Abwarten und Tee trinken

Munnar - Top Station
Creative Commons License photo credit: kcbimal

Am 28.11.2011 machen wir uns auf den Weg nach Munnar. Rony faehrt, Rocio liegt hinten auf der Rueckbank und schlaeft und ich verfolge die Route und Strecke auf meinem Telefon per GPS. Nachdem wir Gewuerze in Periyar gekauft haben, geht es gegen 19 Uhr los, auf engen, dunklen, unbeleuchteten engen Gebirgspaessen, oftmals nur Sand unter und ein Abhang neben uns, fahren wir mit durchschnittlich 25 km/h gen Munnar.

Wir brauchen – im Gegensatz zur Angabe im Routenplaner von Google – sage und schreibe 4 Stunden fuer die 104 km und sind hinterher heilfroh, angekommen zu sein. Unsere Unterkunft heisst Green Wood Cottage und ist ein kleines Haus am Hang eines Berges, ca. 13 km ausserhalb von Munnar. Das eigentlich reservierte Hostel hat uns zu seiner Zweigstelle im Gruenen geschickt, weil direkt in Munnar kein Platz mehr war. Ausser zwei Touristinnen aus Daenemark bzw. England sind wir die einzigen Gaeste auf dem Berg, lediglich der Verwalter ist noch da.

Am naechsten Morgen stehen wir gegen 9 Uhr auf, fruehstuecken mit den anderen und machen uns dann auf die Suche nach Rony. Der erzaehlt uns, dass wie in Munnar die Strassen blockiert sind, er aber versuchen koenne, und zum Spicegarden zu bringen. Wir stimmen zu, und 3 Minuten spaeter haelt unser kleiner Tata – ein Auto kann man es kaum nennen – vor dem Spicegarden.

Der Spicegarden ist eine Mischung aus Zoo und botanischer Ausstellung: Neben zwei Elefanten und einem Kamel ist auch noch ein Pferd da auf dem man reiten kann, so man denn will. Ausserdem gibt es noch zwei Baumhaeuser und viele Gewuerzpflanzen und Baeume, die mit Aufstellern ausgestattet sind, so dass man auch weiss, welches Gewuerz gerade vor einem waechst. Im grossen und ganzen ist das ganze jedenfalls unspektakulaer und nach einer halben Stunde sind wir wieder draussen.

Rony guckt uns verbluefft an, dass wir so schnell sind, kann uns aber nirgendwo sonst hinbringen. Daher machen wir uns zu Fuss auf, Teeplantagen zu sehen – wir muessen lediglich der Strasse nach Munnar folgen. Der Plan ist, die 13 km zu wandern, und sich dann abends von Rony abholen zu lassen, da der Streik ja um 18 Uhr vorbei ist.

Nach einer Stunde wandern sehen wir die ersten Teefelder, gruene Flickenteppiche auf den Berghaengen. Als wir weiterlaufen und Fotos machen, die Natur bewundern und uns langsam Richtung Munnar vorarbeiten haelt auf einmal ein Gelaendewagen neben uns. Das Fenster geht auf, und ein Mann fragt uns, ob er uns mitnehmen koenne – er bricht mit seinem Auto den Streik und versucht trotz der Blockaden nach Munnar durchzukommen. Wir steigen ein und sind 15 Minuten spaeter in Munnar, wo wir aussteigen – auf dem Weg haben wir genug schoene Landschaft fuer den Rueckweg gesehen…

In Munnar wird erstmal ein Tee geordert, dann ganz geheim im Restaurant Mittag gegessen – offiziell ist das ja auch wegen des Streiks geschlossen. Wir sind hingegangen, da uns ein anderer Tourist, ein Franzose, den Tipp gegeben hatte, dass es zwar zu sein, man aber, wenn man die Betreiber fragt, trotzdem etwas bekommt. Gesagt getan und kurze Zeit spaeter steht das beste Chicken Masala meiner Indien Reise auf dem Tisch – fuer unter 100 Rupien, also weniger als 1,40 EUR.

Danach machen sich Rocio und ich auf den Rueckweg: Vorbei am Wasserkraftwerk, Teeplantagen die 13km Richtung Green Wood Cottage. Und wieder haben wir Glueck – nach ca. 6 km Wanderung nimmt uns ein weiterer streikbrechender Autofahrer ein paar Kilometer mit, da er aber in eine andere Richtung muss geht es danach zu Fuss weiter.

Als wir fast am Ziel sind werden die uns schon laenger begleitenden dunklen Wolken tatsaechlich zu Regen, und wir erreichen das Hostel mit Muehe und Not bevor der Himmel die Schleusen entgueltig oeffnet und einen kleinen Ozean Richtung Boden schickt.

Zu Abend kocht der Hausverwalter fuer uns ein Kartoffelcurry und ich lasse den Abend mit einem indischen Bierchen ausklingen.

Am naechsten Tag geht es auf den Rueckweg nach Cochin, von dort mit dem Flugzeug nach Mumbai und von dort mit dem Flieger Richtung Heimat – zur Zeit sitze ich in Dubai in der Emirates Lounge und warte auf meinen Anschlussflug nach Hamburg. Der Flug in Mumbai ging um 4:30 Uhr los, und da ich vorher nicht geschlafen habe, war ich sofort eingeschlafen. Auf dem Hamburg Flug habe ich dann noch mal 6 Stunden Zeit fuer ein Nickerchen – die 2,5h von Mumbai nach Dubai waren dann doch zu wenig.

VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0 (from 0 votes)

Keine Tiger, aber Elefanten

India - Kerala - 063 - spice plantation - pepper

Creative Commons License photo credit: mckaysavage

Am 27.11.2011 geht es weiter: Das Periyar Wildlife Sanctuary ist mein Ziel, als mein Fahrer Rony wieder einmal auf das Gaspedal drueckt und wir morgens losfahren.

Die Fahrt ist nervenaufreibend: enge Paesse, oftmals nur einspurig und unasphaltiert erlauben uns nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h auf der 150km langen Strecke. Die Aussichten sind jedoch wunderschoen und entschaedigen fuer das langsame Vorankommen:

Tee-Plantagen wirken wie ein gruener Flickenteppich an den Haengen der Berge, der Western Ghats und ueberall sind hohe gruenbewachsene Berge zu sehen.

Wir sehen viele geschmueckte Autos, da heute ein Feier- und Wallfahrtstag ist und viele Glaeubige, gekleidet in Schwarz – die Frauen in schwarzem Sari, die Maenner mit schwarzem Hemd und schwarzem Tuch (statt Hose) auf dem Weg sind. Die Pilger tanzen durch das Tempeldorf, beschmeissen sich mit Farbpulver und es ist fast unmoeglich durchzukommen.

Als wir Nachmittags dann in Kumily, dem dem Nationalpark naechstgelegenen Ort ankommen checke ich im Hotel ein, und Rony macht sich auf den Weg zum Flughafen von Cochin, um Rocio, die Kolumbianerin aus Agra einzusammeln. Sie hat sich entschlossen, noch ein paar Tage in den Sueden zu kommen und will sich auch Periyar und Munnar anschauen.

Abends erfahre ich dann, dass am naechsten Tag ein Generalstreik in Periyar stattfinden wird, da die Anwohner die Regierung Indiens dazu zwingen wollen, endlich einen neuen Staudamm zu bauen.

Der alte Staudamm ist bereits ueber 100 Jahre alt und wurde damals von den britischen Kolonialherren gebaut. Er ist nun aber baufaellig und da die Region in den letzten Tagen starke Regenfaelle sowie kleinere Erdstoesse erfahren hat, ist die Angst gross, dass dieser Teil Keralas durch einen Dammbruch ueberflutet werden koennte – der Wasserstand ist auf dem festgelegten Maximalstand (136 Fuss) und 350.000 Anwohner sind betroffen.

Auf der anderen Seite hat der Nachbarstaat Angst, dass er nicht mehr die durch den alten Damm und dessen Pacht garantierten Wassermengen bekommt – die Regelung der Wasserlieferung ist an den Damm gekoppelt und hat eine Laufzeit von 999 Jahren – den Briten sei Dank. Mit einem neuen Damm koennte sich das aendern.

Der Streik ist am naechsten Morgen sichtbar – die Jeep-Safari findet wegen des Streiks nicht statt, alle Geschaefte sind geschlossen, die Strassen sind mit Baeumen und Geroell blockiert.

Somit fuehrt uns Rony zu einem Ort, wo wir auf Elefanten reiten koennen – dies tun wir auch, 30 Minuten belaestigen wir den grauen Riesen mit unserem Gewicht, danach ist das aber auch getan.

Um ueberhaupt irgendetwas zu tun, beschliessen wir, einen indischen Kochkurs zu machen: Wir kochen verschiedene Currys, unter anderem ein Huehner-Curry mit frisch geschlachtetem Huhn – wir rupfen selbst die Federn des kurze Zeit vorher noch lebendigen Zweibeiners…

Nach dem Kochkurs wissen wir auch, welche Gewuerze wir kaufen sollten, und da Kerala das Land der Gewuerze ist, das schon im Mittelalter Europa mit exotischen Gewuerzen wie Cardamom, Kreuzkuemmel oder Curry-Blaettern versorgt hat, gehen wir in einen Gewuerzsupermarkt und kaufen erstmal ein – spottbillig, 100g Cardamom z.B. fuer 70ct.

Am Abend, nachdem der Streik um 18 Uhr bis zum naechsten Tag vorbei ist, setzen wir uns wieder ins Auto und fahren ins Hochland der westlichen Ghats – nach Munnar, zu den Teeplantagen.

VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0 (from 0 votes)

Hausbootfahren in Alappuzha (Alleppey)

Reflecting Backwaters
Creative Commons License photo credit: maceightytwo

Es ist der 25.11.2011 als ich gut gelaunt mein Fruehstueck im “Tag und Nacht”, Fort Cochin esse. Frische Fruechte, Chai-Tee und Tomaten-Kaese Sandwiches lassen die Welt schon viel besser aussehen. Vor dem Tor raekelt sich in einem weissen Tata (das ist ein indisches Auto) der Fahrer, der mich kurze Zeit spaeter nach Alappuzha bringen wird – hin zum Hausboot, auf dem ich ab 11 Uhr fuer 22 Std. in den keralischen Hintergewaessern schippern werde.

Nach ein paar mal verfahren sind wir auch schon da und ich bringe meine Sachen an Bord. Das Hausboot habe ich alleine, mal abgesehen von der 4 Mann Besatzung. Ich habe mich fuer die Sparvariante ohne Klimaanlage entschieden, was ich noch bereuen werde – Nachts werde ich mich schlaflos auf dem Bett waelzen, ohne viel Schlaf zu finden. Das Badezimmer ist klein, halbwegs sauber und die Dusche sieht unbenutzbar aus, aber das ganze ist ja kein 5 Sterne Erlebnis.

Entspannend ist es aber alle Mal: Leise tuckert der Motor des Schiffs vor sich hin, nachdem wir den Verkehrsstau von Hausbooten hinter uns gelassen haben und ein wenig alleine sind. Ich sitze unter dem offenen Vordach des Bootes und schaue mich rechts und links um, die Kamera fest im Griff. Ueberall gehen die Kanal-Anwohner ihrem normalen Leben nach: Za-wusch, za-wusch, za-wusch toent es von links – eine Frau waescht ihre Waesche im Kanal und schlaegt irgendein Kleidungsstueck auf einen Stein. Auf der anderen Seite waescht sich ein aelterer Mann und mitten voruns kreuzt ein Einbaum mit Schuelern, die am anderen Ufer zur Schule gehen. Dann gibt es Mittagessen aus der Bootskantine, ein vegetarisches Masala und ein paar Linsen.

