Wild wild internet

13 April 2013 von Bastian Keine Kommentare »

Interessant: Auch diese Internetseite wird von einem Botnetz angegriffen, das versucht WordPress Installationen zu übernehmen. Gegenmaßnahmen sind eingeleitet ;). Mehr Infos:

http://blog.cloudflare.com/patching-the-internet-fixing-the-wordpress-br

Hitzeschock. Curryschock. Tempelschock. Bangkok

31 Oktober 2012 von Bastian Keine Kommentare »

27.10.2012 – 29.10.2012
Es ist 19:50 Uhr. Nach ca. 24 Stunden Reisedauer kommen wir am Flughafen Bangkok an. Wir haben schon eine zur Einstimmung auf Thailand am Hamburger Flughafen gegessene super-leckere und scharfe Thai-Kokos-Curry-Suppe mit Hühnerfleisch intus, 10 Stunden Halbschlaf auf dem Dubaier Flughafen hinter uns und tingeln nun am Flughafen Bangkok der Masse nach in Richtung Passkontrolle. Dort angekommen stellen wir uns pflichtbewusst an und warten. Als wir dann endlich dran sind kommt auch prompt ein Grenzbeamter zu Nathaly und führt sie vom Schalter weg – sie soll noch mal zurück gehen, aufgrund Ihrer südamerikanischen Herkunft muss sie nachweisen, dass sie eine Gelbfieber Impfung hat. Nachdem der Arzt den Stempel ohne Blick in den Impfpass setzt, kehren wir zurück, nur um eine Brasilianerin und einen Franzosen mit der gleichen Konstellation zu treffen: Sie muss die Gelbfieber Impfung nachweisen, er nicht. Sie hat zwar keine, kommt aber trotzdem nach 10 min. zurück – das ganze wird vom Arzt wohl nicht so ernst genommen. Danach geht es noch durch die Passkontrolle und dann suchen wir den Zug Richtung Innenstadt.
Zusammen mit der Brasilianerin (Luiza) und dem Franzosen (Yves) nehmen wir den Zug (45 Baht pro Person), dann ein Taxi (61 Baht zusammen) und kommen gegen 22 Uhr beim Hostel an. Wir vereinbaren, uns um 23 Uhr zum Abendessen zu treffen und gehen erstmal duschen.
Das Hostel ist eines der günstigsten in Bangkok, mit etwas mehr als €5,20 die Nacht pro Person (300 Baht). Dies zeigt sich aber auch darin, dass alles sehr einfach scheint, die Duschen nur kaltes Wasser haben und praktisch keine Gemeinschaftsbereiche zur Verfügung stehen. Dementsprechend leer ist das ganze trotz des Preises und der sehr guten Lage. Das kalte Wasser macht bei gefühlten 45°C im Bad nichts aus, wären es unter 30°C wäre das schon was anderes…
Um 23:15 Uhr treffen wir uns dann mit den beiden, am Flughafen kennengelernten und suchen uns erstmal was zu essen: ein Thai Curry, das aber irgendwie sehr touristisch schmeckt. Für 2 € Kosten ist uns das aber egal. Wir schauen uns noch ein wenig das Treiben in der heutzutage zum Touristenviertel degradierten Bangkoker Altstadt an, trinken noch einen Long Island Ice Tea (, der seinem Namen nicht gerecht wird) und gehen nach einem langen Tag gegen 2 Uhr morgens ins Bett. Dank des anstrengenden Tages schlafe ich sofort.
Am nächsten Tag schlafen wir lange und machen uns dann mittags auf den Weg, ein paar Sehenswürdigkeiten zu sehen: Zunächst wandern wir ein wenig umher, dann nehmen
wir für 20 Baht ein Tuc-Tuc, dessen Fahrer uns verspricht, uns die Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Wir weisen aufgrund des Preises darauf hin, dass wir durchaus das “Geschäftsmodell” kennen, das damit verfolgt wird und dass wir auf keinen Fall eine Shopping-Tour dulden würden, bei der der Fahrer eine Kommission für besuchte Shops und gekaufte Waren erhält. Der Chef beschwichtigt, führt uns zum Tuc-Tuc und los gehts:
Rasant um die Kurven im ungewohnten Links-Verkehr zum ersten Tempel. Der Fahrer wartet draußen, danach geht’s weiter zu einer meterhohen Buddha-Statue und dann zu einem Reisebüro – dort will man uns aber lediglich überteuerte Reisen verkaufen woraufhin wir wieder zurück zum Tuc-Tuc gehen. Dort ist aber unser Fahrer nicht aufzutreiben – wie uns ein alter Mann erklärt, musste er mal kurz um die Ecke zu einem Metallwarenladen, um eine Schraube in seinem Tuc-Tuc zu ersetzen. Kurz darauf kommt unser vielleicht 19 jährige Fahrer zurück, schraub kurz an seinem Gefährt rum und dann geht es weiter – zum T.A.T., dem offiziellen Touristenbüro der Regierung. Wahrscheinlich war es dann aber doch ein anderes, als ich dort nämlich im Nebensatz fallen lasse, dass ich lediglich für Informationen da bin, und in keinem Fall etwas kaufen würde werde ich sehr schnell links liegen gelassen und verabschiedet. Zurück beim Fahrer möchte er uns zu einer Shopping-Tour “einladen”. Wir aber schon im Vorwege seinem Chef, lehnen wir entschieden und vehement ab, er versucht es noch ein paar Mal mit “… nur 5 Minuten”, aber wir sagen kategorisch nein und weigern uns auch aus dem Tuc-Tuc auszusteigen. So geschlagen fährt uns der Fahrer noch zum königlichen Palast und Tempel der in einer ganz anderen Liga spielt als die vorherig gesehenen Dinge. Aber für 20 Baht hatten wir eine interessante Stunde Sightseeing im Tuc-Tuc – sicherlich was anderes als gewohnt.
Der Eintritt zum königlichen Palast muss sich teuer erkauft werden: Natha muss sich einen langen Rock mieten, und dann kostet der Eintritt oben drauf noch 10 € pro Person. Als wir aber reingehen sind wir beeindruckt: Der Tempel des “Emerald Buddha” und der Palast sind wunderschön, viel kreative, bunte, goldene Thai-Architektur mit nach innen kurvenden Spitzdächern, golden lackierten Pagoden, mystische Seeschlangen und übergroße hölzerne Torwächter bewachen Eingänge und mitten drin treffen wir Luiza und Yves, die gerade erschöpft in einem klimatisierten Raum der Bruthitze Bangkoks entgehen wollen. Bei 34°C im Schatten, schwül-heißer Luft mit Smog ist es in der Sonne tatsächlich unerträglich und Schlafen ohne Klimaanlage undenkbar.
Wir kaufen uns noch einen Eistee, Café Frappé und was zu knabbern und suchen uns dann ein Restaurant zum Essen aus, gehen die Khao Sang Road rauf und runter und schauen uns die Menschenmassen und Verkaufsstände an, die dicht an dicht stehen – leckere Spieße neben knusprigen Skorpionen und Maden, gefälschte Markenkleidung in bester Qualität, Sonnenbrillen, Souvenirs, Fußmassage, man bekommt dort alles.
Abends fahren die beiden anderen dann in den Norden nach Chiang Mai, wo wir am nächsten Tag auch hinfahren wollen.
Gesagt getan, am nächsten Tag frühstücken wir und fahren dann zum Busterminal. Die Fahrt dahin ist ein einziger Beschiss – der Fahrer kennt entweder den Weg nicht oder fährt extra Umwege. Am Ende sind wir jedenfalls beide sauer, er bekommt sein Geld und wir sind am Terminal. Dort suchen wir uns eine Verkaufsbox für Sukothai – leider fährt aber kein Bus mehr nach Sukothai ab, so dass wir uns für das nördlich gelegene Chiang Mai entscheiden, den Bus um 16:30 Uhr nehmen, wohl wissend, dass wir erst spät in der Nacht ankommen werden…

