Hostel – glücklicherweise ist es das tatsächlich, so dass ich dort nach 5 Minuten Fußweg auch ankomme.

Dort werde ich von einem augenscheinlich Reggae-süchtigen Inhaber begrüßt: Haare bis zur Hüfte, traditionell verfilzt, ein Bär, der mich erstmal umarmt und mit den Worten “Willkommen in der Familie” begrüßt… Das Hostel ist sehr modern, hat stets kostenlosen Kaffee aber auch ein paar Nachteile: Die Toiletten und Duschen lassen sich nicht verschließen und durch eine Intervallschaltung in der Toilettenbeleuchtung geht das Licht minütlich aus, so dass man den Schalter erneut drücken muss. Mein Dormitorio, und weiter oben das Billardzimmer, haben aber Fenster zur Bucht, wo man im Abendlicht jenseits der Hausdächer die Yachten schaukelnd vor Anker liegen sieht.

Am nächsten Morgen orientiere ich mich erstmal in der Stadt, mache ein paar organisatorische Besorgungen, informiere mich über Bus und Flugoptionen, um Ushuaia wieder zu verlassen, Tourmöglichkeiten und wandere ein wenig durch die Stadt. Auch reserviere ich noch einen Platz für eine Tour auf die Pinguinkolonie in der Nähe der Estancia Haberton. Abends gehe ich früh ins Bett, nach 12 Stunden Busfahrt habe ich keine Lust mehr auszugehen.

Pinguine in der Nähe der Estancia Haberton

Pinguine in der Nähe der Estancia Haberton

Den Tag darauf nehme ich dann an der Tour teil, und nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir die Estancia, wo schon Reiseführerin und Boot auf uns warten. Es ist bitterkalt, ein aus der Antarktis kommender Wind bläst uns die Schneeflocken ins Gesicht, als wir das Boot betreten, das immerhin einen überdachten, allerdings unbeheizten Bereich hat. Nach 10 Minuten Fahrt erreichen wir die Kolonie und können uns freilebende und watschelnde Magellan-Pinguine anschauen. Es ist wirklich bitterkalt, nach wenigen Minuten bin ich nur noch am Frieren und kann kaum die Kamera halten… Als wir dann nach kurzer Zeit mit dem Boot zurückfahren, gibt es glücklicherweise die Möglichkeit noch einen heißen Kaffee und einen Kuchen zu verdrücken, bevor es nach Ushuaia zurückgeht.

Am folgenden Tag treffe ich ein paar Leute, mit denen wir im Hostel ein wenig Musik machen – zu Gitarre und Bongos singen wir ein wenig, spielen Billard, und betrachten die Schneestürme von drinnen. Für morgen ist eine Exkursion in den Parque Nacional Tierra del Fuego vorgesehen, leider bin ich morgens aber mit Magen-Darm-Schmerzen invalide, was sich allerdings am nächsten Tag gibt.

Kormorane im Beagle Channel

Kormorane im Beagle Channel

Um zumindest noch ein wenig mehr zu sehen, habe ich eine Bootsfahrt auf dem Beagle-Channel gebucht, wo einige Seelöweninseln und ein Leuchtturm zu begutachten waren – trotz Schneesturm war das ganze allerdings nicht ganz so kalt, da es eine geheizte Kabine gab, wo wir Kaffee bzw. auf der Rückfahrt das hiesige Bier “Beagle-Channel” serviert bekamen und auf der Rückfahrt das Schiff auch selbst steuern durften – natürlich nur unter den strengen Augen des Kapitäns… Abends ging es dann noch in einen Pub mit ein paar Israelis, Amerikanern, Quebec-Kanadiern, wo wir noch bis ca. 2 Uhr blieben.

