
photo credit: mabel flores
Der 1. Mai ist der Tag des Abschieds von Nadja und Eva – die beiden sind auf einem Geburtstag in Los Andes eingeladen und sind somit am Samstag, dem Tag meiner Abreise nicht in Valpo. Aber den Kontakt kann man ja auch über Facebook halten…
Ich hingegen bin auf Leylas Geburtstag eingeladen: Wiedereinmal erwartet mich der traumhafte Blick von ihrem Haus auf Valparaíso – der Geburtstag findet in einem Partyraum im 31. Stock statt. Die Schönheit der Stadt bei Tag und Nacht ist immer wieder atemberaubend: Tagsüber das Ozeanblau des Pazifiks in der Bucht und die vielen bunten Häuser, die die Hügel säumen, nachts die Hafenbeleuchtung und die vielen kleinen orangen Lichter auf den Hügeln. Als Geschenk habe ich auf dem Cerro Alegre, eine handgefertigte Handtasche erstehen können, bei deren Auswahl mir Nadja helfen konnte…
Nach und nach treffen auf dem Geburtstag die Gäste ein und zur Begrüßung wird mir natürlich das chilenische Nationalgetränk, Pisco Sour, gereicht. Pisco ist ein hochprozentiger Traubenschnaps, für den eigentlich Peru bekannt ist, der aber inzwischen überwiegend in Chile produziert wird. Wer mal einen leckeren Pisco probieren will, kann ja mal versuchen, einen Pisco der Marke Mistral zu finden. Während ich am Glas nippe, werden mir verschiedenste Leute vorgestellt: Jessica, über die ich dann im Frühling bei “Un Techo Para Chile” mitmachen werde, Paula, die Schwester von Leyla, Isaac, ein Freund von Paula, und noch einige andere. Jessica spricht doch tatsächlich ein sehr gutes Englisch, aber den Abend über spreche ich dann doch nur Spanisch und versuche, den chilenischen Dialekt zu verstehen. Morgens um 2:30 Uhr finde ich dann mein Bett, wo ich ziemlich erschöpft einschlafe.
Gestern steht dann um 14 Uhr die gemeinsame Busfahrt mit Leyla nach Santiago an. Diesmal wohne ich in einem anderen Hostel, dem “Casa Roja“. Das Hostel ist ein riesiger alter Palast im Stadtteil “Barrio Brasil”, der vollständig renoviert wurde. Insgesamt wohnen hier sehr sehr viele Reisende und es ist ganz anders als die vorherigen Unterkünfte: Groß, das Personal eher unpersönlich aber mit exzellenten Freizeitbereichen, Internetcafé, WLAN, Duschen, Reisebüro, Bar, Swimmingpool und vielem anderen. Für den Swimmingpool ist es allerdings zu kalt, in Santiago sind bestimmt nur 15°C.
Während ich mich noch mit einigen neu kennengelernten anderen Gästen unterhalte (an unserem Tisch: 1 Schwede, eine Dänin, eine Finnin, eine Brasilianerin, ein Holländer) klingelt mein Telefon: Paula ist dran und fragt, ob wir heute Abend was unternehmen wollen. Wir verabreden uns (entgegen meiner ursprünglichen Pläne, einen ruhigen Abend zu verbringen) um 22:30 Uhr der Metro-Station Republica, wohin ich auch Juliana, die Brasilianerin, die gerne was machen will, mitnehme.
Dort angekommen treffen wir auch schon die wartende Paula und zusammen gehen wir in eine Bar namens Piso 33. Nachdem wir ein paar Pisco Cola getrunken haben, füllt es sich langsam: Hier in Chile fängt die Nacht erst um 1 Uhr morgens an. Kaum haben wir gezahlt und sind aufgestanden, wird unser Tisch weggeräumt, damit der zusätzliche Platz als Tanzfläche genutzt werden kann. Die Musik ist sowieso schon ziemlich laut, also tanzen wir ein wenig. Während Juliana keine Lust mehr hat und zurück nach Hause geht, bleiben wir noch länger. Der vorherig für einen Geburtstag reservierte Raum lockt, und die Türsteher interessiert auch nicht, dass wir da reingehen. Hier wird populäre Musik, kein an Techno grenzender House gespielt. Zwischen europäischen und amerikanischen Klassikern der 80er, 90er und dem besten von Heute ;-) sind natürlich auch ein paar Latino-Klassiker. Interessant! Wir beenden die Nacht jedenfalls gegen 3:30 Uhr, Paula fährt nach Hause und ich ins Bett.
Kaum bin ich heute aufgestanden und hab mir ein Frühstück organisiert, klingelt mein Telefon wieder: Diesmal ist es Paulas Schwester Leyla: Ich sei zum Mittagessen bei ihrer Familie, die ja in Santiago lebt, eingeladen und solle um 13 Uhr vor dem Präsidialpalast, “La Moneda” sein. Also kurz das Frühstück runtergeschlungen, sich mit ein paar neuangekommenen Israelis unterhalten und dann zur Moneda gehetzt. Dort schauen wir uns noch eine Ausstellung über die chilenischen Ureinwohner, die Mapuche an und gehen dann zur Wohnung der Eltern, wo diese sowie ihre dritte Schwester schon warten.
Zum Essen gibt es einen Salat (für mich mit Huhn statt Fisch), dann Empanadas al Piña und als Nachtisch Papajas mit Eis. Während des Essens werde ich natürlich über Zustände und Gegebenheiten in der deutschen Gesellschaft gelöchert und erfahre im Gegenzug einiges über Chile. Dennoch zeigt sich hier, dass ich nach wie vor viel zu wenige Vokabeln kenne…
Heute Abend werde ich hier im Hostel ein Thaicurry essen, morgen steht wohl ein Museumsbesuch an – und so wie es aussieht, wird es hier auch die nächsten Tage nicht langweilig werden…
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