Tag des Tränengases

2 Mai 2012 von Bastian Keine Kommentare »

In der Ferne sieht man graue Regenwolken, die Regenschirmverkäufer machen sich in der Hauptstadt Kolumbiens bereit, um die alltäglichen Regenschauer zu nutzen und im Zentrum Bogotás massieren sich Polizisten des Bataillons zur Auflösung von gewaltsamen Protesten.

Es ist der 1. Mai in der 8-Millionen Metropole und traditionell bedeutet dies Aufbegehren der politischen Linken und der Armen gegen die herrschende politische, oftmals korrupten, Klasse Kolumbiens. An fast jeder Wand eines Großunternehmens, einer Bank, eines Ministeriums prangen revolutionistische Graffitis, in der Nacht angesprüht. Viele Geschäfte haben ihre Rolladen runtergelassen oder ihre Scheiben mit Holzplanken gegen Randale geschützt. Gespannte Ruhe in der Stadt, es scheint, als ob die Stadt den Atem anhält. Im Zentrum fahren Motorradpatrouillen von 10-15 Motorrädern, jeweils ein Fahrer und ein Polizist im gepanzerten Kampfanzug durch die Straßen, an jeder Ecke stehen Gruppen von mindestens 5 Polizisten und die Carrera 7, eine der Lebensadern der Stadt wird von Hunderten Polizisten, links und rechts gesäumt – für hunderte von Metern gibt es keine Lücke zwischen den dort positionierten Eingreiftruppen.

So zeigt sich Bogotá Nathaly und mir, als wir im Zentrum ankommen, um ein paar Besorgungen zu tätigen und zu essen. Zunächst wird uns von der Polizei mit Hinweis auf Ausschreitungen verweigert, den Plaza Bolívar zu betreten, der Platz, wo sich Präsidentenpalast, Parlament und Justizpalast befinden. Wir wollen eigentlich nur einen Hut kaufen, ein wenig entfernt vom touristischen Nepp, doch dafür müssen wir diese Orte passieren. Angekommen am Hutverkauf eröffnet uns der Verkäufer, dass wir mindestens 12 Hüte kaufen müssten – er verkaufe nur an Großkunden. Unser Argument, dass wir hier vor wenigen Tagen einen einzelnen Hut (den jetzt Kevin hat) gekauft haben, lässt er nur unbeeindruckt abperlen und wendet sich gelangweilt seinen Gedanken zu.

Auf dem Rückweg sehen wir allerorten massive Polizeipräsenz, und als wir am Goldmuseum ankommen, um wieder nach Chapinero, etwas weiter im Norden von Bogotá, zurückzukehren, fängt plötzlich der auf der Straße stationierte Wasserwerfer an, eine rennende Gruppe von Demonstranten mit Wasser zu beschießen. Parallel hört man ein Ploppen, und in etwa 5 Meter Höhe sehen wir Tränengasgranaten auf ihren Flugbahnen in Richtung der Gruppe niedergehen. Die Menge ist in Bewegung und nach wenigen Minuten ist die Aufregung, nur ca. 20m von uns entfernt, wieder vorbei und es herrscht wieder ein wenig Ruhe.

Als wir später, über diverse Umwege in Chapinero ankommen, lesen wir, dass die Proteste die schwächsten der letzten Jahre waren.

An der Karibikküste entlang

29 April 2012 von Bastian Keine Kommentare »

Nach der Enttäuschung von Santa Marta packe ich meine Sachen im Hotel Miramar weil wir die Stadt schnell verlassen möchten. Hotel Miramar ist ein uraltes Loch von Hotel, sehr schäbig wirkend mit freundlichem Personal und eigentlich ganz witzig, wenn man sich dran gewöhnt hat. Die Dusche ist ein Metallrohr, aus dem kaltes, vom Klima leicht angewärmtes Wasser kommt. Kevin bleibt noch da, als Nathaly und ich einen Bus nach Palomino nehmen, wo wir unser Gepäck gelassen haben – für das Wochenende haben wir nur ein paar Sachen eingepackt und sind leicht gereist.

Der Bus nach Palomino dauert diesmal nur 1,5 Stunden, und, da wir nur leichtes Gepäck dabei haben, nehmen wir den Fußweg zum Strand. Wehmütig passieren wir das mir angebotene Grundstück, treffen kurz “Kurt”, den Verkäufer, ohne viele Worte mit ihm zu wechseln. Er ist gut gelaunt und zuversichtlich, die Dokumente bald zu haben. Durch den weißen Sand trotten wir müde zur Finca Escondida, wo wir kurz unsere Bekannten begrüßen, dann aber schnell die Sachen einsammeln und bei absoluter Dunkelheit (ein weiterer Stromausfall, diesmal aber schon seit dem Vortag anhaltend) umpacken. Wir lassen uns von Niamh drei Motorräder bestellen, die uns und unser Gepäck zum Dorf bringen – bei Regen, wieder einmal durch Schlamm und holprige, Schlagloch gespickte Wege. Wer noch nie bei solchen Bedingungen hinten auf einem Motorrad gesessen hat, kann sich nicht vorstellen, welche Endzeitszenarien einem dabei durch den Kopf gehen.

Am Troncal de Caribe, der Verbindungsstraße der karibischen Städte Santa Marta und Riohacha, angekommen lassen uns die Jungs, die uns auf ihren Bikes mitgenommen haben, zurück. In der Dunkelheit und im Regen sehen wir nur eine leere Straße zur linken und die die Straße säumenden Geschäfte des Dorfes zur Rechten.

Als in der Ferne Scheinwerfer auftauchen, die in Richtung Santa Marta fahren, trete ich auf die Straße und es ist tatsächlich ein Bus, den ich an heranwinke. Als er hält, fragen wir, ob er nach Santa Marta fahre und tatsächlich haben wir Glück. Oder auch nicht.

Der Bus ist uralt, es sitzen zwei Passagiere drin sowie zwei Fahrer. Der Fernseher ist eingeschaltet und gespeist aus einem DVD Player dröhnt er laut und zeigt Musikvideos von Vallenato-Legenden. Vallenato ist die an der Küste meistgehörte Musik, sehr Akkordeon-lastig und nicht so wirklich mein Fall. Aber man gewöhnt sich dann doch dran. Bei jeder Unebenheit auf der Straße setzt das Video kurz aus, der Kassierer eilt schnell zum DVD Player, um das Video weiterlaufen zu lassen.

Eine halbe Stunde später kommen wir am letzten Dorf einer riesigen Bananenplantage vorbei. Da der Motor des Buses schon stottert, wird mittels mehrerer, in einem Laden gekaufter Kanister Diesel der Tank notdürftig aufgefüllt. Erst springt der Motor nicht an, der Bus stottert und huckelt ein zwei Meter voran und kommt wieder zum Stehen. Als Fahrer und Kassierer endlich den Bus wieder am Laufen haben, ist eine halbe Stunde vergangen.

2 Stunden später kommen wir in Mamatoca, am Ostrand von Santa Marta an. Von dort nehmen wir ein Taxi, dessen Fahrer noch versucht, uns ein anderes Hotel/Hostel aufzuschwatzen, uns dann aber im Miramar absetzt, wo Kevin erstaunt feststellt, dass wir schon wieder da sind.

Wir unterhalten uns noch und beschließen spontan, morgen nach Cartagena zu fahren – meine Erfahrungen dort waren bisher nicht so toll, aber ich habe schon Lust, noch mal hinzufahren. Insofern reservieren über Hostelbookers eine Unterkunft, El Viajero, die direkt innerhalb der Altstadt ist.

Am nächsten Morgen holt uns dann luxuriöserweise ein Bus direkt am Hostel ab, mit dem es Non-Stop Richtung Cartagena geht. Mitten auf der Strecke haben wir fast einen Autounfall, als ein Kleinwagen ohne Blinker, Geschwindigkeit und ohne zu gucken direkt vor uns ausschert. Glücklicherweise ist die rechte Fahrbahn frei, so dass wir gerade noch mit Bremsen in sicheres Fahrwasser gelangen.

In Cartagena lässt uns der Busfahrer an einer Ecke raus, ohne uns – wie versprochen – zum El Viajero zu fahren. Nach einigen Irren durch die Altstadt von Cartagena kommen wir schließlich im Hostel an, wo uns ein Typ an der Rezeption doch tatsächlich weismachen möchte, dass der Betrag, den Hostelbookers ausweist nicht korrekt sei und wir mehr zahlen sollen. Nach einigen Diskussionen stimmt uns seine Kollegin, eine Katalonin aus Barcelona zu, und wir bekommen unsere Betten zum gebuchten Preis. Sauteuer, aber super gelegen und sehr sauber und schön. Wahrscheinlich das schönste Hostel, dass ich bisher in Kolumbien gesehen habe.

Währenddessen läuft das Fußballspiel Chelsea gegen Barcelona und als Chelsea gewinnt, sind überall nur lange Gesichter. Es scheint, keiner mag Chelsea, und ich bin da auch keine Ausnahme.

Den Rest des Tages schauen wir uns noch Cartagena an, Essen etwas und trinken abends noch ein paar Cocktails, während wir im kolumbianischen Fernsehen “Colombia tiene Talento”, das kolumbianische Pendant zu “Das Supertalent” schauen.

Cartagena ist die unbestrittene Tourismus-Hauptstadt Kolumbiens und der Stolz Kolumbiens. Die aus Kolonialzeiten stammenden Befestigungsanlagen, wie zum Beispiel das Fort San Felipe, wurden nach Plünderung der Stadt durch Sir Francis Drake errichtet und sind Zeugnis der Vergangenheit Kolumbiens als Kolonie der Spanischen Krone. Im Hafen halten Kreuzfahrtschiffe, und vor wenigen Tagen fand hier der Amerika-Gipfel der Nord-, Zentral- und Südamerikanischen Länder statt – wie auch in den Zeitungen insbesondere durch einen Prostituierten-Skandal des Secret Service breitgetreten. Die alten kolonialen Herrenhäuser sind wunderschön, in vielerlei Farben angemalt und ihre herrschaftlichen Balkone schauen auf die engen Straßen, wo sich Einheimische, Touristen, Eselkarren, Pferdekutschen und Taxen tummeln.

Am nächsten Tag bleiben wir noch kurz in Cartagena, frühstücken und schauen uns dann das Champions League Spiel Real Madrid gegen Bayern München an und fahren dann weiter zum Busbahnhof, um dort einen Bus nach Bucaramanga zu nehmen. Bei der Fahrt zum Terminal passieren wir nach Verlassen der historischen Altstadt auch ärmste Viertel von Cartagena, bis wir nach ca. 25 Minuten am Terminal ankommen. Der 12 Stunden Nachtbus nach Bucaramanga fährt schon 10 Minuten nach Ankunft und wir ergattern einen Super-Preis von 70.000 COP pro Person. Kevin fährt zurück nach Santa Marta, da sein Rückflug nach Deutschland ihn erwartet.

Das kalte Erwachen am Traumstrand

29 April 2012 von Bastian Keine Kommentare »

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16.04.2012 – 24.04.2012

Nach Ankunft in Bogotá am 15.04.2012 mit sofortiger kräftiger Feier im Colombian Pub im Ausgehviertel Galerias nutzen wir den nächsten Tag zum Erholen und um ein paar Besorgungen zu tätigen: Wir wollen eine Sim-Karte für mobiles Internet kaufen, Freunde besuchen, bei der Bank vorbei und ähnliches.

Am Kompliziertesten gestaltet sich, eine Sim-Karte für mein iPad zu bekommen: Bei Comcel wissen die Mitarbeiter zunächst überhaupt nicht, ob es das im Rahmen von PrePaid gibt, wieviel das kostet und wie immer sind sie fest davon überzeugt, dass jedes Telefon bzw. iPad ein Sim-Lock hat und somit nur mit einem Netzbetreiber nutzbar ist. Nachdem wir die ersten Hürden der Tarifoptionen überstanden haben, fragt der Angestellte nach dem iPad, dass ich natürlich nicht dabei habe, da mir dafür die Straßen von Bogotá doch ein wenig unsicher sind. Nach längerem hin- und her stellt sich heraus, dass er die eindeutige Nummer der Mobilfunkeinheit, die IMEI haben will. Also machen wir uns auf den Rückweg zur Wohnung und rufen auf dem Weg bei Dennys und Claudia an – einer von denen muss uns ja die Tür auf machen… Nachdem ich alle möglichen Nummern aufgeschrieben habe, laufen wir im strömenden Regen von Bogotá, mit wagnerschem Donner als Soundtrack begleitet, zurück zum Centro de Atención al Cliente de COMCEL. Dort erklären wir dem nächsten Mitarbeiter, was wir wollen, und nach ca. 30 Minuten sind wir dann tatsächlich im Besitz einer Micro-Sim von COMCEL, die für die erste 30 Tage sogar kostenlos 3 GB Datenverkehr mitbringt.

Später besuchen wir dann noch William und seine Frau in der Firma, in der Nathaly früher gearbeitet hat, die uns nochmal die Kaufprozesse von Immobilien im Detail erklären – als Teil Ihrer Firma nehmen Sie viele Immobilien An- und Verkäufe vor. Wir machen mit ihnen ab, dass sie die Papiere, die wir ihnen später schicken werden prüfen und machen uns sodann auf dem Weg zum Flughafen El Dorado, der schon bald in neuer Pracht erstrahlen wird, da derzeitig ein neues, hochmodernes Terminal gebaut wird, das schon jetzt einladend und von außen weit fortgeschritten wirkt. Der alte El Dorado Flughafen ist hingegen eher eine Ursache für weitverbreiteten Augenkrebs…

Eigentlicher Anlass für den Aufenthalt in Kolumbien ist ja der Kauf eines Grundstücks in direkter Strandnähe. So ein Grundstück hatte Nathaly in der Nähe von Santa Marta gefunden, womit das Ziel des Fluges auch feststand: Santa Marta.

Santa Marta ist der wohl entspannteste und am schönsten angelegte Flughafen, den ich bisher gesehen habe: Der Flughafen hat fast keine geschlossenen Räume, eine Terrasse mit Blick auf die Karibik und ist klein und gemütlich, direkt am Strand gelegen. So hat man dann auch beim Anflug in Santa Marta das Gefühl, im Meer zu landen, da die Landebahn direkt an das Meer angrenzt und man über das Meer anfliegt.

Das hat auch den Vorteil, dass man jedes anfliegende Flugzeug von der Terrasse sehen kann. Da wir spontan mit Kevin, einem Freund aus Leipzig, der zufällig auch gerade in Kolumbien war, abgemacht hatten, dass wir uns in Santa Marta auf dem Flughafen treffen begeben sich Nathaly und ich somit auf die Terrasse des Flughafens, essen ein sehr gutes Champignon-Schnitzel, fotographieren die Karibikküste und trinken ein kühles Colombian Club, das nach eigenen Angaben beste Bier Kolumbiens.

Als Kevin dann ca. 1 Stunde später eintrifft machen wir uns langsam fertig, als wir seinen Avianca Flieger reinkommen sehen und nehmen zunächst ein Taxi nach Mamatoco, das Richtung Riohacha gelegene Bus-Mini-Terminal. Dort angekommen, werden wir direkt nach dem Aussteigen von mehreren Kolumbianern bedrängt, wo wir hin wollten. 2 Minuten später sitzen wir im Bus nach Palomino, leicht gestresst von der Hektik und wundern uns, warum der Bus nicht losfährt. Die Antwort bekommen wir von einem Mitreisenden: Der Bus fährt erst los, wenn alle Plätze besetzt sind. Die ganze Hektik also umsonst

Nach etwa 5 nervösen Rückfragen von Kevin, ob sein Gepäck auch sicher sei, setzt sich der Bus in Bewegung. Leider ist es auch schon dunkel und kurze Zeit später fängt es stark an zu regnen. Der Bus wird immer langsamer und statt nach 1,5 h Fahrt erreichen wir Palomino erst 2,5 h nach Abfahrt.

Palomino ist ein kleines Dorf und die Landstraße, die durch das Dorf führt das Epizentrum des Ortes. Ehemals Hauptquartier der Paramilitärs ist es inzwischen durch Einschreiten des kolumbianischen Militärs komplett befriedet und die Paramilitärs wieder in die Gesellschaft eingegliedert oder in die Höhen der Sierra Nevada de Santa Marta vertrieben.

Dort ausgestiegen, bestellen wir erstmal ein kleines Abendessen bei einem Restaurant um die Ecke und setzen uns unter das Restaurantdach, auf das der Regen laut herunterprasselt. Bei dem Regen möchten wir natürlich nicht zu Fuß zur Finca Escondida gehen, die 15min von dder Hauptstraße entfernt direkt am Strand gelegen ist. Nach langem Verhandeln erwischen wir zu einem Wucherpreis von 10.000 COP ein Privat-Auto samt Fahrer, der unser Gepäck einlädt und dann auf einen kleinen Sandweg einbiegt. Der Weg ist durch den Regen aufgeweicht und schlammig, mit Schlaglöchern übersäht führt an bescheidenen Häusern vorbei, bis nach einer Kurve in 200m Entfernung eine Finca auftaucht.