Auf dem Wasser treiben gemuetlich Graeser und um Punkt 16 Uhr wird Tee mit Gebaeck serviert. Gegen Abend legen wir dann in einem Dorf an, dass ich mir aber wegen des starken Regens nicht anschaue. Dann lese ich noch ein wenig, esse zu Abend und ab geht’s ins Bett. Und am naechsten Morgen, kurz nach dem Fruehstueck geht es mit dem Auto weiter. Nach Varkala, wo ich eine Heisswasser-aus-Eimer-Dusche geniesse und ansonsten nichts gross passiert, da es in Stroemen regnet. Es deutet sich nur an, dass die Kueste dort wunderschoen ist – hohe Wellen, beeindruckende Klippen.

VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 5.0/5 (1 vote cast)
VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0 (from 0 votes)

Portugiesisch-chinesisches Fort Cochin

Evening sky & Chinese Fishing net at fort cochin!...
Creative Commons License photo credit: ramesh.rasaiyan

In China, ca. 200km von der naechsten Stadt entfernt, mitten in der Provinz Sichuan fegte ein ploetzlicher Windstoss die sandige Strasse entlang, wirbelte ein wenig Sand auf und kam zum Stillstand. Vom Wind getroffen verlagerte sich das Gewicht von vielen kleinen Reiskoernern in die Richtung des Windstosses. Diese wiederum uebten Druck auf weitere Reiskoerner aus, bis eine unaufhaltsame Kettenreaktion in Gang gesetzt war: In China fiel ein Sack Reis um.

Genauso interessant und spannend scheint das Leben in (Fort) Cochin zu sein. Bei ueber 30 Grad im Schatten geht das Leben hier ein wenig langsamer und ruhiger von statten. Es gibt fast keinen Strassenverkehr, die Strassen sind fast leer, zwischendurch  ziehen ein paar Touristen durch die “Princess Rd.”, um tibetische oder indische Mitbringsel zu kaufen.

Im Norden der Insel laedt eine Uferpromenade zum Kauf frischer Fische ein, die man gleich nebenan im Restaurant braten lassen kann. Hinter den Bretterbuden sind riesige chinesische Fischernetze aufgebaut, die zwischen kaputten Booten und auf Stegen hockenden Familien einen seltsam orientalen Charme ausstrahlen.

Ich bin in einem Homestay untergekommen, dem “Tag und Nacht”-Homestay, in dem Antonio und seine Familie leben. Antonio ist Inder, aber sein Name erzaehlt noch von der gescheiterten portugiesischen Kolonisierung von Cochin. Den Namen “Tag und Nacht” hat er gewaehlt, weil er Deutschland toll findet. Warum? Habe ich nicht rausfinden koennen. Das einzig Bedauernswerte an diesem Homestay ist die fehlende Klimaanlage, lediglich ein Ventilator mueht sich vergeblich, der Hitze von Fort Cochin Herr zu werden, haeufig sabotiert von laengeren Stromausfaellen. Nach Einbruch der Dunkelheit ohne Taschenlampe irgendwo hingehen – ein Abenteuer.

Ein paar Stunden nach meiner Ankunft am 23.11.2011, nimmt sich Antonio die Zeit, mit mir die Zeit in Kerala, selbstdeklariertes Land Gottes (“God’s own country”) zu planen. Er bietet mir sehr guenstig an, einen Fahrer fuer die Zeit zu organisieren und wir buchen gleich auch ein paar Unterkuenfte und das Hausboot.

Am folgenden Tag schaue ich mir noch Fort Cochin an – die juedische Synagoge mitsamt Judenviertel, den Palast, allerdings alles nur von aussen, da es nicht sehr sehenswert aussieht. Viel interessanter ist das kennenlernen des “echten” Lebens beim Laufen durch Strassen, die sehr touristenleer aussehen.

Aber wirklich passieren tut nichts in Fort Cochin…

VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0 (from 0 votes)

Udaipur

Washing with a view - Udaipur
Creative Commons License photo credit: betta design

Zehn Stunden Fahrt mit dem Zug oder eine Stunde Flug sind die Alternativen, um von Jaipur nach Udaipur zu kommen. Als dekadenter Mitteleuropaeer entscheide ich mich fuer den Flug. Der Flug wird ausschliesslich von Touristen bestiegen – Franzosen, Belgier und eine Reisegruppe von Chilenen. Wir fliegen in einer ATR 72, einem zweimotorigen Propellerflugzeug. Es ist das zweite Mal, dass ich in so einem Vogel sitze, und es ist das zweite Mal, dass ich den Rueckwaertssitz, also gegen die Flugrichtung, habe.

Nach einem unspektakulaerem Flug setzt die Maschine ruckelnd auf dem Rollfeld auf, der Pilot hupt noch mal kurz (naja, wenn er koennte, wuerde er) und wir laufen vom Flugzeug zum Terminal rueber. Es ist der 18.11.2011. Im Flughafen hole ich mir ein Taxi, dass mich die 25km bis Udaipur Zentrum faehrt – fuer 500 Rupien, also ca. 7,5 EUR. Eine Stunde dauert das, und als ich im Nukkad Guesthouse einchecke habe ich die Wahl zwischen zwei Zimmern. Ich nehme das Zimmer, wo ich aufrecht im Badezimmer stehen kann und mache mich auf den Weg zur Dachterrasse.

Eine schoene Eigenschaft von Rajasthan ist, dass es praktisch ueberall Dachterrassen gibt, wo man essen kann, die Stadt von oben betrachtet und ein illegal verkauftes Kingfisher-Bier trinkt. Die meisten indischen Restaurants und Hotels haben naemlich keine Alkohol-Lizenz, da diese zu teuer ist. Trotzdem bekommt man unter der Hand ueberall Bier. Von der Dachterrasse habe ich einen tollen Blick, der u.a. den oben im Photo gezeigten Bereich beinhaltet.

