Keine Tiger, aber Elefanten
photo credit: mckaysavage
Am 27.11.2011 geht es weiter: Das Periyar Wildlife Sanctuary ist mein Ziel, als mein Fahrer Rony wieder einmal auf das Gaspedal drueckt und wir morgens losfahren.
Die Fahrt ist nervenaufreibend: enge Paesse, oftmals nur einspurig und unasphaltiert erlauben uns nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h auf der 150km langen Strecke. Die Aussichten sind jedoch wunderschoen und entschaedigen fuer das langsame Vorankommen:
Tee-Plantagen wirken wie ein gruener Flickenteppich an den Haengen der Berge, der Western Ghats und ueberall sind hohe gruenbewachsene Berge zu sehen.
Wir sehen viele geschmueckte Autos, da heute ein Feier- und Wallfahrtstag ist und viele Glaeubige, gekleidet in Schwarz – die Frauen in schwarzem Sari, die Maenner mit schwarzem Hemd und schwarzem Tuch (statt Hose) auf dem Weg sind. Die Pilger tanzen durch das Tempeldorf, beschmeissen sich mit Farbpulver und es ist fast unmoeglich durchzukommen.
Als wir Nachmittags dann in Kumily, dem dem Nationalpark naechstgelegenen Ort ankommen checke ich im Hotel ein, und Rony macht sich auf den Weg zum Flughafen von Cochin, um Rocio, die Kolumbianerin aus Agra einzusammeln. Sie hat sich entschlossen, noch ein paar Tage in den Sueden zu kommen und will sich auch Periyar und Munnar anschauen.
Abends erfahre ich dann, dass am naechsten Tag ein Generalstreik in Periyar stattfinden wird, da die Anwohner die Regierung Indiens dazu zwingen wollen, endlich einen neuen Staudamm zu bauen.
Der alte Staudamm ist bereits ueber 100 Jahre alt und wurde damals von den britischen Kolonialherren gebaut. Er ist nun aber baufaellig und da die Region in den letzten Tagen starke Regenfaelle sowie kleinere Erdstoesse erfahren hat, ist die Angst gross, dass dieser Teil Keralas durch einen Dammbruch ueberflutet werden koennte – der Wasserstand ist auf dem festgelegten Maximalstand (136 Fuss) und 350.000 Anwohner sind betroffen.
Auf der anderen Seite hat der Nachbarstaat Angst, dass er nicht mehr die durch den alten Damm und dessen Pacht garantierten Wassermengen bekommt – die Regelung der Wasserlieferung ist an den Damm gekoppelt und hat eine Laufzeit von 999 Jahren – den Briten sei Dank. Mit einem neuen Damm koennte sich das aendern.
Der Streik ist am naechsten Morgen sichtbar – die Jeep-Safari findet wegen des Streiks nicht statt, alle Geschaefte sind geschlossen, die Strassen sind mit Baeumen und Geroell blockiert.
Somit fuehrt uns Rony zu einem Ort, wo wir auf Elefanten reiten koennen – dies tun wir auch, 30 Minuten belaestigen wir den grauen Riesen mit unserem Gewicht, danach ist das aber auch getan.
Um ueberhaupt irgendetwas zu tun, beschliessen wir, einen indischen Kochkurs zu machen: Wir kochen verschiedene Currys, unter anderem ein Huehner-Curry mit frisch geschlachtetem Huhn – wir rupfen selbst die Federn des kurze Zeit vorher noch lebendigen Zweibeiners…
Nach dem Kochkurs wissen wir auch, welche Gewuerze wir kaufen sollten, und da Kerala das Land der Gewuerze ist, das schon im Mittelalter Europa mit exotischen Gewuerzen wie Cardamom, Kreuzkuemmel oder Curry-Blaettern versorgt hat, gehen wir in einen Gewuerzsupermarkt und kaufen erstmal ein – spottbillig, 100g Cardamom z.B. fuer 70ct.
Am Abend, nachdem der Streik um 18 Uhr bis zum naechsten Tag vorbei ist, setzen wir uns wieder ins Auto und fahren ins Hochland der westlichen Ghats – nach Munnar, zu den Teeplantagen.
Verwandte Artikel:

