Estamos en la ciudad blanca - Arequipa

Samstag, also am Vorabend der landesweiten Bezirks- / Kreiswahlen sind wir aus Puno mit dem Bus nach Arequipa gereist. Unsere erste laengere Busfahrt! Wir hatten bei der Gesellschaft Julsa gebucht, was uns im Nachhinein in Puno ein wenig Sorgen bereitete: Kaum hatten wir das Ticket in der Hand, erzaehlte uns eine Schweizerin, dass ihr von dieser Gesellschaft abgeraten worden war, da die Busse manchmal doch sehr alt seien…

Autos in Peru sind sowieso ein Thema fuer sich: Der Markt ist fest in der Hand von Toyota, Hyundai, Daewoo und Mitsubishi, vereinzelt sieht man mal einen alten Kaefer oder einen Mercedes Sprinter als Bus. Mittel- oder Oberklassewagen sind hier auf den Strassen sowieso nicht zu sehen: Wir haben noch keinen einzigen BMW oder Audi gesehen, von Mercedes wie gesagt auch nur die Nutzfahrzeuge. Aber zurueck zum Bus.

Unser Bus war eigentlich ganz gut erhalten, auch wenn, wie bei vielen peruanischen Autos, die Windschutzscheibe mit Spruengen gut ausgestattet war. Die Fahrerkabine war uebrigens wie im Flugzeug, durch eine Zwischentuer geschuetzt. Unsere Sitze fanden wir dann schnell, und da der Bus nicht ueberbucht war, waren auch keine Diskussionen noetig, wem denn nun die gebuchten Plaetze zustehen wuerden. Das lustige ist, dass eine Buchung der Fahrkarten eigentlich nur mit Ausweisnummer moeglich ist, aber da wir bei Kauf der Tickets keine Ausweise dabei hatten, gings halt auch ohne. Schon seltsam. Vom Preis her war das ganze auch spottbillig: Fuer die 6-stuendige Busfahrt waren nur 20 Soles faellig, also 4-5 Euro.

Die Busfahrt an sich war schon bemerkenswert: Zwischendurch stellten sich irgendwelche Leute in den Gang (leider immer direkt neben unsere Plaetze) und priesen Multivitaminpraeparate an oder fingen an mit Panfloete und Klampfe ausgestattet ein Buskonzert zu veranstalten. Der Kuenstler verteilte dann auch Bonbons “for free” und wollte spaeter dann 5 Bonbons zum Kurs von 1 Nuevo Sol verkaufen. Da Torben und ich soetwas schon geahnt hatten, drueckten wir ihm seine “milde” Gabe wieder in die Hand und das Thema war gegessen.

Gegen 13:30 kamen wir dann bei schoenem Wetter in Arequipa an. Die Aussenbezirke der Stadt sind extrem haesslich und aermlich, ueberall stehen unvollendete Haeuser und Bauten, da viele Einwohner aus Kostengruenden nur einen Raum vollenden (Miete sparen), und den Rest der Gebaeude unfertig stehen lassen. Aber je weiter wir in die Stadt reinfuhren, desto schoener wurde sie und wie sich inzwischen rausgestellt hat, ist Arequipa im Zentrum die bisher schoenste Stadt, die wir in Peru kennengelernt haben.

Am Terminal Terrestre, wo der Bus hielt, nahmen wir jedenfalls erstmal ein Taxi (zum ersten Mal haben wir uns nicht ueber den Tisch ziehen lassen und hartnaeckig verhandelt), dass uns zu der von uns gewuenschten Unterkunft brachte: Dem Casa de Avila, wo ich zur Zeit sitze, und diesen Blog-Eintrag schreibe. Von dort brachen wir dann auf, die Tour fuer die naechsten 2 Tage zu buchen: Den Ausflug in den Colca Cañon.

Dank unserer Reisefuehrer hatten wir auch schnell einen Touranbieter ausgemacht, den wir nach unserem ersten peruanischen Doener (wo wir gleich ein paar Deutsche trafen…) bei Santa Catalina Tours buchten. Dort war es nicht nur guenstig (30$ fuer 2 Tage), sondern wir trafen mit Mitarbeiterin Doris den ersten peruanischen Modern Talking Fan, der uns bisher untergekommen war. Sie war jedenfalls ganz aufgeregt, dass uns Dieter in der Naehe von Torben wohnt. Abgesehen davon konnten wir ihr ein wenig Nachhilfe in Deutsch geben, da sie gerade mit dem Sprachunterricht angefangen hatte. Zudem half sie uns, ein Busticket fuer die Reise nach Nasca zu buchen.