Leuchtturm :)

Leuchtturm :)

Für den gestrigen Tag war dann mein Flug nach Buenos Aires eingeplant, aber als ich morgens am Flughafen ankam, wurde ich von LAN mit der Information begrüßt, dass das Bodenpersonal von LAN in Buenos Aires streike und der Flug insofern verspätet sei – weitere Information würden um 11 Uhr folgen. Also setze ich mich hin, unterhalte mich ein wenig mit einem Litauer und einem Estonier, die mir prompt um 9:30 Uhr morgens ein Bier anbieten (das ich ablehne). Um 11 Uhr gibt es allerdings immer noch keine Neuigkeiten und das sehr freundliche und hilfsbereite Personal in Ushuaia vertröstet uns auf 13 Uhr – und gibt einen Essensgutschein für ein Mittagessen in der Kantine aus, wo ich dann mit einer Schweizerin zu Mittag esse, die auch festsitzt. Um 13 Uhr haben wir dann die finale Information, dass der Flug gestrichen wurde, und LAN uns anböte, das Ticket entweder zu stornieren oder ein Hotel gestellt zu kriegen, um morgen aufs Neue darauf zu warten, dass der Streik ein Ende findet. Wir stellen uns erstmal bei Aerolineas Argentinas an, deren Personal nicht streikt und schaffen es, Tickets für einen Flug um 21 Uhr zu ergattern – allerdings erst, nachdem das IT-System wieder läuft, das zwischendurch für ein paar Stunden abgestürzt. Nachdem alles sicher ist, und alle Fragen auch zum Around-The-World-Ticket der Schweizerin geklärt sind, lassen wir unsere LAN Tickets stornieren und kommen schließlich gegen 1:00 Uhr nachts in Buenos Aires an.

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Trekking in Torres del Paine

7 November 2009

03.11.2009 – 04.11.2009 Torres del Paine

 

Parque Nacional Torres del Paine

Cuernos del Paine im Parque Nacional Torres del Paine

Um 6:15 Uhr reißt mich das Handy unsanft aus meinem durch Schnarcher gestörten Schlaf: Es ist Zeit aufzustehen, um den Nationalpark Torres del Paine zu besuchen. Der Bus hat sich für 7:30 Uhr angekündigt, so dass wenigstens noch genug Zeit bleibt, das Gepäck zuendezupacken und gemütlich zu frühstücken.

Durch meine Reservation noch an Bord der Fähre – mobilem Internet sei Dank – konnte ich am Vortag noch ein Bett im Hostel Erratic Rock ergattern und checkte dort gegen Mittag ein. Im Hostel wurden wir gleich freundlich vom Hausherrn begrüßt und konnten endlich mal wieder echten Kaffee genießen – kostenlos. Nachdem wir mit einem kleinen Grüppchen zu Mittag gegessen hatten, stand auch schon ein Termin auf dem Programm, nämlich eine Informationsveranstaltung zum Parque Nacional Torres del Paine: Welches Klima herrsche (von allem etwas), was mitzubringen sei, wie man die schönsten Punkte des Parkes erreichen könnte, wie der Transport funktioniert undsoweiterundsofort. Nach einer Stunde geballter Informationen ging ich somit nach nebenan, zum Ausrüstungsverleih und lieh mir Gehstöcke. Mehr brauchte ich nicht, da ich mich gegen Camping und für die Unterkunft in einem Refugio, einer im Park befindlichen Unterkunft entschieden hatte. Abends packte ich dann noch bis 1 Uhr nachts die nötigsten Dinge ein und ging ins Bett.

So reib ich mir also in der gefühlten Schwärze der Nacht den Schlaf aus den Augen, zieh mich an und pack das restliche Gepäck zusammen. Dann geht’s runter zum Frühstück, wo schon Bill, der Hausherr, mit selbstgebackenem Brot, frischem Kaffee, Marmelade und Joghurt auf die in den Park abfahrenden Gäste wartet. Das Brot ist eine spezielle Kreation von ihm: Erdnussbutter, Schokolade, Kaffee und Banane sind wohl die Hauptbestandteile und es schmeckt sensationell. Leider hat er für jeden nur eine Scheibe, den Rest des Hungers muss ich mit Toast und Cornflakes stillen.