In den Strassen von Udaipur zeigt sich das uebliche Bild: “Bonjour, d’ou etes-tu?”, “Hello, where are you from?”, “Are you Danish?” toent es aus jedem Geschaeft, jeder Rikscha, ja fast jedem indischen Mund. Die Stadt, auf betreiben der lokalen koeniglichen Familie vollstaendig auf Tourismus fixiert, besteht ausschliesslich aus Touristenshops fuer Textilien und Schmuck sowie Reisebueros.

Aber schon ein wenig abseits der Altstadt, abseits des touristen Zentrums um den “City-Palace”, den Stadtpalast, schwirren einheimische Gerueche durch die Luft, Inder waschen ihre Kleidung im See und die Sonne spiegelt sich im See auf dem Boote gemaechlich schippern, photo-wuetigen Touristen die schoensten Motive verschaffend.

Ich wandere im Laufe einiger Tage durch verschiedene Teile der Stadt, entspanne auf der Dachterrasse und faulenze – fuer mich gibt es hier diesmal kein enges Touristenprogramm, da ich genug von der Rajasthan Hetzjagd habe – alle 2 Tage eine neue Stadt ist auf die Dauer nicht erholsam.

Den gewuenschten Besuch in Jaisalmer beschliesse ich ein anderes Mal durchzufuehren, da der oertliche Flughafen aufgrund der Naehe zur pakistanischen Grenze gesperrt ist und ich keine Lust auf endlose Bus- und Zugreisen habe: Von Udaipur gibt es keine Direktverbindung; es ist notwendig, ueber Jodhpur zu reisen, egal ob Bus oder Bahn. Statt Jaisalmer buche ich einen Flug von Udaipur nach Cochin, in der suedwestlichsten Provinz Indiens Kerala. Dort, in der Heimat von ayurvedischer Heilkunst, Gewuerzen und Kokosnuessen erhoffe ich mir eine entspannende letzte Woche meiner Indienreise.

Am Tag der Abreise holt mich der Taxifahrer frueher ab als geplant: Unruhen in der so ruhigen Stadt am See, Hindus und Moslems pruegeln sich in Strassenschlachten und viele Geschaefte haben deshalb geschlossen, viele Strassen sind gesperrt.

VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0 (from 0 votes)

Pink ist nicht gleich Pink

Albert Hall Museum, Jaipur
Creative Commons License photo credit: ♣ ℓ u m i è r e ♣

Waehrend sich in Jaipur die Taxifahrer, Rikschafahrer, Touristenfuehrer und Hotelbesitzer auf den naechsten Touristenansturm bereitmachen, sitze ich im Zug in die sogenannte “Pinke Stadt”. Als 1903 der Prinz of Wales zu Besuch kam, befahl der damals herrschende Maharadscha, die Stadt in der Farbe des Willkommens zu streichen – jedes Haus der Altstadt. Heutzutage ist es verpflichtend, dass bei Renovierungsarbeiten in Rosa gestrichen wird.

Im Zug sitze ich in einem Sleeper-Abteil, neben mir allerlei indische Mitreisende und die Stimmung ist ruhig. Ich lese ein Buch, waehrend der Zug das eine um das andere Mal anhaelt und Leute aussteigen. Nicht notwendigerweise an einem Bahnhof. Derweil sitzen zu meiner Rechten zwei indische Maenner, die zu ihrer folkloristischen indischen Musik singen; als Kontrapunkt toent Shakira aus dem Handy einer jungen Familienmutter, die eingehuellt in ihr Sari zu schlafen versucht, ihren kleinen Sohn mit sich auf der Pritsche.

Als der Zug quietschend im Bahnhof Jaipur haelt, steigen eine Vielzahl Touristen aus, und schon wenig spaeter steht ein gut gekleideter junger Inder neben mir. “Namaste”, sagt er und beginnt die klassische Konversation. Wo ich herkomme und was ich hier taete, ob mir Indien gefalle, wie das Essen sei, usw.  Eine Minute spaeter rueckt er damit raus, dass er Taxifahrer ist und ich ja auch mit ihm fahren koenne, wenn ich wolle.

Waehrenddessen warte ich auf Rocio, die kolumbianische Mitreisende, die in der Holzklasse hoffentlich auch im richtigen Bahnhof ausgestiegen ist. Zur Identifikation eines Bahnhofs ist man naemlich auf Einheimische angewiesen; ich habe noch nie ein Schild gesehen, dass den Namen des Bahnhofs in Englisch zeigt. Aber auch sie hat das Ziel erreicht, bepackt mit grossem und kleinen Rucksack trottet sie den Bahnsteig runter und wir kommen schliesslich an den Ausgang.

Draussen bietet sich ein weiterer Taxifahrer an, der nach kurzer Zeit mit dem vorherigen am Streiten ueber uns ist. Als der “Bahnsteig”-Akquisiteur versucht, uns halb-anschreiend dazu zu bewegen, mit ihm zu kommen, schreie ich kurz zurueck, er soll sich trollen und weg ist er. Dem anderen sagen wir, dass wir a) noch zum Ticketschalter wollen und b) ein Prepaid-Taxi suchen.

Da der Schalter nicht mehr offen ist, fahren wir dann, auch ohne Prepaid, zum Hotel, wo mein Zimmer diesmal nicht vergeben wurde. Ich hatte aber auch extra eine Email geschrieben, dass ich spaet ankomme und sie bitte die Reservierung respektierten…

Am naechsten Tag geht es dann Sightseeing: Mit einer Rikscha zum “New Gate” der Altstadt. Der Fahrer hat irgendwann keine Lust mehr und sagt uns, dass wir da sind, obwohl wir noch nicht angekommen sind. Nichts ahnend steigen wir aus und stehen vor einem beeindruckenden Gebaeude, dem fuer mich beeindruckensten in ganz Jaipur: der Albert Hall, die aussieht wie ein chinesisch-mongolisch-indischer Palast aus einem fernoestlichen Kungfu-Film.