Nachdem wir damit durch waren, gingen wir schoen im El Viñeda, einem der besten Restaurants von Arequipa essen, wo wir sehr schoenes Filet Mignon hatten - eine Wohltat nach einigen, nicht allzu delikaten, Essen. Da wir auf dem Weg zum Essen noch David, einen Amerikaner, den wir in Puno mit auf dem Schiff hatten, und Frank vom Inkatrail getroffen hatten, gingen wir mit David nach dem Essen noch weiter in eine Bar namens Deja Vu.

Das Problem war bloss, dass das peruanische Wahlgesetz vorschreibt, dass zwei Tage vor der Wahl kein Alkohol in Kneipen ausgeschenkt werden darf. Abgesehen davon ist jeder Peruaner verpflichtet, waehlen zu gehen, ansonsten darf er ordentlich Geld lassen: Bei einem Monatsverdienst von 700 Soles fuer einen Lehrer sind 300 Soles schon eine Hausnummer…

Naja, wir versuchten natuerlich trotzdem, ein Arequipeña, das hiesige Bier aufzutreiben. Mit Erfolg! Es war zwar alles sehr verschwoererisch, da wir keine Flaschen bekamen sondern neutrale Porzellan-Becher, aber letztendlich bekamen wir dann doch ein paar Bierchen und unterhielten uns noch nett mit Kalifornien-David.

Am naechsten Tag waren Wahlen, daher ein Novum: Tourstart erst um 10 Uhr!!! Das hiess zum ersten Mal ausschlafen. Wir wurden also puenktlich um 9:40 Uhr von unserer Tourfuehrerin abgeholt, und nachdem wir die komplette Reisegruppe zusammen hatten, stellte sich raus, dass wir die einzigen waren, die Spanisch NICHT als Muttersprache hatten. Somit war die ganze Tour in den Colca Canon in Spanisch, was den beiden Venezuelanern und den 3 Spaniern in der Gruppe auch ganz gut passte. Fuer unser Spanisch war es jedenfalls auch eine gute Uebung.

Es ging jedenfalls los und als erstes hielten wir an einer Stelle, wo wir viele freigrasende Vicuñas, Lamas und Alpakas sehen konnten. Danach ging es dann in eine kleine Raststaette, wo wir erstmal einen Coca-Tee trinken durften, da es danach recht hoch gehen sollte: 4900m, zu einem Pass und Aussichtspunkt von dem man einen schoenen Blick auf die aktiven Vulkane Chachani, Misti und Ampata haben sollte.

Von da aus gings wieder weiter runter, und zwar nach Chivay, wo wir die Nacht als einzige Gaeste eines grossen Hotels verbringen sollten. Waehrend Torben warme Quellen badend genoss, surfte ich ein wenig im Internet, da ich schlauerweise meine Badehose vergessen hatte… Abends gabs dann ein Essen mit Folkloreeinlagen, wo verschiedene Leute am Tanz teilnehmen “durften”. Ich war zwar nicht betroffen, dafuer aber Torben…

Am naechsten Tag machten wir uns dann auf den Weg zum Cruz del Condor, um dort ein wenig Andenkondore anzuschauen. Ausserdem natuerlich einen der tiefsten Cañons der Welt mit seinen vielen Terassierungen, die in die Prae-Inkazeit zurueckreichen. Die Andenkondore jedenfalls werden so gross, dass sie eine Fluegelspannweite von bis zu 3m erreichen. Abgesehen davon scheinen sie bis zu 70 Jahre alt zu werden und Selbstmord zu begehen, wenn ihr Partner stirbt.

Da zur Zeit Brutzeit ist, waren die Chancen leider nicht perfekt, Kondore zu sehen, aber trotzdem hatten wir Glueck und sahen vier Kondore, leider allerdings nur aus der Ferne. Danach gings ueber kleine Orte wie Maca wieder zurueck, so dass wir gestern gegen 17 Uhr wieder in Arequipa waren.

Gestern gingen wir dann ins “Erlebnisrestaurant” Zig-Zag, wo wir zwei sehr leckere Trilogien bestellten: Die eine Trilogie war ein leckerer argentinischer Rotwein mit dreierlei Trauben, die zweite Trilogie war das Essen: Eine auf extrem heissen oesterreichischem Berggestein servierte Zusammenstellung von Alpaka-, Rinder- und Straussenfilet. Sehr lecker. Hinterher sind wir noch ins Deja Vu gegangen, wo wir noch ein paar Australier, wie immer mit GAP unterwegs, trafen und bis 1:30 Uhr durchhielten.

Momentan ist Torben noch am Schlafen, aber fuer den Rest des Tages ist eine kleine Rundtour durch Arequipa und den Konvent Sta. Catalina geplant, heute Abend gehts dann mit einem Schlafbus von Cruz del Sur nach Nasca, wo wir morgen kurz einen Rundflug ueber die in den Boden geritzten Figuren machen, um dann direkt nach Ica, in die Wueste weiterzufahren.

Aber dazu ein anderes mal mehr, dieser Eintrag ist eh schon zu lang…

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