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Schweren Herzens habe ich nun Kolumbien verlassen, um Chile, Argentinien und Uruguay kennenzulernen. Die Tage zuvor hatte ich verzweifelt versucht, ein günstiges Hostel in Calama aufzutreiben, jedoch ohne Erfolg. Letztendlich war ich dann glücklich, eine Reservierung in einem der wenigen Hotels ergattert zu haben, die mit $50 USD noch relativ günstig war.
Am 29.09. nehme ich also aus Bogotá den Flug nach Calama, mit 3-stündigem Zwischenstop in Santiago. Als ich am Flughafen ankomme, bringt mich auch sofort ein Taxi zum Hotel. Calama ist eine kleine, von einer Kupfermine geprägte Stadt, die ca. 120000 Einwohner hat. Nebenbei ist sie auch noch das Sprungbrett zu San Pedro de Atacama, dem Ausgangspunkt für viele Touren in die Atacama Wüste. Die sehr hilfsbereite Tamara des Hotels hilft mir zum einen, einen späten Bus nach San Pedro zu reservieren und ebenso meldet sie mich für die Führung der Chuquicamata Mine.
Dieser Minenkomplex ist einer der größten, wenn nicht der größte der Welt, allein die Chuquicamata ist 5km lang, 2km breit und 1km tief. Das Kupfer wird hier nicht unterirdisch sondern offen gefördert und unter der sengenden Wüstensonne fahren speziell dafür konstruierte Laster die Terassen und Serpentinen entlang – 40 Tonner, deren Reifen alleine $50000 USD pro Stück kosten und gerademal acht Monate halten. Da die Fahrerkabine auf der linken Seite ist, herrscht Linksverkehr – die Fahrer können auf der rechten Seite wegen der Größe der Laster nichts sehen. Das geförderte Kupfer ist mit ca. 0.8%-tigem Anteil im Gestein enthalten und wird durch einen Verfeinerungsprozeß gewonnen. So werden die Steine zunächst zermalmt, daraufhin werden die Kleinstpartikel in Wasserbädern mit Sauerstoff angereichert. Das Kupfer (und einige andere Metalle) steigt nun mit dem Sauerstoff a die Wasseroberfläche, wo es abgeschöpft werden kann. Schon durch diesen Prozess wird eine Reinheit von 97% erreicht, die durch Elektrolyse noch auf 99% verbessert wird. Das so gewonnene Kupfer ist der Exportschlager Chiles: Der immense Bedarf insbesondere der Halbleiter- und Elektronikindustrie in Asien hat den Kupferpreis in den Jahren vor der Finanzkrise explodieren lassen, und so lebt die chilenische Wirtschaft zu großen Teilen von der Kupferindustrie. Da das ganze Areal so abgelegen und die Arbeit hart ist, werden die Arbeiter für chilenische Verhältnisse sehr gut bezahlt: Ein Lastwagenfahrer erhält ca. $3000 USD pro Monat an Gehalt plus zusätzliche Leistungen wie kostenlose medizinische Versorgung, Übernahme der Studiengebühren für alle Kinder an jedweder chilenischen Universität, also auch der Universidad de Chile und weiteres.
Nach der 1-stündigen Führung geht es dann zurück nach Calama, wo ich 2 Stunden später meinen Bus nach San Pedro de Atacama nehme. Glücklicherweise verläßt er Calama gegen 17:00 Uhr, so dass sich, während der Bus sich durch die trockenste Wüste der Welt quält, die die Wüste begrenzenden Berge im Licht der untergehenden Sonne in surrealen Farben präsentieren. Kurz darauf, gegen 19:30 Uhr komme ich in San Pedro an, wo schon Roberto vom Hostel Iquasi auf mich wartet und mich mit dem Auto zur Unterkunft fährt. Das Hostel ist einfach, hat aber warmes Wasser und mobiles Internet und saubere Betten. Da nur wenig Gäste da sind, habe ich ein Mehrbettzimmer für mich, was ja auch mal ganz angenehm ist. Abends geben mir noch ein paar Briten Tips für die Touren bevor ich ins Bett gehe.