Nach ein wenig rumgewander und gefrage stehen wir vor dem New Gate, das sich orange-rot vor uns erhebt – 3 Torboegen durch die der Strassenverkehr hektisch fliesst: Rikschas, Autos, Ochsenkarren, Fussgaenger. Eine Kakophonie des Hupens, dichte Abgaswolken und Staub huellen das Tor ein und durch diese Wolke treten wir in die Altstadt.

Wir gucken nach links, nach rechts, doch wo sind die pinken Haeuser? Wir sehen kein Rosa, kein Pink, nur das rot-orange des Tors an fast jedem Gebaeude. Entweder hat sich die Farbe im Laufe der Jahre verfaerbt oder die Inder verstehen etwas anderes unter Pink. Wir sind auf einer Strasse, die ein grosser Basaar ist: Textilgeschaeft an Textilgeschaeft, indische Frauen wuseln durch die Menge, nur um sich ploetzlich in ein Geschaeft zu begeben und sich Stoffe anzugucken.

Die Ladenbesitzer versuchen ihr bestes, mich zum Kaufen zu ueberzeugen, und weiter geht es vom Textilbasaar zum Schmuck- und schliesslich zum Silberbasaar. Ein Chaos und Gewusel, es entsteht der Eindruck, dass ganz Indien zum Einkaufen in diesen Strassen ist.

Auf einmal spricht ein Inder Rocio an, und fragt sie, ob sie ihm fuer seine spanische Freundin etwas von Englisch ins Spanische uebersetzen koenne. Gesagt getan und nachdem die Uebersetzung fertig ist, erklaert er uns, er sei Brahmane und es sei deren Brauch, fuer einen Gefallen einen Gegengefallen zu leisten.

So fuehrt er uns durch kleine Gassen in der Altstadt, um uns rum vom Motorradshop bis Gewuerzverkauf dicht gedraengt indische Geschaefte und keine Touristen weit und breit. Das nicht-touristische, einheimische Jaipur zeigt sich vor unseren Augen. Ein paar Strassen und Abzweigungen weiter betreten wir ein Gebaeude, in den offenen Tueren und Zimmern sitzen arme Inder, der Muell liegt im Innenhof und der blanke Beton strahlt Trostlosigkeit aus.

Der Inder fuehrt uns zu einem Schmuckatelier inmitten dieses Gebaeudes und bastelt uns jeweils eine Kette aus gruenen Steinen bzw. ein Armband. Er schenkt sie uns, und als Rocio nach den anderen Schmuckstuecken, die sichtbar sind, fragt, zeigt er sie und bietet sie auch zum Kauf an.

Die grosse Frage: War dies eine Aktion, um uns etwas zu verkaufen, oder eine echte gutgemeinte Geste? Wir tendieren zum letzteren und lassen uns von einer Fahrrad-Rikscha zurueck zum Hotel fahren.

Am naechsten Tag schauen wir uns noch den City-Palast an und verlassen dann Jaipur in getrennte Richtungen: Ich zum Flughafen, um meinen Flug nach Udaipur zu nehmen, Rocio, um an einer Hochzeit in Patna teilzunehmen.

VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.9.11_1134]
Rating: +1 (from 1 vote)

Weltwundergucken am Taj Mahal

Taj Mahal at sunset

Creative Commons License photo credit: betta design

2,5 Stunden Zugfahrt entfernt von Delhi liegt eine kleine Stadt namens Agra. Der Zug von Delhi in Richtung dieser Stadt ist voll mit Touristen und Indern, die Touristen meistens in klimatisierten Wagen, die Inder in der 2. Klasse bzw. der zweitschlechtesten Klasse namens Sleeper. Kaum hat der Zug ein wenig Fahrt aufgenommen, haelt er wieder:  Vermutlich aufgrunddessen, dass ein Einheimischer die Notbremse gezogen hat um auf freier Strecke auszusteigen.

Es ist der 15.11.2011 und ich sitze im erwaehnten Zug auf dem oberen Bett in einem Wagen der Sleeper-Klasse. Neben mir sitzt eine junge Familie mit zwei Kindern, die mich mit grossen Augen angucken, dann schuechtern den Kopf abwenden. Die Mutter der beiden ebenso, zu fremd wirke ich als Tourist auf die drei.

Im Laufe der Fahrt tauen sie aber alle auf laecheln mich zwischendurch mal an und versuchen auf einige Fragen von mir zu antworten. Da ich aber leider kein Hindi spreche ist das ganze ein wenig schwierig.

Nachdem mir alle geholfen haben, den richtigen Bahnhof zum Aussteigen zu finden, bin ich in Agra, der wahrscheinlich touristenueberschwemmtesten Stadt Indiens.

Dort am Bahnhof wartet ueberraschenderweise Chabbu, ein Rikschafahrer, der mich im Auftrag des Hostels abholen soll. Er haelt ein Schild in der Hand auf dem nicht mein Name steht, sondern “DASTIAN”. In der Hoffnung, dass er fuer mich da ist, spreche ich ihn an, und er kommt tatsaechlich aus dem Hotel, wo ich hin will, dem Saniya Palace.

Waehrend der Fahrt bietet mir Chabbu an, am naechsten Tag mich zu den Sehenswuerdigkeiten der Stadt zu fahren und hinterher auch zum Bahnhof zu bringen, von wo aus der Zug zum naechsten Ziel, Jaipur, losfahren wird. Ich nehme an, und wir verabreden uns fuer 6 Uhr morgens am vor dem Hotel, rechtzeitig, um zum Sonnenaufgang beim Taj Mahal zu sein.

Das Saniya Palace Hotel ist direkt am Suedtor des Taj Mahals gelegen und hat eine Dachterrasse mit einem traumhaften Blick auf das Weltwunder. Von aussen wirkt es wie fast alle indischen Gebaeude hoffnungslos verfallen, ist aber von innen huebsch eingerichtet und dekoriert.