Als wir aussteigen, hören wir im Hintergrund das Rauschen der Meeres und sehen vereinzelt Schaumkronen in der Dunkelheit. Wir passieren die Finca und sind an einem einsamen Traumstrand. Ein paar Meter weitergegangen sehen wir Lichter – die Finca Escondida, wo wir unterkommen werden. Dort, in einem Holzpavillion unter einem Palmendach, gesäumt von Kokospalmen sitzen Touristen und ein paar Einheimische, trinken oder Essen was. Mittendrin die mit ihrem blonden Haar herausstechende Teilhaberin der Finca Escondida Mara und Nathalys Freundin Niamh (Nieve gesprochen), die uns freudig begrüßen, erstmal ein kühles Bier anbieten (wir haben immer noch um die 28 Grad) und uns befragen, wie wir es mit dem Gepäck zu so später Stunde noch zum Strand geschafft haben.

Alles wirkt sehr sauber, das Essen riecht gut und die Atmosphäre ist freundlich entspannt. Die Preise sind leider nach unserem Empfinden sehr hoch, was aber sicherlich dem geschuldet ist, dass in Palomino kein Massentourismus, sondern Eco-Tourismus angestrebt wird. Wir kommen in einem 3-Bett-Zimmer für 25.000 COP pro Person unter, und, gerade als wir unsere Sachen dorthin bringen, fällt der Strom aus.

Glücklicherweise stehen ein paar Petroleumlampen und mein Reisehandy (Neupreis ca. 30€) bereit – das Beste an dem Handy ist, dass es eine eingebaute LED-Lampe hat. Auf Reisen ist das inzwischen unverzichtbar geworden, da kommt kein Smartphone ohne eigenständige LED Leuchte mit. Nach ca. 20 Minuten ist der Strom wieder da, und kurze Zeit später gehen wir ins Bett, voller Vorfreude auf den nächsten Tag.

Wir werden vom Rauschen der Brandung geweckt, und als wir zum Strand gehen, zeigt sich uns ein traumhafter weißer Strand, auf der einen Seite Palmen, auf der anderen Seite das aufgewühlte karibische Meer, das hohe Wellen in Richtung Strand schleudert. Der Strand ist menschenleer, nur in der Ferne sieht man Fischerboote gegen die Wellen kämpfen und Kogi in weißer Kleidung den Strand herunterwandern. Die Kogi sind die indigene Urbevölkerung der Sierra Nevada de Santa Marta und der Küstenregion, die wahrscheinlich durch die Unzugänglichkeit der höchsten Berge Kolumbiens der Ausrottung durch die spanischen Konquistadoren entgangen sind.

Am morgen, beim Frühstück unterhalte ich mich mit Mara, über mein Ziel, Land zu kaufen und sie erzählt, wie sie ihre Finca erstanden hat. Später suchen wir den in Palomino ansässigen Großgrundbesitzer auf – ein einfacher Mann, der mit seinem Esel den Strand runtergelaufen kommt und dessen Frau wie das Land heißt. Wie er uns später erzählt besitzt er hunderte von Hektaren an Land an der Küste, allein in Palomino im zweistelligen Bereich.

Er ist sicherlich mindestens 73 Jahre alt, und leider ist es fast unmöglich, seinen Wortschwall zu unterbrechen: Springend, von einem Thema zum anderen erzählt er uns über seine letzten Verkäufe, ohne auf unser Interesse, dem Kauf eines eigenen Stückes Landes einzugehen. Nach einer halben Stunde zeigt er uns ein schönes, 3000m2 großes Grundstück, das noch zum Verkauf steht. Das ursprünglich avisierte Grundstück hat er bereits verkauft, zum doppelten des Preises von vor zwei Monaten, der Nathaly genannt worden war. Wir verhandeln mit ihm einen Preis und bitten ihn um die Informationen, mittels derer wir die Rechtmäßigkeit seines Besitzes überprüfen wollen.

In Kolumbien läuft die Prüfung der Besitzverhältnisse folgendermaßen ab:

- Prüfung des Eigentümers eines Grundstückes mittels des “Certificado de Libertad y Tradición”, welches dem Grundbucheintrag entspricht. Hierfür sind wir nach Riohacha zum “Registro de los instrumentos publicos” gefahren.

- Prüfung der “Escritura”, der Beschreibung des Grundstücks mit seinen Grenzen. Hierfür besuchten wir die Notaria in Riohacha und ließen uns eine Kopie ausstellen.

Leider stellte sich heraus, dass der Mann, nennen wir ihn Kurt, zwar Besitzer von 37 Hektaren Land ist, das angebotene Stück Land aber nicht spezifiziert war – mit seinen Grenzmarkierungen, Nachbarn nach Norden, Süden, Westen, Osten usw.

Am folgenden Tag machen wir ab, dass wir mit ihm ein Kauf-/Verkaufsversprechen vertraglich am kommenden Montag in Santa Marta abschließen würden. Er solle lediglich die exakte Beschreibung der Grundstücksgrenzen mitbringen, wir würden den Vertrag zusteuern.

Einen Mustervertrag hatte ich bereits in Deutschland im Internet gesucht und gefunden (metrocuadrado.com ist eine super Informationsquelle) und verbringe somit das Wochenende in Santa Marta – neben einigem Feiern und Ausgehen ;) – mit der Anpassung des Vertrages. Lediglich die Grundstücksgrenzen und -beschreibung müssten ergänzt werden.

Als wir uns dann Montags treffen weicht unser Enthusiasmus der Realität: Kurt zeigt uns ein DIN A6 Karopapier mit einem gezeichneten Quadrat, wo lediglich ein paar Meterangaben und Namen stehen. Damit ist eine Identifikation des Grundstücks nicht möglich. Somit bitten wir Kurt, die genauen Beschreibungen von der Planungsbehörde in Dibulla inkl. des Certificado de Urbanización einzuholen und es soll angeblich am folgenden Donnerstag da sein.

Später, als wir noch durchrechnen, wie lange der Banktransfer brauchen würde, rufen wir bei Kurt an und sagen ihm, dass die Zeit nicht reicht. Jetzt hoffen wir, dass er seine Unterlagen vernünftig zusammenbekommen, uns per E-Mail zur Verfügung stellen kann und wir vielleicht in ein paar Monaten zu einem Abschluss kommen können. Für jetzt ist der Traum eines Grundstücks, 300m vom Strand entfernt, erstmal geplatzt.

