Beiträge getagged ‘fjord’

Fotos von der Navimag Fährfahrt

7 November 2009

VN:F [1.9.2_1090]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.9.2_1090]
Rating: 0 (from 0 votes)

Mit der Fähre durch die Fjorde Patagoniens

5 November 2009

Puerto Montt – Puerto Natales

30.10.2009 – 02.11.2009

 

Der Vulkan Osorno

Der Vulkan Osorno

Die Sonne scheint! Als ich aufwache, traue ich meinen Augen kaum: blauer Himmel, die Sonne strahlt vom Firmament, ein frischer Wind umweht die Bäume vor dem Haus. Auf der anderen Seite des Wassers des Lago Llanquihue erhebt sich majestätisch der Vulkan Osorno aus dem See, ein konisch perfekt geformter Vulkan, dessen schneebedeckter Gipfel von Puderzucker überschüttet scheint. Es ist der erste Vulkan, den ich in der Seenregion sehe, und nun verstehe ich, warum diese majestätischen Feuerspucker so faszinieren. In einem Krater endende Berge, die allein durch ihre Präsenz spektakulär ihre umliegende Landschaft prägen, mal eine stumme Drohung an den fernen Betrachter aussendend, mal mit Lavaströmen ihr Umland für immer verändernd.

Den Vulkan im Rücken, verlassen Oliver, ein Mitreisender auf der Navimag, und ich Puerto Varas im Regionalbus. Nach einer kurzen Fahrt kommen wir in Puerto Montt an, wo die Fähre im Hintergrund schon bereitsteht, Autos und Passagiere aufzunehmen. Nachdem wir eingecheckt haben, lassen wir das Gepäck dort, damit es vom Fährpersonal in die Kabinen gebracht werden kann. Ich habe Glück: Statt einem Raum mit 20 Betten oder Betten im Gang bekommen Oliver und ich ein Upgrade: 4-Bett Innenzimmer. Auch andere bekommen Upgrades, eine Schweizerin, die vorher ein 4-Bett Innenzimmer hatte, ist jetzt in einer 4-Bett Außenkabine.

Die Navimag Fähre

Die Navimag Fähre

Die Kabinen sind schockierend klein: Auf den vielleicht 6m², mit großen Fächern für Rucksäcke oder persönliche Dinge, befinden sich zwei Doppelstockbetten in der Kabine, nur getrennt durch einen schmalen 50cm breiten Gang. Die Betten haben allerdings Vorhänge, so dass ein Minimum von Privatsphäre möglich ist. Duschen und Toiletten befinden sich außerhalb und werden sich mit anderen Kabinen geteilt.

In meiner Kabine sind noch zwei weitere Individualreisende, ein Kanadier und ein Israeli. Nachdem wir alle unsere Sachen in die Spinde eingeräumt haben, folgt die Sicherheitsbelehrung und Information über die Reiseroute im Essensraum. Danach laufen wir aus und lassen Puerto Montt hinter uns. Die Fähre scheint bei dieser Überfahrt ein reiner Touristendampfer zu sein. Sicherlich zwei Drittel der Passagiere sind Deutsche oder Schweizer, zwischendurch ein paar Spanier, Engländer, Amerikaner und Australier. Chilenen oder Südamerikaner sind praktisch nicht an Bord, Autos oder Laster auch nicht.

Während wir Passagiere uns noch mit dem Schiff bekannt machen, uns verlaufen, die Kabine nicht wiederfinden und zurechtzufinden versuchen, präsentieren sich auf einmal in der Ferne die schneebedeckten Vulkane Osorno und Calbuco, während die Fähre unbeirrt ihrer Route gen Süden folgt.

Irgendwo in Patagonien

Irgendwo in Patagonien

Wir sind auf dem Weg in den Süden Patagoniens, jenes geheimnisumwehten Landstriches, der sich über den Süden Argentiniens und Chiles erstreckt und der Legende nach seinen Namen von Magellán, dem Weltumsegler, erhielt. Der Name bedeutet übersetzt “Große Füße”: Gemäß dem Reisebericht Magelláns bevölkerten 3m große Riesen dieses Land, hiermit dürften wohl die großen Eingeborenen gemeint gewesen sein, die durchaus auch 1,80m groß wurden – für einen 1,50m großen Südeuropäer vielleicht ein wenig viel. In Patagonien ist das Ende der Welt, jenseits erstreckt sich nur noch die Antarktis mit ihrer Handvoll Forschungsstationen. Das berüchtigte Kap Hoorn befindet sich hier, jener Punkt, wo sich atlantischer und pazifischer Ozean treffen. Feuerland, diese Inselgruppe, die ihren Namen durch spanische Segler erhielt, die die Feuer der eingeborenen auf der Insel sahen. Torres del Paine, der eindrucksvollste Nationalpark Südamerikas lädt zum Besuch ein und argentinische Gauchos treiben Rinder und Schafe über die öden Steppen des argentinischen Teils der Provinz. Der Gletscher Perito Moreno und das Eisfeld des Südens in Chile legen Zeugnis ab über die Entstehung der chilenischen Fjordlandschaft und über den Effekt des Klimawandels auf die Gletschers. Man könnte wahrscheinlich Jahre in Patagonien zubringen, ohne alles zu sehen.