Als ich ankomme, erfreut mich der Besitzer zunaechst mit der Info, dass ich ja so spaet da sei, dass er mein reserviertes Zimmer schon vergeben haette. Er koenne mir nur noch ein anderes anbieten. Dieses zeigt er mir auch und bietet mir einen Preis von 1000 Rupien, also ca. 14 EUR an. Ich lehne dankend ab und handel ihn auf 800 Rupien runter, was immer noch teuer, mir aber an dem Abend relativ egal ist, da ich froh bin, mich nicht mit den einheimischen Touristenjaegern beschaeftigen zu muessen. Denn ueberall fragen die Menschen, ob man nicht etwas in ihrem Laden kaufen wolle, ob man schon ein Hotel habe, ob man noch einen Fuehrer fuer den naechsten Tag brauche usw.

Am naechsten Morgen toent um 5:00 Uhr morgens per Lautsprecher der Gebetsruf des ansaessigen Muezzin in Disco-Lautstaerke ins Zimmer. Ich haette also gar keinen Wecker stellen muessen, um rechtzeitig beim Taj Mahal zu sein.

Um 6 Uhr habe ich meine Sachen zusammengepackt und sehe mich nach Chabbu um, der eine Minute spaeter um die Ecke biegt und mich mit dem Tuc-Tuc zum Westtor des Taj Mahals bringt. Dort muss ich noch bis ca. 06:30 Uhr warten, bis ich ein Ticket erstehen kann – schon als wir ankommen ist vor dem Verkaufsschalter eine lange Schlange. Das Westtor oeffnet sich dann ca. um 6:35 Uhr, gerade noch rechtzeitig fuer den Sonnenaufgang, der laut Google um 06:38 Uhr ist. Doch die Sonne laesst sich Zeit, da sie erstmal nicht ueber die Mauer hinwegluschern kann.

Als sich das Taj Mahal dann praesentiert ist es ueberwaeltigend. Ein kolossaler Bau, komplett aus edelsteinverziertem Marmor, riesig, wie aus 1001er Nacht. Irgendwer hat es mal die Traene aus dem Himmel genannt.

Gebaut wurde es von einem frueheren Herrscher im Mittelalter. Man vermutet, dass ca. 20.000 Arbeiter mitgewirkt haben, deren Nachkommen noch heute in Agra den Marmor produzieren, der in unglaublicher Menge im Taj Mahal verbaut wurde. Grund fuer den Bau war der Tod seiner 3. Frau, die bei der Geburt seines 14. Kindes verstarb. Ob sie auch Mutter aller seiner vorherigen Kinder war ist mir nicht bekannt… Aus Trauer errichtete der Herrscher daraufhin das Grabmal im Gedenken an seine Frau.

Den Marmorkomplex des Taj Mahals darf man nur mit Schuhsaecken bzw. barfuss oder mit Socken betreten. Das innere ist allerdings bei weitem nicht so beeindruckend wie das aeussere, und nach ca. 2,5 Std. verlasse ich den Komplex, um erstmal zu fruehstuecken.

Das Fruehstueck nehme ich auf der Dachterrasse meines Hotels ein, die nochmal einen tollen Blick auf das Taj Mahal bietet. Danach, um 10 Uhr geht es weiter mit dem Sightseeing in Agra: Das “Baby Taj”, Agra Fort, die Rueckseite des Taj Mahals und einige Souvenirshops warten. Warum die Marmor, Textil und Silberlaeden? Sie zahlen meinem Fahrer das Tuc-Tuc, damit er ihnen Touristen vorbeibringt. Ich ueberstehe das ganze aber schadlos und kaufe nichts.

Danach treffe ich im Hotel eine kolumbianische Reisende, die ebenso wie ich auf dem Weg nach Jaipur ist und den gleichen Zug nehmen wird. Mit Ihr, Rocio, verlasse ich das Hotel und komme am Bahnhof an. Waehrend sie in der Holzklasse (General Service) faehrt, bin ich wieder einmal in der Blechklasse (Sleeper). Nach sechs Stunden Fahrt erreicht der Zug dann auch Jaipur um 23 Uhr. Es ist der 16.11.2011 abends.

 

 

 

 

 

VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0 (from 0 votes)

Delhi

woman in red sari, red fort
Creative Commons License photo credit: eenar_6

So. Naechster Versuch…

Am Sonntag faengt der Urlaub in Indien an – nach einer Woche Arbeit in Mumbai mache ich mich per Taxi auf den Weg zum Flughafen. Wie ueblich versucht mein Taxifahrer noch ein bisschen mehr als den vereinbarten Preis rauszuholen – statt 550 Rupien will er auf einmal 625 Rupien haben. Egal, die bekommt er einfach nicht und schon bin ich vor der Sicherheits/Einlasskontrolle des Inlandsterminals.

Erste Ueberraschung: In indische Flughaefen kommt man nur rein, wenn man seine Ticketreservierung ausgedruckt hat. Ansonsten darf man nicht zum Check-In Schalter… Bei Kingfisher angekommen, frage ich mich erneut, ob mein Flug wirklich noch abfliegt oder storniert wurde, da seit Tagen in den indischen Medien ueber die massiven Finanzprobleme der Fluggesellschaft berichtet wird. Ich habe aber Glueck, d.h. mein Flug ist keiner von den 50% der Fluege, die die Woche ueber storniert wurden und kann, nach einer kleinen Suche, an welchem Gate der Flug abgefertigt wird, boarden.

Der Flug an sich ist unspektakulaer, aber sehr indisch. Die Passagiere stehen z.T. mitten waehrend des Abhebens auf und verstehen gar nicht, dass sich die Stewardessen (unfreundlich, aber gut aussehend) darueber aufregen. In Delhi angekommen bin ich ueberrascht: Das Terminal ist modern, es haftet ihm nicht der 70er Jahre Charme des Mumbaier Flughafens an, es sind keine alten verstaubten dreckigen Teppiche verlegt und alles wirkt wie ein “normaler” Flughafen.