Zurück in Kolumbien

19 April 2012 von Bastian Keine Kommentare »

14.04.2012

Es ist 4:30 Uhr als der künstliche Hahnenschrei meines Reisehandys, am Vorabend aufgeladen und eingestellt, mich aus dem Halbschlaf reißt. Trotz vieler Arbeitsstunden in der Woche zuvor und Koffer packen bis 0:30 Uhr hat sich der Schlaf einfach nicht vorbeigetraut: Vorfreude auf den Urlaub und Nervosität ob der laufenden Projekte in der Firma haben ihn vergrault.

Nachdem die letzten Sachen eingepackt und wir fertig sind, klingelt es auch schon an der Tür: Das Taxi ist da und bringt uns rechtzeitig zu unserem 7:10 Uhr Flug zum Flughafen. Die Verbindung, die wir diesmal fliegen ist uns beiden neu: Von Hamburg über Paris nach Bogotá mit Air France. Bereits beim Online-Checkin hatte Air France seinem Ruf alle Ehre gemacht, und die Webseiten nicht auf Deutsch oder Englisch, sondern auf Französisch dargestellt. Da hat sich das 7-8 jährige, fast erfolglose Französischlernen in der Schule doch wieder gelohnt.

In Vergleich zu vielen anderen Flughäfen, die ich gesehen habe, wirkt Paris Charles-de-Gaulle sehr betonlastig und grau. Außerdem ist er riesig, und als wir leicht verspätet ankommen, bleibt auch nicht mehr viel Zeit, um das Terminal für außereuropäische Flüge zu erreichen. Kurz nachdem wir ankommen, beginnt das Boarding.

Leider heben wir trotzdem um mehr als eine Stunde verspätet in einem schon etwas angestaubtem Airbus A340-300 ab. Lufthansa setzt auf der Strecke Frankfurt – Bogotá bzw. Caracas – Bogotá bereits A340-600 ein, und der Unterschied ist deutlich sichtbar an den Bildschirmen für die Bordunterhaltung, den Platzverhältnissen und nicht zuletzt an den Sitzen.

Für das Kabinenpersonal fängt jetzt der Stress an: Vor mir sitzt eine Kolumbianerin, deren Sitz sich leider nicht feststellen lässt, er neigt sich also immer in meine Richtung. Ein Achselzucken des Stewards mit der Aussage, dass man da nichts tun könne löst das Problem zumindest aus Sicht von Air France. Eine deutsche Frau drängelt sich als nächstes zum Steward vor und beschwert sich: der vom Bodenpersonal versprochene Fensterplatz ist kein Fensterplatz. Ob noch Platz im Flieger sei, um sich umzusetzen. Nachdem von Deutsch zu gebrochenem Englisch gewechselt wird, liegt auch hier die Lösung auf der Hand – das Flugzeug sei voll, aber sie könne ja mit anderen Passagieren sprechen, ob diese tauschen wollten.

Der Flug ist ruhig mit gelegentlichen Turbulenzen über Venezuela und Kolumbien, das Bordprogramm spult, nach meiner Wahl, erst Sherlock Holmes 2, dann Tim & Struppi ab, das Essen ist recht gut und dann sind wir nach einer gefühlten Ewigkeit in Bogotá: Immer noch eine Stunde verspätet, aber am Flughafen wartet schon ein Freund von Natha, der uns abholt.

Wie so oft in Lateinamerika ist ansonsten noch nichts organisiert: Unsere lose angedachte Unterkunft klappt nicht, da der Freund am Arbeiten und nicht verfügbar ist. Also fahren wir erstmal in die Firma unseres Abholers, trinken mit ihm und einem (auch mir) Bekanntem 1-2 Bierchen im Laden um die Ecke und fahren dann ganz woanders zum Übernachten hin: Zu Eli und Claudia, die in einer 4 Personen WG im Stadtteil Chapinero wohnen.

Claudia erwartet uns schon an der Tür und verkündet uns lautstark, dass wir ja dann alle heute Nacht ordentlich feiern würden, sie hätte ja alles schon in die Wege geleitet. Wir überreichen ein paar kleine Gastgeschenke aus Deutschland und dann zeigt uns Claudia, wo wir übernachten werden, auch wenn das eigentlich nicht erlaubt ist: Die Vermieterin hat Gastübernachtungen, insbesondere von Männern untersagt.

Nachdem wir uns kurz unterhalten haben, gehen wir noch einkaufen, ein gebratenes Hähnchen essen und meine Telefonnummer organisieren. Internet über Mobilnetz folgt heute.

Während ich mich, vom mit dem Besenstiel an die Decke klopfendem Lärm der verrückten Nachbarin begleitet, ins Bett lege, um ein paar Stunden zu schlafen, tauschen Natha und ihre Freundinnen die letzten Neuigkeiten aus.

Später, gegen 23 Uhr – in Deutschland ist es jetzt 5 Uhr morgens – werde ich geweckt und wir machen uns auf den Weg zu einer Partymeile Bogotás: Galerías. Dort schauen wir uns ein paar Discos und Pubs an und landen schließlich im Colombian Club, wo wir zu sechst durchhalten, bis der Club schließt.

Während Alexis und ich ins Bett gehen, lassen die 3 Mädels den morgen in einem Jacuzzi ausklingen. Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass Claudia ihr Handy verloren bzw. es geklaut wurde und den ganzen Tag regnet es mit starken Gewittern, so dass wir den größten Teil des Tages drinnen verbringen: Nur zum Essen und abends, um Freunde kurz zu treffen, verlassen wir die Wohnung, wo wir nach wie vor “illegal” wohnen.

Abwarten und Tee trinken

2 Dezember 2011 von Bastian Keine Kommentare »

Munnar - Top Station
Creative Commons License photo credit: kcbimal

Am 28.11.2011 machen wir uns auf den Weg nach Munnar. Rony faehrt, Rocio liegt hinten auf der Rueckbank und schlaeft und ich verfolge die Route und Strecke auf meinem Telefon per GPS. Nachdem wir Gewuerze in Periyar gekauft haben, geht es gegen 19 Uhr los, auf engen, dunklen, unbeleuchteten engen Gebirgspaessen, oftmals nur Sand unter und ein Abhang neben uns, fahren wir mit durchschnittlich 25 km/h gen Munnar.