Torres del Paine

Patagonische Landschaften auf dem Weg nach Torres del Paine

Als der Bus um 7:30 Uhr vorfährt sind wir die letzten, die restlichen Plätze sind schon besetzt – die anderen mußten also noch früher aufstehen. Die Fahrt zum Park führt durch wunderschön anzuschauende ewig weite Steppen auf denen Pferde und Schafe grasen. Die Lämmer jagen ängstlich zu ihren Eltern als der Bus vorbeifährt, von der Straße nur durch einen winzigen, aus 70cm hohen dünnen Holzstöcken gebauten Zaun getrennt, dessen rotes Tor sich deutlich vom sich endlos hinziehenden Grün der Weideflächen absetzt. Am Horizont ragen schneebekränzte Gipfel in die Höhe, an der Straße und auf der Steppe verstreut zeigen sich vereinzelt Holzhäuschen, vor denen Pferde, am Zaun angebunden, versuchen, der Steppe ihr Gras zu entreißen. Ein Mitreisender macht das entgegengesetzte: Zweimal müssen wir halten, da ihm durch die schaukelnde Busfahrt über Schotterpisten schlecht geworden ist und er sich übergeben muss.

Als wir uns dem Nationalpark nach ungefähr 2 Stunden Fahrt nähern, begrüßen uns unter blauem Himmel, von Wolken umkränzt, die Torres del Paine: bizarr anmutende, spitze Berge, die wie Dolche aus dem Gebirgsmassiv hervorstechen. Diese sind auch die Namensgeber des Nationalparks, der als einer der eindrucksvollsten in Lateinamerika gilt.

Die Torres del Paine

Die Torres del Paine

Am Parkeingang müssen wir zunächst eine Wanderkarte kaufen, die zum Parkeintritt berechtigt. Diese Karte ist eindrucksvoll detailliert: Höhenlinien und Wanderzeiten zwischen verschiedenen Wegpunkten sind aufgeführt. Danach gilt es dann, den richtigen Bus zum eigentlichen Einstieg zu nehmen: Wandert man das “W”, die beliebteste Strecke mit allen Highlights, gegen den Uhrzeigersinn, so sind die Torres del Paine der Beginn, ansonsten ist der nächste Stop ein See, der per Katamaran überquert werden kann und somit die Ost-West Verbindung darstellt.

Da ich mich für den Uhrzeigersinn entschieden habe, besteige ich den Bus zum Katamaran, der sodann die 38km durch atemberaubende Landschaft zurücklegt: Türkisblaue Lagunen über denen sich mächtige Gebirgsmassive, die Cuernos del Paine erheben. Auf den Bergen schimmern blaue Gletscher und am Straßenrand und dem angrenzenden Land grasen gelangweilt, nicht im mindesten von den Autos eingeschüchtert, Guanakos.

Als wir den Bus verlassen haben wir noch eine Stunde Zeit bis der Katamaran fährt. Da es aber in direkter Nähe einen Wasserfall zu besichtigen gibt, begeben wir uns auf eine kleine, halbstündige Wanderschaft, schießen ein Foto und kehren zurück. Inzwischen ist auch der Katamaran angekommen und wir gehen an Bord. Kurz bevor das Boot ablegt werden wir Zeugen des verzweifelten Sprints derjenigen, die am Wasserfall die Zeit vergessen haben und nun versuchen, den Katamaran doch noch rechtzeitig zu erreichen. Es klappt.

Der Gletscher Grey

Der Gletscher Grey

Die halbstündige Fahrt im Katamaran über die türkisblauen Wasser des Lago Pehoe erfolgt ohne Zwischenfälle und nachdem ich Schlafsack und die meisten Lebensmittel im Refugio auf meinem Bett deponiert habe, geht es los mit der Wanderung zum Gletscher Grey. Während zunächst die Sonne das Wandern begünstigt und nach ein paar Stunden spektakuläre Ausblicke auf den Gletscher samt vorgelagerten See bietet, ist der Rückweg nicht so erbaulich: Das vom Hielo del Sur produzierte Wetter hat wiedereinmal umgeschlagen und dicke Regentropfen, glücklicherweise nur wenige, versüßen die spätere Ankunft im Refugio, wo ein prasselndes Kaminfeuer zum Aufwärmen brennt und eine warme Mahlzeit geordert werden kann.

