Asado über den Dächern von Santiago

Den gestrigen Tag habe ich sehr ruhig angehen lassen: Frühstück bis ca. 12 Uhr, dann ein wenig nichtstun und im Anschluss Essen gehen beim Ecuadorianer. Aber es stand ja auch Abends ein Treffen mit Didi, einer Freundin einer Kollegin, an. Also gehe ich so gegen 19:20 Uhr los, wir sind in der Nähe meines Hostels am Plaza Italia verabredet.

Der Plaza Italia ist direkt an einer Hauptstraße gelegen, und sozusagen einer der Haupteingangspunkte um ins Nachtleben von Bellavista einzutauchen. Neben einer riesigen Kreuzung, einer U-Bahn Station und einem Busbahnhof toben dort Menschenmassen, insbesondere junge Leute durch die Straßen. Genau an diesem Ort sind Didi und ich also verabredet.

Ich stehe kaum 2 min. und warte, da kommt ein älterer Chilene auf mich, den wartenden, allein dort stehenden Gringo zu und fragt ziemlich unverblümt nach 500 Pesos – er sei kopfkrank und brauche dieses Geld für die Behandlung. Interessante Masche, aber ich gebe vor, dass ich nichts verstehe – weder Englisch (“Coin!”) noch Spanisch. Nach 10 min. rufe ich bei Didi an, ob sie schon da sei – ja, sie und Marcos, ihr Freund, würden schon länger auf der anderen Straßenseite warten. Also gehe ich rüber und zusammen gehen wir zunächst in eine Bar, wo wir erstmal mein Spanisch trainieren – mit Didi hab ich ja ein wandelndes Wörterbuch zur Verfügung :). Nachdem wir unsere Pisco Sour chilenischer Art ausgetrunken haben, machen wir uns auf, Getränke für später zu kaufen.

Während wir durch die Pia Nono, eine sehr lebhafte Straße mit vielen Cafés, Kneipen, Straßenständen wandern, erzählt mir Marcos erstmal, dass ich hier später in der Nacht auf keinen Fall alleine rumgehen sollte – das wäre gefährlich. Macht aber für den Moment nichts, wir kaufen ne Flasche Pisco, ne Flasche Rum, ein wenig O-Saft und Cola und machen uns auf den Weg zu Marcelo, einem Freund von Didi und Marcos, der, so erzählen mir die beiden, ein Asado veranstalten würde.

Nach ca. 30 min Fußweg erreichen wir dessen Wohnhaus: ein 25 stöckiges Hochhaus, wo wir nach der Registrierung beim Portier in den 25. Stock fahren, um dann noch ein Stockwerk zu Fuß zur Dachterasse zu erklimmen. Als wir rauskommen, zeigt sich das nächtliche Santiago von allen Seiten: Kleine Lichter säumen Straßenläufe, der Fernsehturm ist bunt angestrahlt, die Stadt sieht von oben sehr friedlich aus.

Oben begrüßen uns dann Marcelo und Vale samt Vales Tochter in schönstem schnellen, unverständlichen chilenischen Spanisch. Verstehen tue ich das ganze nur, wenn sie langsam reden, auch wenn ich mich langsam aber sicher reinhöre. Der Grill wird zum Säubern des Rosts mit einer rohen Zwiebel abgerieben, die Kohle verteilt und entzündet, und Marcelo erklärt mir, dass er nach brasilianischer Art grillen wird: Stark gesalzen, mit geringer Hitze, also hohem Rost.

Da es inzwischen schon spät ist, haben wir alle allerdings schon großen Hunger, deswegen trinken wir als Alternative zum Fleisch erstmal ne Cola-Rum – der gute chilenische Wein, den Didi mitgebracht hat wird erst später getrunken.

Um 0:30 Uhr gibt es dann endlich das erste gegrillte Fleisch: pikante Würstchen im Brötchen mit Mayonaise. Die haben auch einen Namen, den ich allerdings inzwischen vergessen habe… Aber sehr lecker! Jetzt geht es Schlag auf Schlag: leckere Rippchen, feines Filetfleisch und ein schöner Rotwein führen dazu, dass ich nach kurzer Zeit bis zum Anschlag satt bin und nicht mehr mag…

Währenddessen kommt noch ein Freund von Marcelo und Marco vorbei, wie mir berichtet wird, ist er chilenischer Schauspieler, der wohl auch mal in einem Film mitgewirkt hat. Jetzt gibt es Pisco-Cola, im Verhältnis 50/50.

Gegen 2:30 Uhr nehmen Didi, Marcos und ich ein Taxi nach Hause, wenn ich von Peru wieder nach Chile komme, werde ich zusammen mit Marcos, haben wir beschlossen, ein Wochenende Sozialarbeit in den ärmeren Gegenden der Stadt machen. Außerdem werde ich wohl demnächst eine Tour in das Anbaugebiet des Weinhandels, bei dem Didi arbeitet, machen.

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