Wir brauchen – im Gegensatz zur Angabe im Routenplaner von Google – sage und schreibe 4 Stunden fuer die 104 km und sind hinterher heilfroh, angekommen zu sein. Unsere Unterkunft heisst Green Wood Cottage und ist ein kleines Haus am Hang eines Berges, ca. 13 km ausserhalb von Munnar. Das eigentlich reservierte Hostel hat uns zu seiner Zweigstelle im Gruenen geschickt, weil direkt in Munnar kein Platz mehr war. Ausser zwei Touristinnen aus Daenemark bzw. England sind wir die einzigen Gaeste auf dem Berg, lediglich der Verwalter ist noch da.

Am naechsten Morgen stehen wir gegen 9 Uhr auf, fruehstuecken mit den anderen und machen uns dann auf die Suche nach Rony. Der erzaehlt uns, dass wie in Munnar die Strassen blockiert sind, er aber versuchen koenne, und zum Spicegarden zu bringen. Wir stimmen zu, und 3 Minuten spaeter haelt unser kleiner Tata – ein Auto kann man es kaum nennen – vor dem Spicegarden.

Der Spicegarden ist eine Mischung aus Zoo und botanischer Ausstellung: Neben zwei Elefanten und einem Kamel ist auch noch ein Pferd da auf dem man reiten kann, so man denn will. Ausserdem gibt es noch zwei Baumhaeuser und viele Gewuerzpflanzen und Baeume, die mit Aufstellern ausgestattet sind, so dass man auch weiss, welches Gewuerz gerade vor einem waechst. Im grossen und ganzen ist das ganze jedenfalls unspektakulaer und nach einer halben Stunde sind wir wieder draussen.

Rony guckt uns verbluefft an, dass wir so schnell sind, kann uns aber nirgendwo sonst hinbringen. Daher machen wir uns zu Fuss auf, Teeplantagen zu sehen – wir muessen lediglich der Strasse nach Munnar folgen. Der Plan ist, die 13 km zu wandern, und sich dann abends von Rony abholen zu lassen, da der Streik ja um 18 Uhr vorbei ist.

Nach einer Stunde wandern sehen wir die ersten Teefelder, gruene Flickenteppiche auf den Berghaengen. Als wir weiterlaufen und Fotos machen, die Natur bewundern und uns langsam Richtung Munnar vorarbeiten haelt auf einmal ein Gelaendewagen neben uns. Das Fenster geht auf, und ein Mann fragt uns, ob er uns mitnehmen koenne – er bricht mit seinem Auto den Streik und versucht trotz der Blockaden nach Munnar durchzukommen. Wir steigen ein und sind 15 Minuten spaeter in Munnar, wo wir aussteigen – auf dem Weg haben wir genug schoene Landschaft fuer den Rueckweg gesehen…

In Munnar wird erstmal ein Tee geordert, dann ganz geheim im Restaurant Mittag gegessen – offiziell ist das ja auch wegen des Streiks geschlossen. Wir sind hingegangen, da uns ein anderer Tourist, ein Franzose, den Tipp gegeben hatte, dass es zwar zu sein, man aber, wenn man die Betreiber fragt, trotzdem etwas bekommt. Gesagt getan und kurze Zeit spaeter steht das beste Chicken Masala meiner Indien Reise auf dem Tisch – fuer unter 100 Rupien, also weniger als 1,40 EUR.

Danach machen sich Rocio und ich auf den Rueckweg: Vorbei am Wasserkraftwerk, Teeplantagen die 13km Richtung Green Wood Cottage. Und wieder haben wir Glueck – nach ca. 6 km Wanderung nimmt uns ein weiterer streikbrechender Autofahrer ein paar Kilometer mit, da er aber in eine andere Richtung muss geht es danach zu Fuss weiter.

Als wir fast am Ziel sind werden die uns schon laenger begleitenden dunklen Wolken tatsaechlich zu Regen, und wir erreichen das Hostel mit Muehe und Not bevor der Himmel die Schleusen entgueltig oeffnet und einen kleinen Ozean Richtung Boden schickt.

Zu Abend kocht der Hausverwalter fuer uns ein Kartoffelcurry und ich lasse den Abend mit einem indischen Bierchen ausklingen.

Am naechsten Tag geht es auf den Rueckweg nach Cochin, von dort mit dem Flugzeug nach Mumbai und von dort mit dem Flieger Richtung Heimat – zur Zeit sitze ich in Dubai in der Emirates Lounge und warte auf meinen Anschlussflug nach Hamburg. Der Flug in Mumbai ging um 4:30 Uhr los, und da ich vorher nicht geschlafen habe, war ich sofort eingeschlafen. Auf dem Hamburg Flug habe ich dann noch mal 6 Stunden Zeit fuer ein Nickerchen – die 2,5h von Mumbai nach Dubai waren dann doch zu wenig.

Keine Tiger, aber Elefanten

1 Dezember 2011 von Bastian Keine Kommentare »

India - Kerala - 063 - spice plantation - pepper

Creative Commons License photo credit: mckaysavage

Am 27.11.2011 geht es weiter: Das Periyar Wildlife Sanctuary ist mein Ziel, als mein Fahrer Rony wieder einmal auf das Gaspedal drueckt und wir morgens losfahren.

Die Fahrt ist nervenaufreibend: enge Paesse, oftmals nur einspurig und unasphaltiert erlauben uns nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h auf der 150km langen Strecke. Die Aussichten sind jedoch wunderschoen und entschaedigen fuer das langsame Vorankommen:

Tee-Plantagen wirken wie ein gruener Flickenteppich an den Haengen der Berge, der Western Ghats und ueberall sind hohe gruenbewachsene Berge zu sehen.

Wir sehen viele geschmueckte Autos, da heute ein Feier- und Wallfahrtstag ist und viele Glaeubige, gekleidet in Schwarz – die Frauen in schwarzem Sari, die Maenner mit schwarzem Hemd und schwarzem Tuch (statt Hose) auf dem Weg sind. Die Pilger tanzen durch das Tempeldorf, beschmeissen sich mit Farbpulver und es ist fast unmoeglich durchzukommen.