Am nächsten Tag mache ich mich auf den 10-minütigen Weg ins Zentrum von San Pedro, nicht ohne vorher Sonnencreme Faktor 30 aufzutragen – San Pedro ist auf 2600m Höhe und es regnet praktisch nie – die trockenste Region der Erde. Der Fußballplatz ist trotzdem grün – Kunstrasen macht es möglich. Die Stadt überlebt nur, weil sie in einer Oase der Atacama gelegen ist und von Touristen praktisch überrannt wird. So sprießen an jeder Ecke Reiseagenturen, Restaurants und Mini-Supermärkte aus dem Boden und insbesondere Deutsch und Französisch hört man an jeder Ecke. Nachdem ich nach einigem Suchen die Agentur finde, die mir von den Briten empfohlen wurde, reserviere ich für den Nachmittag eine Tour in das sogenannte Valle de la Luna, für den nächsten Tag 2 Touren und frühstücke erstmal.
Nachmittags treffen sich dann alle Tourteilnehmer um 15 Uhr vor der Agentur und ausgestattet mit Pullover, Wasser, Sonnencreme, Hut und Sonnenbrille geht es los. Zunächst besuchen wir das Valle de los Muertos (Death-Valley), das so heißt, weil dort wohl mal Menschenknochen gefunden wurden. Früher war die Route die Hauptroute nach San Pedro, inzwischen wurde die Strecke allerdings durch eine andere abgelöst. Die Landschaft ist beeindruckend: Unter der gleißenden Sonne erheben sich bizarre Fels-Salz-Formationen die an Bilder des Grand Canyon erinnern. Pflanzen haben schon längst aufgegeben hier zu leben, nicht mal Kakteen oder Gestrüpp sind zu sehen – ausschließlich Salzebenen, Felsen und Sand. Nachdem wir das Tal der Toten verlassen haben ist der nächste Stopp das Valle de la Luna, das Mondtal. Es heißt so, weil die Landschaft an den Mond erinnert: Auch hier erheben sich in beeindruckendster Weise Felsen und Berge, geformt aus Salz und Fels. Vereinzelt wachsen Salzkristalle aus dem Fels und von Vegetation fehlt jede Spur. Kurz vor dem Sonnenuntergang ersteigen wir eine Sanddüne, von wo aus wir einen grandiosen Blick auf die flankierenden Anden und das Tal haben. Als sich die Sonne vom Firmament verabschiedet taucht sie die Berge und das Tal in wunderschöne Farben – und mein Kamera-Akku gibt auf. Glücklicherweise leiht mir eine Amerikanerin für den einen oder anderen Schnappschuss ihre Kamera, in die ich dann meine Speicherkarte stecke… Danach geht es zurück, ich esse noch zu Abend und gehe dann ins Bett.
Die folgende Nacht soll nämlich kurz sein: Um 4 Uhr morgens hält der Tour-Bus vor dem Hotel, die Tour zu den Geysiren auf einer Hochebene beginnt. Da mir von einigen Leuten mitgeteilt wurde, dass das ganze eine frostige Angelegenheit mit Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt ist, trage ich, da ich ja keine Wintersachen mithabe, vier T-Shirts, 3 Pullover und eine Jacke – gut dass ich in den letzten Monaten ein wenig Gewicht verloren habe, so dass ich die Sachen angezogen bekomme… Ich steige also in den Bus, schlafe ein wenig und zwei Stunden später erreichen wir die Geysers de Tatio, die auf einer thermoaktiven Hochebene gelegen sind. Nebenbei ist es auch ein lokaler Streitpunkt, da die Energieindustrie ein Thermo-Kraftwerk bauen möchte, das allerdings wohl die Geysire verkümmern ließe und somit eine Touristenattraktion und die Natur stark beschädigen würde. Die Geysire selbst sind interessant: Bei -11°C sieht man überall aus dem Boden Dampf aufsteigen – aufgrund der Höhenlage reichen hier schon 85°C damit sich der Aggregatzustand des Wassers ändert. Zwischendurch spritzen immer mal Fontänen mit Wasser in die Höhe, dort lebende Bakterien färben das Gestein in verschiedenen gelblich-rötlichen Farben und alle in der Gruppe frieren… Nachdem wir ein wenig rumgelaufen sind, bietet sich noch die Möglichkeit zu baden, allerdings sind die Pools nicht wirklich verlockend, so dass ich drauf verzichte. Danach gibt es noch ein Mini-Frühstück und dann geht es zurück nach San Pedro.