Am nächsten Tag stehe ich früh auf, um mir das Valle del Frances, das Franzosental, anzuschauen. Normalerweise der schönste Teil des Parkes schaue ich in freudiger Erwartung aus dem Fenster, werde allerdings arg enttäuscht. Draußen wütet ein Schneesturm, glücklicherweise nur mit kleinen Flocken, aber dennoch sieht das ganze ziemlich unangenehm aus. Aber da der Park ja ständig sein Wetter wechselt, traue ich mich raus auf den Pfad hin zum Valle del Frances.

Nach 4 Stunden Schneesturm, mit zeitweise schönem Ausblick auf den Gletscher am Ende des Tals, teilweiser Sicht auf die Berge, die das Tal säumen und wandern im bis zu 7cm tiefen Schnee, entscheide ich mich zurückzukehren. Als ich gerade 20min gegangen bin höre ich ein Donnern: Eine Lawine hat sich auf dem Berg am Ende des Tals gelöst. Das Geräusch der vierten Lawine erschreckt mich schon gar nicht mehr, als ich mich aber umdrehe, sehe ich, wie sich die Schneemassen über den Gletscher ergießen, Meter für Meter bedecken und in einer riesigen Schneewolke enden. Eindrucksvoll…

Als ich nachmittags zurück bin, schneit es immer noch stark und ich überbrücke die Zeit bis zur Rückfahrt des Katamarans mit heißem Moccaccino bis ich abends um 22 Uhr wieder im Hostel ankomme und mich ins Bett werfe. Am nächsten Tag habe ich nichts eingeplant, ein Ruhetag, aber für den Tag darauf steht die 12-stündige Busfahrt nach Ushuaia auf Feuerland, der letzten größeren Siedlung nördlich der Antarktis, an.

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Fotos von der Navimag Fährfahrt

7 November 2009

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Mit der Fähre durch die Fjorde Patagoniens

5 November 2009

Puerto Montt – Puerto Natales

30.10.2009 – 02.11.2009

 

Der Vulkan Osorno

Der Vulkan Osorno

Die Sonne scheint! Als ich aufwache, traue ich meinen Augen kaum: blauer Himmel, die Sonne strahlt vom Firmament, ein frischer Wind umweht die Bäume vor dem Haus. Auf der anderen Seite des Wassers des Lago Llanquihue erhebt sich majestätisch der Vulkan Osorno aus dem See, ein konisch perfekt geformter Vulkan, dessen schneebedeckter Gipfel von Puderzucker überschüttet scheint. Es ist der erste Vulkan, den ich in der Seenregion sehe, und nun verstehe ich, warum diese majestätischen Feuerspucker so faszinieren. In einem Krater endende Berge, die allein durch ihre Präsenz spektakulär ihre umliegende Landschaft prägen, mal eine stumme Drohung an den fernen Betrachter aussendend, mal mit Lavaströmen ihr Umland für immer verändernd.

Den Vulkan im Rücken, verlassen Oliver, ein Mitreisender auf der Navimag, und ich Puerto Varas im Regionalbus. Nach einer kurzen Fahrt kommen wir in Puerto Montt an, wo die Fähre im Hintergrund schon bereitsteht, Autos und Passagiere aufzunehmen. Nachdem wir eingecheckt haben, lassen wir das Gepäck dort, damit es vom Fährpersonal in die Kabinen gebracht werden kann. Ich habe Glück: Statt einem Raum mit 20 Betten oder Betten im Gang bekommen Oliver und ich ein Upgrade: 4-Bett Innenzimmer. Auch andere bekommen Upgrades, eine Schweizerin, die vorher ein 4-Bett Innenzimmer hatte, ist jetzt in einer 4-Bett Außenkabine.

Die Navimag Fähre

Die Navimag Fähre

Die Kabinen sind schockierend klein: Auf den vielleicht 6m², mit großen Fächern für Rucksäcke oder persönliche Dinge, befinden sich zwei Doppelstockbetten in der Kabine, nur getrennt durch einen schmalen 50cm breiten Gang. Die Betten haben allerdings Vorhänge, so dass ein Minimum von Privatsphäre möglich ist. Duschen und Toiletten befinden sich außerhalb und werden sich mit anderen Kabinen geteilt.

