Nach all den Problemen mit dem LAN Flug von Ushuaia nach Buenos Aires komme ich mit einem anderen Flug der Aerolineas Argentinas schließlich doch gegen 1:30 Uhr nachts in Buenos Aires an und nehme sofort ein Taxi zu meiner Unterkunft, dem Hostel Kaixo im Zentrum der Stadt, nur zwei Blöcke vom berühmten Obelisken entfernt gelegen. Dort erwartet mich schon Neil, ein Freund, den ich im Juni in Bogotá kennengelernt hatte mit einem kühlen Bier – er selbst ist auch erst eine Stunde vorher mit einem Bus aus Mendoza angekommen, da er seinen eigentlichen Bus verpasst hatte. Das Hostel hat einen Balkon zur Straße raus, und dort tauschen wir noch bis 5 Uhr morgens die Erlebnisse der letzten Monate aus, bis wir dann doch ins Bett gehen.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück machen wir uns auf, einen kleinen Stadtspaziergang zu machen, San Telmo, Palermo und das Zentrum stehen auf dem Programm. Überall blühen blauviolett Bäume, an jeder Ecke sind kleine Kaffees und viele Bäume säumen die Straßen. Die Stadt ist vielleicht die sauberste und grünste Stadt, die ich auf diesem Kontinent bisher gesehen habe, und die Menschen hier sehen zwar lateinamerikanisch aus, allerdings mit starkem europäischen Einschlag.
Das schwül-heiße Wetter entlädt sich dann am Nachmittag: Regengüsse, wie ich sie noch nicht erlebt habe gehen auf Buenos Aires nieder, bis auf die Haut durchnässt eilen wir durch überschwemmte Straßen, queren knöcheltief unter Wasser stehende sechsspurige Straßen in Flip-Flops während uns einige Argentinier von ihrem überdachten Refugium belustigt zusehen. Überall tauchen plötzlich fliegende Regenschirmhändler auf, die die Gunst der Stunde nutzen wollen, ihre Ware an den Mann zu bringen. Als wir im Hostel ankommen, darf ich Neil erstmal Klamotten ausleihen, da seine Sachen alle noch in der Wäsche sind und wir die Wäsche erst um 20 Uhr abholen können.
Abends treffen wir uns dann mit Leyla zum Essen, einer Freundin aus Chile, die zufällig auf Geschäftsreise in Buenos Aires ist. Das Essen, eine Grillplatte, die Neil und ich uns teilen, ist fantastisch: Perfekt gebratenes saftiges Rindfleisch, wahrscheinlich von Rindern, die erst Stunden zuvor geschlachtet wurden: Am Ende kostet uns der Spaß nur 10€ inklusive eines leckeren Rotweins und wir ziehen weiter zum Plaza Serrano, im Stadtteil Palermo. Dort sitzen wir noch ein Weilchen mit Leyla, bis sich diese verabschiedet, am nächsten Tag steht ein Meeting an. Wir wechseln die Kneipe und lernen schließlich noch zwei Argentinier kennen, mit denen wir dort noch bis in die frühen Morgenstunden (6:30 Uhr) bleiben. Buenos Aires scheint nicht zu schlafen, Ausgehzeiten bis 8 Uhr morgens sind völlig normal, schließlich fängt man auch erst gegen 1 Uhr nachts an.
Am nächsten Tag schlafen wir aus und beschließen, nicht nach Montevideo in Uruguay zu fahren, sondern Buenos Aires weiter zu erkunden. Leider müssen wir unser Hostel verlassen – wir hatten vergessen, zu verlängern und eine große Reisegruppe hat alle Betten belegt. Also checken wir in ein anderes Hostel, diesmal in Palermo, ein und wandern anschließend wiedereinmal durch die Straßen der Stadt, schauen uns die Bauten an und Essen lecker. Danach geht’s wieder auf die altbekannte Stätte des Plaza Serrano, wo wir auch an diesem Abend zwei Argentinier kennenlernen, mit denen wir später noch tanzen gehen – irgendwo im Norden von Palermo. Um 7:30 Uhr geben wir auf und erreichen das Hostel rechtzeitig zum Frühstück, wonach wir ersteinmal ein paar Stunden schlafen. Den Rest des Tages laufen wir wiedereinmal durch die Stadt, bevor wir abends früh ins Bett gehen.
Dann steht auch schon meine Busfahrt nach Iguazú zu den Wasserfällen an: Auf der Fahrt dorthin sitze ich neben einer netten Mexikanerin, so dass die Fahrt nicht zu langweilig wird und nebenbei sind noch eine Deutsche und eine Holländerin ebenfalls im Bus, die mich zu meinem Hostel begleiten – sie selbst hatten noch nichts rausgesucht. Während die Mädels am gleichen Tag noch einen Teil der argentinischen Seite anschauen, lauf ich ein wenig durch die Stadt und mache nichts…
Für den nächsten Morgen verabreden wir uns aber, um den Nationalpark zusammen zu besuchen. Sie haben einen Teil der argentinischen Seite noch nicht gesehen, also gehen wir zusammen dahin, machen eine Speedboat-Fahrt mit Dusche unter zwei Wasserfällen und am Nachmittag ziehe ich dann alleine weiter – zum Teufelsschlund, la Garganta del Diablo.
Der Nationalpark ist unglaublich: Unglaubliche Wassermengen stürzen die Klippen hinunter, das Hinterland steht komplett unter Wasser, vereinzelt luken die Spitzen einiger Sträucher oder Bäume aus der Seenlandschaft empor. Enge Durchflüsse erzeugen reißende brodelnde Sturzbäche und Regenbogen zeigen sich in der Gischt der brausenden Wasserfälle. Die pure Kraft der Natur, die sich hier zeigt lässt sich nur mit offenem Mund ertragen, und die 34°C im Schatten werden durch die Gischtnebel gelindert.
Die brasilianische Seite der Wasserfälle sehe ich am nächsten Tag: Nach Querung der Grenze erwartet uns der dortige Nationalpark, der schönste Panoramen zeigt und es ermöglicht, ganz nah an die Wasserfälle ranzukommen. Beeindruckend. Und ich kann mich einfach nicht entscheiden, welche Seite schöner ist: Beide Seiten sind wunderschön, ein Erlebnis, das man so einfach nicht vergisst.