Nachdem ich mein Gepaeck aufgesammelt habe – inzwischen reise ich nur noch mit grossem und kleinen Rucksack, der Koffer ist schon in Hamburg (Danke, Andre) – suche ich den Fahrer, der mich in Delhi zu meinem Hotel bringen soll. Pustekuchen, er ist nicht da. Da ich seit einigen Tagen schon praktisch nicht sprechen kann (Heiserkeit), bitte ich zwei deutsche Touris (man erkennt sie irgendwie sofort), ob sie mal kurz in meinem Hotel anrufen koennen. Dort wird mir angeboten, dass in 30 min. ein Fahrer am Flughafen sein koennte, ich entscheide mich aber fuer ein anderes Abenteuer: Ein Taxi.

Zunaechst verlasse ich also das Flughafengebaeude, wo ich sofort von diversen Taxifahrern bestuermt werde, die mich unbedingt fahren wollen. Ich sage nur, dass ich Prepaid-Taxi will, und alle behaupten, z.T. durchaus ueberzeugend, dass sie Prepaid Taxis sind. Sie wuerden aber nach Taxometer fahren. Widerspricht sich ja irgendwie, oder…? Naja, als ich mich abwende, ueberzeugen sie mich noch fast, da sie mir einen super Preis nennen. Woher ich das weiss? Hab vorher nen anderen Fahrer im Gebaeude angesprochen, wieviel das kosten sollte… Der Taxifahrer, der mir dieses Angebot macht, ist allerdings ziemlich alkoholisiert, zumindest riecht er so, insofern gehe ich weiter und finde auch endlich das kleine Haeuschen zum Kauf eines Prepaid-Tickets.

So geruestet nimmt mich der Taxifahrer auf eine Fahrt durch Delhi – Slums und gute Wohngegenden wechseln sich ab, von Pferd ueber Tuc-Tuc und Fahrradrikscha bis zum Taxi herrscht ein unglaublicher Ueberlebenskampf auf den Strassen Delhis. Lima und Bogota sind dagegen ein Ponyhof und zivilisiert…

In der Strasse des Amax Inn angekommen, finden wir zunaechst das Hotel nicht – zu viele andere Hotels gibt es dort, bestimmt 200, Haus an Haus. Und das Amax ist auch noch in einer Stichgasse versteckt. Nach ein paar Anrufen holt uns aber ein Hotelangestellter von der Strasse, so dass die Odysee ein Ende findet.

Nachdem ich dort eingecheckt habe, gehe ich auf die Dachterasse, um etwas zu essen und lerne dabei Mathilde kennen, eine Franzoesin, die schon seit Jahren immer wieder nach Indien reist. Praktisch, denke ich mir, und mache mit ihr aus, dass wir am folgenden Tag zusammen losziehen.

Das klappt auch tatsaechlich, denn nach einem ausgedehnten Fruehstueck machen wir uns auf den Weg zu Humayans Grabmal, ein Bau aus dem Mittelalter, mit dem der Erbauer seiner 3. Ehefrau nachgetrauert hat, die bei der Geburt seines 14. Kindes gestorben ist… Dieser Park und Gebaeudekomplex war dann auch das Vorbild fuer das Taj Mahal und ist gut erhalten. Die Fahrt dahin fuehrt aber wiedereinmal durch aermste Strassenbewohner und Strassenkinder, wir nutzen diesmal aber die Metro und Fahrrad-Rikschas – letztere sind ein Erlebnis fuer sich, die Metro ist super, wenn auch auf dem Rueckweg extrem voll. Da heisst es Ellbogen raus und reindraengeln.

Im Anschluss buche ich im Hotel noch kurz den Zug nach Agra und das dortige Hotelzimmer. Diese Zeilen schreibe ich jetzt auch vor den Tueren des Taj Mahals, morgen um 6 Uhr geht es los.

VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.9.11_1134]
Rating: +1 (from 1 vote)

Schuften in Mumbai

here is the beef
Creative Commons License photo credit: AamerJaved

Heute ist der letzte Arbeitstag bei unserem Dienstleister. Wie jeden Tag werde ich gleich um 9 Uhr frühstücken und um 9:30 Uhr das Hotel verlassen. Draußen wartet ein Fahrer, der uns dann eine halbe Stunde durch den Verkehr von Mumbai navigiert.

Unser Hotel, das Trident Nariman Point ist direkt an der Wasserfront zur Arabischen See und dankenswerterweise wurden wir beim Einchecken in bessere Zimmer gesteckt, als wir bezahlen. Dadurch habe ich nun ein Zimmer im 19. Stock mit Panoramafenster. Ein toller Blick auf Downtown Mumbai und die Arabische See erwarten mich jedes Mal, wenn ich nach draußen schaue. Unten huschen Menschen wie Ameisen über die Uferpromenade, wo Straßenverkäufer die ganze Nacht versuchen, Käufer für ihre schrill leuchtenden Elektrospielzeuge und Erinnerungen zu finden. Es erinnert doch sehr an die Wasserfront in Shanghai, mit Blick auf Pudong.

Doch Mumbai ist nicht mehr so unschuldig wie vor ein paar Jahren. Im Jahr 2008 erschütterten Nachrichten über großangelegte Terrorangriffe die Welt: Das Oberoi Hotel und das Taj Mahal Palace wurden von terroristischen Gruppen angegriffen und besetzt: Über hundert Menschen kamen um. Mein Hotel ist das Nachbarhotel vom Oberoi, gehört zum gleichen Gebäudekomplex. Das Betreten des Hotels ähnelt einem Flughafen-Checkin: Taschen werden durchleuchtet, jeder wird per Metalldetektor untersucht und überall läuft eine Menge Sicherheitspersonal rum. Die Fahrstühle bewegen sich nur, wenn eine Chipkarte für ein Zimmer vorliegt.