In meiner Kabine sind noch zwei weitere Individualreisende, ein Kanadier und ein Israeli. Nachdem wir alle unsere Sachen in die Spinde eingeräumt haben, folgt die Sicherheitsbelehrung und Information über die Reiseroute im Essensraum. Danach laufen wir aus und lassen Puerto Montt hinter uns. Die Fähre scheint bei dieser Überfahrt ein reiner Touristendampfer zu sein. Sicherlich zwei Drittel der Passagiere sind Deutsche oder Schweizer, zwischendurch ein paar Spanier, Engländer, Amerikaner und Australier. Chilenen oder Südamerikaner sind praktisch nicht an Bord, Autos oder Laster auch nicht.

Während wir Passagiere uns noch mit dem Schiff bekannt machen, uns verlaufen, die Kabine nicht wiederfinden und zurechtzufinden versuchen, präsentieren sich auf einmal in der Ferne die schneebedeckten Vulkane Osorno und Calbuco, während die Fähre unbeirrt ihrer Route gen Süden folgt.

Irgendwo in Patagonien

Irgendwo in Patagonien

Wir sind auf dem Weg in den Süden Patagoniens, jenes geheimnisumwehten Landstriches, der sich über den Süden Argentiniens und Chiles erstreckt und der Legende nach seinen Namen von Magellán, dem Weltumsegler, erhielt. Der Name bedeutet übersetzt “Große Füße”: Gemäß dem Reisebericht Magelláns bevölkerten 3m große Riesen dieses Land, hiermit dürften wohl die großen Eingeborenen gemeint gewesen sein, die durchaus auch 1,80m groß wurden – für einen 1,50m großen Südeuropäer vielleicht ein wenig viel. In Patagonien ist das Ende der Welt, jenseits erstreckt sich nur noch die Antarktis mit ihrer Handvoll Forschungsstationen. Das berüchtigte Kap Hoorn befindet sich hier, jener Punkt, wo sich atlantischer und pazifischer Ozean treffen. Feuerland, diese Inselgruppe, die ihren Namen durch spanische Segler erhielt, die die Feuer der eingeborenen auf der Insel sahen. Torres del Paine, der eindrucksvollste Nationalpark Südamerikas lädt zum Besuch ein und argentinische Gauchos treiben Rinder und Schafe über die öden Steppen des argentinischen Teils der Provinz. Der Gletscher Perito Moreno und das Eisfeld des Südens in Chile legen Zeugnis ab über die Entstehung der chilenischen Fjordlandschaft und über den Effekt des Klimawandels auf die Gletschers. Man könnte wahrscheinlich Jahre in Patagonien zubringen, ohne alles zu sehen.

Die Fähre fährt zunächst an Chiloé vorbei, dann geht es in direkter Linie in den Süden. Abends vertreiben wir uns an Bord die Zeit mit Kartenspielen, bis wir müde ins Bett fallen.

Kiwi

Kiwi

Um 7:30 Uhr morgens stehe ich auf – da ich in einer Innenkabine einquartiert bin, gibt es weder Lüftung noch natürliches Licht. Als ich den noch leeren Speisesaal betrete, scheint die Sonne durch die Fenster, und die die Fjorde säumenden Berge zeigen sich unter blauem Himmel im morgendlichen Licht. Nach und nach kommen andere Mitreisende in die Messe, Frühstückszeit ist von 8:00 Uhr – 9:00 Uhr.

Die Mahlzeiten an Bord sind großzügig, reichhaltig und abwechslungsreich. Stets gibt es Kiwis und Bananen, zum Frühstück Joghurt, Brötchen, Marmelade, Aufschnitt, Säfte, Instantkaffee, Tee und vieles mehr. Isst man keine Meerestiere, versorgt einen die Kombüse bei Mittag- und Abendessen mit vegetarischer Kost. Dies ist aber gar nicht so häufig nötig, am ersten Tag gibt’s zum Abendessen zwar Lachs, am Samstag aber Rindfleisch mit Kartoffelpü und abends dann Spaghetti Bolognese – stets mit Salat und Vorsuppe. Wahrscheinlich esse ich hier auf dem Schiff regelmäßiger als irgendwo sonst in den vorherigen 7 Monaten.

