Concón und Isla Negra
Es ist Samstag 07:45 Uhr in Valparaíso und das Handy stimmt unbarmherzig seinen Weckton an. Während Fjarill ein ruhiges Wecklied anstimmen versuche ich mich aus dem Bett zu quälen, was nach einem Abend mit Rehab, einer anderen Reisenden aus dem Hostel und ihren beiden chilenischen Freunden, die aus Santiago zu Besuch gekommen sind, schwer fällt: Lediglich 6 Stunden Schlaf sind mir zu wenig…
Am Vorabend gehe ich spontan bei den dreien mit, hin zu einem vegetarischem Restaurant namens Epif oder so ähnlich, nur wenige Blccks vom Hostel entfernt. Die vielen Kleinklunstläden, die den hiesigen Cerro säumen haben wir nach einiger Zeit auch passiert, sie wecken immer wieder das Interesse von Neuankömmlingen und so auch vom Besuch aus Santiago. Die beiden hatten zu allem Überfluss auch noch bei der Hinfahrt eine Panne, die Batterie war wohl leer… Das vegetarische Restaurant ist sehr gemütlich eingerichtet: Ein großer, mit dunkelbraunem Laminat ausgelegtem Boden, an den Seiten großflächige Gemälde und vereinzelte, in großzügigem Abstand aufgestellte Tische und Stühle. Zwischen diesen Lücken flitzt eine Bedienung herum, auf dem in der Ecke stehenden Sofa sitzen Leute und trinken zusammen Rotwein.
Als die Gerichte kommen – ich esse nichts, da ich mit Nadja, der Schweizer Mitarbeiterin in meinem Hostel einen leckeren Eintopf gekocht hatte – bin ich sehr beeindruckt. Besser und leckerer aussehendes vegetarisches Essen habe ich noch nie gesehen. Nachdem alle fertig sind, wird es lustig: Die beiden schreiben uns chilenische Phrasen und Sätze auf, die wir wohl niemals verwenden werden, weil sie einfach zu böse sind… Den netten Abend beenden wir gegen 1:30 Uhr und dann geht es ins Bett.
Als ich die nur 6 Stunden Schlaf später freundlich von meinem Handy geweckt werde fühlen sich also meine Augenlider an, als ob jemand die Augen zugeklebt hat. Heute steht ein Abenteuer an: im nahegelegenen Con Con wollen Nadja und ich an einem Ausritt teilnehmen. Ja ein Ausritt. Pferde und so. Gefährliche, hochgelegene 1 PS starke Transportmittel, wo man ganz einfach runterfallen kann…
Erstmal muss ich allerdings feststellen, dass Nadja zum einen noch schläft, das Frühstück noch nicht vorbereitet ist und ich wohl doch zu früh aufgestanden bin… Sieht so aus, als ob Nadja die Nachmittagstour um 15 Uhr machen will… Nach einem mehrstündigen Frühstück mit echtem Kaffee (hier in Chile grassiert ansonsten die Instant-Kaffee Seuche) gehe ich zurück in mein Zimmer und suche erstmal meine Sachen zusammen. Unglücklicherweise ist meine Sonnenbrille nicht aufzufinden und Sonnencreme habe ich auch nicht. Geld wäre auch schön, da ich sonst wohl den Ausritt (Galbagatas) nicht bezahlen könnte. Also sag ich der soeben aufgestandenen Nadja Bescheid, dass ich noch mal kurz Bergsteigen, also in die Einkaufsstraßen Valparaísos verschwinde, um mir eine Sonnenbrille zu kaufen.
Nachdem ich das hinter mich gebracht habe und den Cerro Alegre wieder erklommen habe, ist es auch schon ca. 13 Uhr und Nadja und ich laufen den gleichen Weg wieder runter – unten werden wir den Bus nehmen, der uns in ca. 50 Minuten nach Concón bringt. Vorbei an wunderschönen Küstenabschnitten kommen wir schließlich in Concón an. Und fahren an der Ausstiegshaltestelle vorbei, so dass wir erstmal zu Fuß ein kleines Stück zurückgehen dürfen. Vor Ort essen wir für 2 Luca (2000 Pesos) ein Mittagsmenü inkl. Getränk und stellen uns anschließend zum Treffpunkt, wo wir zwei andere Leute aus unserem Hostel treffen.
Einige Minuten später fährt der tiefergelegte Mitsubishi des Oberrittmeisters Sebastian vor, auf dem Beifahrersitz seine 7-jährige Tochter. Er stellt sich kurz vor, dann quetschen wir uns zu viert in das Auto, die kleine fährt auf dem Stuhl von Quark (wie auch immer er wirklich geschrieben wird) mit und macht Stimmung. In Chile ist es übrigens nicht üblich, sich auf der Rückbank anzuschnallen, da es nur für die vorderen Sitze vorgeschrieben ist, und aus diesem Grund sind die Gurte auch nie benutzbar… Während der Fahrt erzählt uns Sebastian, er spricht übrigens kein Englisch und ist sehr erleichtert, dass er mit uns Spanisch sprechen kann, dass er ca. 60 Pferde besitzt. Das Land, auf dem die Ställe sind und das wir schon kurze Zeit später erreichen sei aber nur gepachtet. Nach einigen kurzen Aufsetzern des Autos auf dem hügeligen Weg zu den Ställen steigen wir aus und können betrachten, wie ein Mitarbeiter schon die ersten Pferde fertig macht. Wir erhalten einen Beinschutz und danach müssen wir die hohen Rücken erklimmen.
