Der lächelnde Mond
La Luna Sonrisa, der lächelnde Mond, so heißt das Hostel in Valparaíso, in dem ich gerade diese Zeilen schreibe. Nachdem ich die letzten Tage die Nachteile von Internetcafés erleben durfte, freue ich mich jetzt ueber WLAN, und somit unbegrenzten Internetzugang. Das Hostel liegt im Cerro Alegre, einem der begehrtesten Wohnhügel der Stadt, wo man auch häufig Touristen sieht – bei Leyla, im Cerro Playa Ancha war ich glaube ich der einzige :). Dafür sah man dort täglich junge Marinesoldaten joggen. Generell spielt das Militär in Chile nach wie vor eine große Rolle – im Hafen der Stadt liegen fortwährend Kriegsschiffe und in den Straßen der Stadt sieht man viele uniformierte Marinesoldaten, die ihre Uniform augenscheinlich mit viel Stolz tragen.
Ich bin ins Hostel gezogen, weil ich Leylas Gastfreundschaft nicht überstrapazieren möchte, aber wohl nicht lange genug hier in Valpo bleiben werde, um mir ein WG Zimmer zu holen. Obwohl die Stadt einen Charme hat, der seinesgleichen sucht, wird es hier nachts und auch morgens empfindlich kühl – tagsüber ist dann, wenn die Sonne scheint, zwar T-Shirt Wetter, dennoch werde ich wohl bald Richtung Kolumbien in die Wärme fliehen. Für die Woche meines Sprachkurses bleibe ich jedoch hier und genieße weiterhin die Schönheit dieser Stadt, deren teilweiser Verfall seinen eigenen Reiz ausübt.
Direkt vor dem Hostel parkt zum Beispiel ein Volkswagen aus den 70ern – kaputte Seitenscheibe, durch Spanplatten geflickt – morgen wird definitiv ein Photo davon gemacht. Grundsätzlich kann man hier nicht durch die Straßen wandern, ohne tolle Photomotive zu finden – seien es die Aufzüge (Ascendores) für die Valparaíso berühmt ist, oder einfach ein Haus an der Straße. Gestern bin ich z.B. mit dem Ascendor Artillería gefahren, der von 1883 ist und mit, so stand es an der Informationstafel, deutscher Technik gebaut wurde. Die Mittel zum Betrieb dieser Aufzüge sind aber anscheinend sehr begrenzt – heute hörte ich, dass in Kürze einer der Aufzüge stillgelegt werden muss, da die Mittel zur Instandhaltung fehlen. Dabei frage ich mich dann allerdings, wie die Leute auf ihren Hügel kommen wollen – die Aufstiege sind mitunter sehr steil und sicher nicht für jede Altersgruppe geeignet. Es fahren zwar auch Busse, aber das ist a) umständlicher und b) stillos ;-).
Während ich in Santiago ja in kürzester Zeit viel vom Nachtleben mitbekommen habe, bin ich hier erst einmal, und zwar mit Leyla weggewesen. Morgen folgt der zweite Teil, am Samstag der dritte. Außer Soledad, einer hier im Hostel angestellten Chilenin habe ich bisher auch noch nicht allzuviele Kontakte, aber ein Sozialprojekt bahnt sich an: Eine Freundin Leylas hat Kontakte zu “Un Techo para Chile“, einer Initiative zum Häuserbau für Bedürftige, die kein Dach über dem Kopf haben. Dankenswerterweise hat sie angeboten, Kontakt herzustellen, was ich wohl Samstag mit ihr bequatschen kann.
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