Das Wetter hält den ganzen Tag was es verspricht: Die Sonne strahlt munter auf die beeindruckende Fjordlandschaft bis wir am Spätnachmittag den offenen Pazifik erreichen. Dies macht sich durch stärkeren Seegang bemerkbar, der auf einige Mitreisende interessante Auswirkungen hat. Auch wenn wir nur Wellen bis zu 3m Höhe haben, schaukelt das Schiff merkbar mit Wellen und Wogen und es werden eifrigst Tabletten gegen Seekrankheit konsumiert. Ich selbst genieße Wellengang ja eher, auch wenn ich nachts Probleme mit dem Einschlafen habe – es war wohl keine gute Idee, kurz vor dem Abendessen noch ein Nickerchen zu machen.

Chilenischer Fjorden

Chilenischer Fjorden

Den nächsten Morgen habe ich für eine Dusche vorgemerkt. Aus Wassersparmaßnahmen muss man etwa alle fünf Sekunden den Wasserknopf neu drücken, aber das Wasser ist warm. Danach wartet wieder ein ausführliches Frühstück.

Danach wird das Tagesprogramm verkündet: Wir werden in Puerto Eden halten und den Gletscher Pio XI ansteuern. Dieser Gletscher ist Teil des Hielo del Sur, der größten zusammenhängenden Eisfläche außerhalb der Antarktis und doppelt so groß wie die chilenische Hauptstadt Santiago.

Ich vor dem Gletscher Pio XI

Ich vor dem Gletscher Pio XI

Als wir dann nachmittags Fahrt den Gletscher ansteuern haben wir Sonnenschein, dennoch peitscht ein eisiger Wind das Schiff, so dass ohne Handschuhe und Mütze ein Aufenthalt auf Deck nicht möglich ist – das riesige chilenische Festlandeis erzeugt sein eigenes, frostiges Klima. So nähern wir uns dem Gletscher immer stärker an, und was zunächst nur ein kleiner weiß-blauer Fleck am Horizont ist wächst zu einer imposanten Eiswand heran, an die wir uns auf wenige Meter annähern bis die Fähre abdreht. An Deck stapeln sich die Passagiere förmlich, um sich als Hobbyfotografen hervorzutun. Es entsteht ein regelrechtes System des Vorlassens, damit sich jeder mal mit dem Gletscher als Hintergrund fotografieren lassen kann.

Später am Abend steht dann die sogenannte Bingo-Party auf dem Programm, wo es ein paar Weine und eine Jacke zu gewinnen gibt. Leider gehe ich leer aus… Danach ist eine Tanzparty zu lateinamerikanischen Rhythmen angesetzt, es werden allerdings fast nur Samba und Reggaeton gespielt, die von mir bevorzugte Salsa hat nur einen Gastauftritt von drei Minuten. Insgesamt kommt aber nicht richtig Feierstimmung auf, nur ein paar sehr hartgesottene halten bis zum Schluss um 2 Uhr nachts durch und lärmen danach in den Gängen der Kajüten, damit auch ja alle anderen aufwachen…

Der nächste Tag hält nur die Ankunft in Puerto Natales und eine sehr enge Fjordausfahrt bereit: 80m breit ist sie kaum breiter als das Schiff, die Ufer scheinen zum Greifen nahe. Und bei Sonnenschein legen wir schließlich vormittags gegen 11 Uhr in Puerto Natales an, eilen vom Boot und versuchen ein Bett in einem Hostel zu ergattern.

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Zu Füßen des Vulkans Osorno

2 November 2009

28.10.2009 – 30.10.2009, Puerto Varas, Chile

Postal
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Im Bus von Castro nach Puerto Varas reserviere ich per Internet und Telefon ein Bett im Hostel Compass del Sur. Bei meiner Ankunft um 20:30 Uhr in Puerto Varas regnet es selbstverständliche und ich mache mich, beladen mit meinen zwei Rucksäcken, auf den 15 minütigen Fußweg zum Hostal, über Treppenstufen einen Hügel hinauf, an schwedisch erscheinenden Häusern vorbei bis hin zum Eingang des Hostels, dessen Tür mir von zwei älteren Kolumbianerinnen, die ebenfalls dort wohnen, geöffnet wird.