Die Fähre fährt zunächst an Chiloé vorbei, dann geht es in direkter Linie in den Süden. Abends vertreiben wir uns an Bord die Zeit mit Kartenspielen, bis wir müde ins Bett fallen.

Kiwi

Kiwi

Um 7:30 Uhr morgens stehe ich auf – da ich in einer Innenkabine einquartiert bin, gibt es weder Lüftung noch natürliches Licht. Als ich den noch leeren Speisesaal betrete, scheint die Sonne durch die Fenster, und die die Fjorde säumenden Berge zeigen sich unter blauem Himmel im morgendlichen Licht. Nach und nach kommen andere Mitreisende in die Messe, Frühstückszeit ist von 8:00 Uhr – 9:00 Uhr.

Die Mahlzeiten an Bord sind großzügig, reichhaltig und abwechslungsreich. Stets gibt es Kiwis und Bananen, zum Frühstück Joghurt, Brötchen, Marmelade, Aufschnitt, Säfte, Instantkaffee, Tee und vieles mehr. Isst man keine Meerestiere, versorgt einen die Kombüse bei Mittag- und Abendessen mit vegetarischer Kost. Dies ist aber gar nicht so häufig nötig, am ersten Tag gibt’s zum Abendessen zwar Lachs, am Samstag aber Rindfleisch mit Kartoffelpü und abends dann Spaghetti Bolognese – stets mit Salat und Vorsuppe. Wahrscheinlich esse ich hier auf dem Schiff regelmäßiger als irgendwo sonst in den vorherigen 7 Monaten.

Das Wetter hält den ganzen Tag was es verspricht: Die Sonne strahlt munter auf die beeindruckende Fjordlandschaft bis wir am Spätnachmittag den offenen Pazifik erreichen. Dies macht sich durch stärkeren Seegang bemerkbar, der auf einige Mitreisende interessante Auswirkungen hat. Auch wenn wir nur Wellen bis zu 3m Höhe haben, schaukelt das Schiff merkbar mit Wellen und Wogen und es werden eifrigst Tabletten gegen Seekrankheit konsumiert. Ich selbst genieße Wellengang ja eher, auch wenn ich nachts Probleme mit dem Einschlafen habe – es war wohl keine gute Idee, kurz vor dem Abendessen noch ein Nickerchen zu machen.

Chilenischer Fjorden

Chilenischer Fjorden

Den nächsten Morgen habe ich für eine Dusche vorgemerkt. Aus Wassersparmaßnahmen muss man etwa alle fünf Sekunden den Wasserknopf neu drücken, aber das Wasser ist warm. Danach wartet wieder ein ausführliches Frühstück.

Danach wird das Tagesprogramm verkündet: Wir werden in Puerto Eden halten und den Gletscher Pio XI ansteuern. Dieser Gletscher ist Teil des Hielo del Sur, der größten zusammenhängenden Eisfläche außerhalb der Antarktis und doppelt so groß wie die chilenische Hauptstadt Santiago.

Ich vor dem Gletscher Pio XI

Ich vor dem Gletscher Pio XI

Als wir dann nachmittags Fahrt den Gletscher ansteuern haben wir Sonnenschein, dennoch peitscht ein eisiger Wind das Schiff, so dass ohne Handschuhe und Mütze ein Aufenthalt auf Deck nicht möglich ist – das riesige chilenische Festlandeis erzeugt sein eigenes, frostiges Klima. So nähern wir uns dem Gletscher immer stärker an, und was zunächst nur ein kleiner weiß-blauer Fleck am Horizont ist wächst zu einer imposanten Eiswand heran, an die wir uns auf wenige Meter annähern bis die Fähre abdreht. An Deck stapeln sich die Passagiere förmlich, um sich als Hobbyfotografen hervorzutun. Es entsteht ein regelrechtes System des Vorlassens, damit sich jeder mal mit dem Gletscher als Hintergrund fotografieren lassen kann.

Später am Abend steht dann die sogenannte Bingo-Party auf dem Programm, wo es ein paar Weine und eine Jacke zu gewinnen gibt. Leider gehe ich leer aus… Danach ist eine Tanzparty zu lateinamerikanischen Rhythmen angesetzt, es werden allerdings fast nur Samba und Reggaeton gespielt, die von mir bevorzugte Salsa hat nur einen Gastauftritt von drei Minuten. Insgesamt kommt aber nicht richtig Feierstimmung auf, nur ein paar sehr hartgesottene halten bis zum Schluss um 2 Uhr nachts durch und lärmen danach in den Gängen der Kajüten, damit auch ja alle anderen aufwachen…

Der nächste Tag hält nur die Ankunft in Puerto Natales und eine sehr enge Fjordausfahrt bereit: 80m breit ist sie kaum breiter als das Schiff, die Ufer scheinen zum Greifen nahe. Und bei Sonnenschein legen wir schließlich vormittags gegen 11 Uhr in Puerto Natales an, eilen vom Boot und versuchen ein Bett in einem Hostel zu ergattern.

VN:F [1.9.2_1090]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.9.2_1090]
Rating: 0 (from 0 votes)