Doch wie ist Mumbai? Mumbai ist staubig, schrill und bunt. Es ist voll und lebhaft. Und es ist eine kulinarische und kulturelle Entdeckungsreise. In Deutschland wird man wohl kaum sehen, wie eine Familie samt Ziege im Taxi nach Hause fährt – die Ziege auf allen Vieren im Kofferraum. Es ist anders, und Vorschriften, Regeln und Gebote sehen anders aus: Mittwoch morgen fahren wir zur Arbeit und warten im Stau. Ein kleiner Junge kommt aus einem verfallenen Haus, in dem ein kleiner Laden ist. Er hat lediglich ein T-Shirt an, stellt sich an der Straßenrand und nutzt den Straßenrand völlig selbstverständlich als Toilette. In Deutschland? Undenkbar. Inder können nur schwer Nein sagen – schon von Kindesbeinen an wird Ihnen indoktriniert, dass die Eltern Götter sind und man ihnen nicht widersprechen darf. Ein Inder arbeitet das, was seine Eltern ihm als Beruf ausgewählt haben. Er heiratet meistens per arrangierter Ehe und im Geschäftsleben ist der typische Inder sehr schüchtern und stellt praktisch keine Fragen.

Der Verkehr erinnert an Südamerika: Rücksichtslos, hoffnungslos verstopfte Straßen, jedes Auto hat eine Delle. Nur dass in Indien die Autos auf der linken Seite fahren, den Engländern sei Dank. Das Essen ist sehr vielfältig, schmeckt dabei aber immer nach den typischen indischen Gewürzen. Es ist lecker, scharf und natürlich nicht nur vegetarisch: Indien besteht nicht nur aus vegetarischen Hindus, sondern vereint noch viele weitere Glaubens- und Kulturgruppen. So gibt es z.B. Märkte, wo die eigentlich heiligen Kühe geschlachtet zum Verkauf stehen. Ein Hindu würde da zwar nie hingehen, ein Moslem aber schon.

Morgen werde ich das erste Mal die Stadt als Tourist sehen: Jeden Tag der Woche sind wir um 09:30 Uhr in die Firma gefahren und erst um ca. 20:30 Uhr oder später zurückgekommen. Das wird sich nun ändern.

VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.9.11_1134]
Rating: +1 (from 1 vote)

Schwitzen in Mumbai

Sunset at Worli Sea Face
Creative Commons License photo credit: Swami Stream

Heute bin ich in Mumbai angekommen. Das schon mal vorweg, damit keine Sorgen aufkommen ;). Gestern Abend geht es in Hamburg los – dort werde ich erstmal in die Emirates Lounge eingeladen, die wirklich sehr schön, beruhigend und leer ist – zumindest an diesem Tag. Danach geht es dann in eine Boeing 777-200 gen Dubai. Auf dem Weg dorthin schaue ich den letzten Teil von Harry Potter (Harald Töpfer) und kann Euch jetzt sagen, dass sich das nicht lohnt. Danach ging es vielleicht noch für 2-3 Stunden schlafen.

In Dubai angekommen durfte ich erstmal 30 Minuten Zollkontrolle über mich ergehen lassen, da der Zoll Dubais von allen das Handgepäck geröntgt sehen wollte. Super Sache, wenn keiner das Ergebnis prüft, sprich auf einen Bildschirm guckt. Nachdem ich dieses Hindernis überwunden habe, nehme ich den Fahrstuhl zur Emirates Business Lounge, wo ich die Wartezeit verbringen möchte. Die Lounge ist leider völlig überlaufen, obwohl sie riesig ist. Wenigstens kann ich da frühstücken und kurz ins Internet.

Danach geht es in den nächsten Flieger. So jedenfalls der Plan: Zunächst steht der Bus, der uns vom Terminal zum Flugzeug (Außenposition) bringen soll im Stau – Hupen, fluchen, stop-n-go. Das erste Mal, dass ich so etwas auf einem Flughafen sehe. Wäre das jetzt die A7 vor dem Elbtunnel gewesen, ok… aber so?

Den Flug bringe ich dann auch hinter mich (das Essen bei Emirates ist übrigens gut) und komme pünktlich in Dubai an. Pass- und Zollkontrolle sind unproblematisch, das Gepäck ist schnell da und schon stehe ich vor dem Geldautomaten, ziehe mir 4000 indische Rupien und gehe zum Ausgang.

Dort soll ein Fahrer mit Schild auf mich warten. Als ich rausgehe, schaue ich mich um, gehe zwei Runden über den Platz, sehe aber niemanden, der ein Namensschild mit meinem Namen hochhält. Keiner da? Optimistisch bleiben, sage ich mir, und setze mich erstmal hin, räume meinen Rucksack aus, suche die Kontaktinformationen des Fahrers heraus und als ich den Kopf hebe, steht ein neuer Fahrer hinter der Absperrung. Und er hat ein Schild! Und es trägt meinen Namen…

Also holt er kurz das Auto, und dann fahren wir durch Mumbai. Eigentlich unspektakulär, wenn man Bogotá oder Shanghai kennt. Es gibt sogar Anschnallgurte (in Kolumbien findet man sowas NIE). Also fahren wir ein bisschen durch die Stadt, ich mache Photos aus dem Auto heraus und zwischendurch wird lustig gehupt. Auf einmal bremst jedoch die indische Dame im Wagen vor uns so stark ab, dass wir mal kurz auffahren. Großes Geschrei von beiden Seiten und nach 1 Minute geht es weiter. Sind ja nur Kratzer, oder so…

Im Hotel beziehe ich dann das Zimmer, hinterlasse eine Nachricht für die Kollegen und mach mich erstmal frisch, streuner durchs Hotel, schau mir den Pool an und mache ein paar Photos vom Indischen Ozean beim Sonnenuntergang, auf den mein Zimmer Ausblick hat. Die Fischerboote fahren auch zurück in die Stadt und es scheint so langsam Feierabend einzusetzen. Auch wenn draußen eine Pferdekutsche steht und man ununterbrochen Autos hupen hört.

Und gleich geht es zum Abendessen raus in die Stadt.

VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 0 (from 0 votes)
←Older