Ich werde von Gisela, einer Chilenin aus Frutillar, begrüßt, und als sie mir mein Zimmer zeigt, schreit auf einmal eine junge Frauenstimme vom Dachboden herunter, dass sie Deutsch spräche: Jaqueline, die im Hostel arbeitet und aus Münster kommt. Ich schleiche an diesem Abend allerdings nur noch in mein Zimmer und gehe früh ins Bett. Übers Internet erhalte ich gute Nachrichten – Daniela, meine Ex-Spanischlehrerin aus Valparaíso wird am nächsten Tag in Puerto Montt, der Hauptstadt der Provinz, 20 Minuten von Puerto Varas entfernt gelegen, ankommen. Wir vereinbaren, dass wir uns am naechsten Tag treffen.

Am nächsten Morgen darf ich das hervorragende Frühstück des Hostels genießen. Während ich gemütlich die warmen Brötchen mit Marmelade esse, unterhalte ich mich mit ein paar Australiern und einer Italienerin und als ich danach meine Sachen für einen Zimmerwechsel zusammengepackt habe, schlägt mir eine weitere Mitarbeiterin, Maria-José, vor, ich solle doch mal nach Frutillar fahren.

Angekommen in Frutillar fängt es selbstverständlich an zu regnen, glücklicherweise allerdings nur schwach. Dieser Ort wirkt wie eine deutsche Kolonie: Es gibt ein Restaurant “Seeblick”, “Guten Appetit”, auf den Speisekarten stehen Kuchen und Waffeln und als ich die Straßen entlangwandere, sprechen mich zwei alte Damen an: Ob ich Deutsch spräche, was ich hier täte, usw. Sie seien Nachfahren deutscher Einwanderer erzählten sie mir in fast perfektem, aber akzentuierten Deutsch, immer wieder ins Spanische zurückfallend, wenn ein Wort fehlte. Ich schaue mich noch kurz ein wenig um, danach kehre ich allerdings schon zurück nach Puerto Varas, um mit Dani zu telefonieren.

Mit Dani vereinbare ich zunächst, dass sie mit einem Freund von Puerto Montt nach Puerto Varas kommt. Als wir uns dann am Abend treffen, besuchen wir noch eine Pizzeria und eine Bar, danach kehren die beiden zurück nach Puerto Montt. Bei meiner Rückkehr ins Hostel überredet mich Jaqueline noch, zusammen mit ihr, einem anderen Deutschen, ihrem Chef und einem Freund ihres Chefs noch ein wenig auszugehen. Interessanterweise landen wir in der gleichen Pizzeria, der gleichen Bar und bleiben dort dann noch ein wenig. Es ist der sehr frühe Morgen des 30.10.2009, dem Tag an dem die Fähre in den Süden Patagoniens geht, als ich schließlich ins Bett gehe.

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Land des Regens, Land der Stürme

2 November 2009

26.10.2009 – 28.10.2009 Castro, Chiloé, Chile

Castro

Castro

Regen: Sprühregen, Nieselregen, dicke Tropfen, kleine Tropfen, gewürzt mit mal schwachen, mal starken Böen. Dunkles Grau wechselt sich ab mit hellem Grau, zwischendurch spendet die Sonne ein paar kostbare Strahlen von Frühlingswärme, aber schon wenige Sekunden später muss sie sich dann doch Wind und dem Wetter-Phänomen El Niño geschlagen geben. Wolken jagen in irrwitziger Geschwindigkeit über den Himmel, türmen sich auf, begießen das tiefgrüne, fruchtbare Land und die Felder mit Niederschlägen. Die Insel Chiloé ist bekannt für dieses Wetter, dessen Harschheit Chiloé zum Armenhaus Chiles gemacht hat: einige vorgelagerte Inseln haben bis heute keinen Strom, die Menschen leben von Fischfang und Ackerbau, Viehwirtschaft und seit kurzer Zeit vom Tourismus.