Drei Stunden später beginnt die nächste Tour: Die Salzebenen (Salar de Atacama) und eine Lagune, bevölkert von dreierlei Arten von Flamingos. Vorher besuchen wir allerdings noch ein paar Dörfer auf dem Weg, bis wir endlich an der Lagune ankommen. Leider sind wir nicht die einzigen: es sind bestimmt noch sechs weitere Reisegruppen dort. Die Landschaft aber ist wiedereinmal beeindruckend: Weit ziehen sich Salzgesteine in die Landschaft, zwischendurch die Lagune und in der Ferne die Anden und Vulkane. Chile hat ca. 150 Vulkane und einige erheben sich auch hier prominent in den Himmel, der größte hat eine Höhe von etwas über 6000m. Und es zeigt sich mal wieder das Chile ein schmales Land ist, die Grenze zu Argentinien ist nur 150km entfernt. In der Lagune machen die Flamingos das, was sie am besten können: Fressen. Sie suchen im Wasser nach Kleinstlebewesen, je mehr sie davon essen, desto stärker das Rosa ihrer Federn. Die verschiedenen Arten kann man an ihren Beinen leicht unterscheiden: Schwarze Füße, rosa Füße, rosa Beine. Während wir auf den wiedereinmal spektakulären Sonnenuntergang warten, steigen immer wieder mal Gruppen von Flamingos in die Höhe, um zu anderen Teilen der Lagune zu fliegen. Als der Sonnenuntergang anbricht, brillieren die Berge und die Lagune wiedereinmal in wunderschönen Farben, der Vollmond scheint auf die Landschaft und die Touristen photographieren was das Zeug hält… Danach geht es dann zurück nach San Pedro, wo ich noch mit zwei Chilenen zu Abend esse und danach ins Bett gehe.
Und schon ist Samstag, der Tag meiner Abreise aus San Pedro. Gut gebräunt von der Wüstensonne lasse ich mich um 14:20 Uhr zu meinem Bus bringen, der mich in 16 Stunden nach La Serena bringen soll. Das erste Mal habe ich mir gegönnt, den teuersten Tarif zu buchen: Salon/Cama heißt das ganze und der Sitz lässt sich komplett absenken – erinnert an Business-Class im Flugzeug, es gibt Essen und heute morgen, als wir in La Serena ankommen, weckt mich der Steward – heißen die eigentlich Busbegleiter? Hier in La Serena ist es 7 Uhr als ich ankomme, ich bringe mein Gepäck in die Aufbewahrung und mache mich auf den Weg, die Stadt anzuschauen. Abgesehen davon, dass die Stadt um diese Uhrzeit wie ausgestorben ist, nieselt es und die Architektur und das Stadtbild sind auch nicht wirklich beeindruckend. Nach 1,5h Stadtrundgang durch die leeren Gassen kehre ich zurück zum Busterminal, kaufe mein Ticket nach Valparaíso, wo ich nun schon heute Abend ankommen werde. Leyla, wo ich unterkommen werde, weiß allerdings noch nichts von ihrem Glück, sie erwartet mich morgen :D. Und jetzt werde ich weitere 4,5h auf den Bus nach Valparaíso warten…















