Sebastian hatte mich zwar gefragt, ob ich eher ein ruhiges oder ein wildes Pferd haben möchte, die Antwort aber ignoriert und mir den eher wilderen (aber wie sich später rausstellt eher faulen) Santana gegeben. Ein Hengst unter Wallachen… Santana ist jedenfalls das einzige Pferd, dass sich vor den Ställen konstant bewegt, anstatt einfach mal dumm rumzustehen, wie es die anderen Pferde tun, die schon einen Reiter auf dem Sattel haben.
Dann geht es los, und als erstes erwartet mich, den totalen Reitanfänger, eine Flußquerung. Mit viel Überzeugungsarbeit und Hilfe der 7-jährigen Tochter (…) lässt sich Santana überzeugen, durch einen ca. 60cm tiefen Fluss zu waten, die Füße müssen dabei hochgenommen werden, damit sie nicht nass werden. Danach geht es durch schöne Landschaft in die Dünen. Sandige Berge türmen sich bei strahlendem Sonnenschein vor uns auf, und unsere Guides legen Wert darauf, dass die Chancen eines Sturzes meinerseits steigen – sie animieren die Tiere durch den Sand zu traben. Die Einschläge meines Körpers auf dem Sattel merke ich insbesondere am Tag danach… Aber langsam gewöhnen sich Santana und ich aneinander und ich erhalte auch ein paar Ratschläge, wie man reitet. Danach geht alles besser und wir machen uns durch die Dünen, vorbei an röhrenden Sandbuggys auf Richtung Strand. Zwischendurch machen wir Picknick und dann geht’s weiter Richtung Strand. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreichen wir einen menschenleeren, kilometerlangen Strand, wo wir im Galopp die Kilometer hinter uns bringen. Danach geht es zurück und als wir mit wunderschönen Naturbildern in Kopf und Kamera den Stall erreichen, können wir kaum noch gerade gehen – 4 Stunden Reiten haben ihren Tribut gefordert.
Nadja und ich fahren zurück zum Hostel, wo wir Max, den alleinreisenden Münchner, mitten in seiner Behandlung erwischen: Er lässt sich den massiv sonnenverbrandten Rücken von einer durchreisenden Ärztin mit Heilsalbe einschmieren. Da wir noch nichts gegessen haben, springen wir kurz unter die Dusche, um nicht mehr nach Gaul zu stinken, und gehen mit Max zu Eva, die in einem anderen Hostel arbeitet. Dort essen wir Lasagne und einen Salat und verbringen den Rest des Abends nett mit ein paar Chilenen, die dort draußen sitzen, Wein trinken und aus Santiago angereist sind, um ein paar Tage Urlaub in Valpo zu machen. Spontan tauschen wir Telefonnummern aus, so dass wir zusammen ausgehen können, wenn ich dann Anfang Mai wieder in Santiago bin.
Die Nacht von gestern auf heute ist wieder kurz: Leyla möchte den 10:00 Uhr Bus nach Isla Negra (es ist keine Insel, sondern ein Dorf) nehmen. Das heißt 9:50 Uhr Treffen am Busbahnhof, zu dem ich ca. 20 min. brauche. Also wieder nur 5-6 Stunden Schlaf. Beim Frühstück fällt mir der Kopf fast auf den Tisch, aber das bin ich inzwischen ja schon gewohnt. Juan Carlos, der hiesige “Administrator” ruft ein Taxi und schon kurze Zeit treffe ich Leyla und wir besteigen den Bus nach Isla Negra.
Ungefähr zwei Stunden später kommt dieser dort an und wir gehen runter zum Haus Pablo Nerudas, welches komplett anders eingerichtet ist. Lediglich die Faszination an der Seefahrt ist auch hier deutlich zu spüren – Galeonsfiguren im Wohnzimmer, Steuerräder als Tische und ein unglaublicher Blick auf den Pazifik lassen erahnen, wie Neruda sich hat inspirieren lassen.
Später gehen wir noch zum Strand und schauen dem Wellenspiel zu. Bestimmt 2m hohe Wellen schlagen hier auf das Land, ein wunderschöner Anblick. Im Anschluss nehmen wir den Rückbus und ich lege mich zu einer kleinen Siesta für 2 Stunden schlafen und sitze jetzt hier und tippe. Die Photos sind wie üblich unter Photos zu finden.
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