Die Menschen hier in Castro scheint das alles nicht wirklich zu stören: Vor mir, auf der Straße, erledigt eine alte Frau seelenruhig ihre Einkäufe, ohne Regenschirm, Regenjacke oder sonstigen Schutz vor den Elementen, gutgelaunt, gemächlich. Im Zentrum der Stadt sammeln sich Jugendliche auf dem zentralen Platz, spielen gelangweilt mit ihren Handys, unterhalten sich mit Freunden oder probieren neue Stunts mit ihren Skateboards. Freundlich und ehrlich sind die Menschen hier, als ich im Restaurant Wildschwein (Jabalí) auf der Karte entdecke und bestelle, rät mir der Kellner davon ab – das Fleisch sei sehr zäh, er könne es nicht empfehlen. Es sei leider sehr schwer, zu dieser Zeit des Jahres, frisches, gutes Wildschweinfleisch zu bekommen. Ich esse stattdessen einen zarten Rehrücken guter Qualität für einen lächerlich niedrigen Preis.

Das Hostal Cordillera, in dem ich unterkomme ist heimelig: Wohnzimmer mit Kamin und Pudel, dessen Lieblingsbeschaeftigung das Sitzen auf der Sessellehne ist, von wo aus er die vor dem Haus vorbeiführende Straße bestens beobachten kann. Im Kamin glühen knisternd Holzscheite, spenden Wärme für Wohnzimmer und Küche. Auch im zweiten Stock wird mit Kamin geheizt, ein kleiner Holzkaminofen bollert Tag für Tag, Nacht für Nacht und erhitzt die sich dort befindlichen Zimmer und Dormitories. Die Hausherrin ist herzlich, bietet ihren Kaffee, endlich mal echter, kein Instant-Kaffee, an und unterstützt bei Fragen. Eine so herzliche und familiäre Atmosphäre habe ich in noch keinem Hostel erlebt. Ebenfalls dort untergekommen sind zwei Amerikaner, ein paar Schweizer und eine Deutsche. Die Amerikaner versuchen am nächsten Tag, dem Montag, ihr Glück im Nationalpark, aber als sie Stunden später bis auf die Haut durchnässt wiederkommen, sprechen sie von einem Fiasko: Keine Tiere, da diese dem Regen in ihre Höhlen, Nester und Bauten entflohen sind. Stattdessen Matsch und Regen, Sturm und Böen. Es war eine gute Entscheidung, das Hostal nicht zu verlassen, auch wenn ein Tag im Hostel sehr lang sein kann.

Am nächsten Morgen klart der Himmel auf und die Morgensonne taucht die Frühstückstische in Wärme und Licht. Somit steht einem Besuch des Ortes Achao mit seiner Kirche nichts entgegen. Es ist Dienstag, der 27.10.2009. Zusammen mit der Deutschen, nehme ich einen örtlichen Bus, dieser fährt, vorbei an den für Chiloé typischen Palafitos, den Pfahlhäusern, Richtung Norden zur Küste, setzt mittels kurzer Fährfahrt auf die Insel über und kommt schließlich, nach weiteren 10 Minuten Fahrt, in Achao an. Inzwischen hat leider das Wetter umgeschlagen und das mir so wohlbekannte Wetter zeigt sich: Böige Winde mit Sprühregen peitschen durch die Straßen auch dieser Stadt. Als wir an der vollständig aus Holz errichteten Kirche ankommen, stehen schon zwei ratlos erscheinende Nonnen vor der Tür. In kleiner Schrift hängt dort ein Zettel: “Dienstags geschlossen”. Wir versuchen noch einen Kaffee zu ergattern, aber außer dem nirgendwo geliebten, aber überall genutzten und verbreiteten Instantkaffee läßt sich nichts finden. Wir verzichten auf den Kaffee und nehmen den Bus zurück nach Castro, wo im Hostel frischer Kaffee auf uns wartet.

Der Mittwoch ist der letzte Tag im regnerischen Chiloé: Nachmittags besteige ich den von Cruz del Sur betriebenen Reisebus, um die nächsten zwei Tage in Puerto Varas zuzubringen.

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