Als wir Nachmittags dann in Kumily, dem dem Nationalpark naechstgelegenen Ort ankommen checke ich im Hotel ein, und Rony macht sich auf den Weg zum Flughafen von Cochin, um Rocio, die Kolumbianerin aus Agra einzusammeln. Sie hat sich entschlossen, noch ein paar Tage in den Sueden zu kommen und will sich auch Periyar und Munnar anschauen.

Abends erfahre ich dann, dass am naechsten Tag ein Generalstreik in Periyar stattfinden wird, da die Anwohner die Regierung Indiens dazu zwingen wollen, endlich einen neuen Staudamm zu bauen.

Der alte Staudamm ist bereits ueber 100 Jahre alt und wurde damals von den britischen Kolonialherren gebaut. Er ist nun aber baufaellig und da die Region in den letzten Tagen starke Regenfaelle sowie kleinere Erdstoesse erfahren hat, ist die Angst gross, dass dieser Teil Keralas durch einen Dammbruch ueberflutet werden koennte – der Wasserstand ist auf dem festgelegten Maximalstand (136 Fuss) und 350.000 Anwohner sind betroffen.

Auf der anderen Seite hat der Nachbarstaat Angst, dass er nicht mehr die durch den alten Damm und dessen Pacht garantierten Wassermengen bekommt – die Regelung der Wasserlieferung ist an den Damm gekoppelt und hat eine Laufzeit von 999 Jahren – den Briten sei Dank. Mit einem neuen Damm koennte sich das aendern.

Der Streik ist am naechsten Morgen sichtbar – die Jeep-Safari findet wegen des Streiks nicht statt, alle Geschaefte sind geschlossen, die Strassen sind mit Baeumen und Geroell blockiert.

Somit fuehrt uns Rony zu einem Ort, wo wir auf Elefanten reiten koennen – dies tun wir auch, 30 Minuten belaestigen wir den grauen Riesen mit unserem Gewicht, danach ist das aber auch getan.

Um ueberhaupt irgendetwas zu tun, beschliessen wir, einen indischen Kochkurs zu machen: Wir kochen verschiedene Currys, unter anderem ein Huehner-Curry mit frisch geschlachtetem Huhn – wir rupfen selbst die Federn des kurze Zeit vorher noch lebendigen Zweibeiners…

Nach dem Kochkurs wissen wir auch, welche Gewuerze wir kaufen sollten, und da Kerala das Land der Gewuerze ist, das schon im Mittelalter Europa mit exotischen Gewuerzen wie Cardamom, Kreuzkuemmel oder Curry-Blaettern versorgt hat, gehen wir in einen Gewuerzsupermarkt und kaufen erstmal ein – spottbillig, 100g Cardamom z.B. fuer 70ct.

Am Abend, nachdem der Streik um 18 Uhr bis zum naechsten Tag vorbei ist, setzen wir uns wieder ins Auto und fahren ins Hochland der westlichen Ghats – nach Munnar, zu den Teeplantagen.

Hausbootfahren in Alappuzha (Alleppey)

27 November 2011 von Bastian Keine Kommentare »

Reflecting Backwaters
Creative Commons License photo credit: maceightytwo

Es ist der 25.11.2011 als ich gut gelaunt mein Fruehstueck im “Tag und Nacht”, Fort Cochin esse. Frische Fruechte, Chai-Tee und Tomaten-Kaese Sandwiches lassen die Welt schon viel besser aussehen. Vor dem Tor raekelt sich in einem weissen Tata (das ist ein indisches Auto) der Fahrer, der mich kurze Zeit spaeter nach Alappuzha bringen wird – hin zum Hausboot, auf dem ich ab 11 Uhr fuer 22 Std. in den keralischen Hintergewaessern schippern werde.

Nach ein paar mal verfahren sind wir auch schon da und ich bringe meine Sachen an Bord. Das Hausboot habe ich alleine, mal abgesehen von der 4 Mann Besatzung. Ich habe mich fuer die Sparvariante ohne Klimaanlage entschieden, was ich noch bereuen werde – Nachts werde ich mich schlaflos auf dem Bett waelzen, ohne viel Schlaf zu finden. Das Badezimmer ist klein, halbwegs sauber und die Dusche sieht unbenutzbar aus, aber das ganze ist ja kein 5 Sterne Erlebnis.

Entspannend ist es aber alle Mal: Leise tuckert der Motor des Schiffs vor sich hin, nachdem wir den Verkehrsstau von Hausbooten hinter uns gelassen haben und ein wenig alleine sind. Ich sitze unter dem offenen Vordach des Bootes und schaue mich rechts und links um, die Kamera fest im Griff. Ueberall gehen die Kanal-Anwohner ihrem normalen Leben nach: Za-wusch, za-wusch, za-wusch toent es von links – eine Frau waescht ihre Waesche im Kanal und schlaegt irgendein Kleidungsstueck auf einen Stein. Auf der anderen Seite waescht sich ein aelterer Mann und mitten voruns kreuzt ein Einbaum mit Schuelern, die am anderen Ufer zur Schule gehen. Dann gibt es Mittagessen aus der Bootskantine, ein vegetarisches Masala und ein paar Linsen.

Auf dem Wasser treiben gemuetlich Graeser und um Punkt 16 Uhr wird Tee mit Gebaeck serviert. Gegen Abend legen wir dann in einem Dorf an, dass ich mir aber wegen des starken Regens nicht anschaue. Dann lese ich noch ein wenig, esse zu Abend und ab geht’s ins Bett. Und am naechsten Morgen, kurz nach dem Fruehstueck geht es mit dem Auto weiter. Nach Varkala, wo ich eine Heisswasser-aus-Eimer-Dusche geniesse und ansonsten nichts gross passiert, da es in Stroemen regnet. Es deutet sich nur an, dass die Kueste dort wunderschoen ist – hohe Wellen, beeindruckende Klippen.

Portugiesisch-chinesisches Fort Cochin

27 November 2011 von Bastian Keine Kommentare »

Evening sky & Chinese Fishing net at fort cochin!...
Creative Commons License photo credit: ramesh.rasaiyan

In China, ca. 200km von der naechsten Stadt entfernt, mitten in der Provinz Sichuan fegte ein ploetzlicher Windstoss die sandige Strasse entlang, wirbelte ein wenig Sand auf und kam zum Stillstand. Vom Wind getroffen verlagerte sich das Gewicht von vielen kleinen Reiskoernern in die Richtung des Windstosses. Diese wiederum uebten Druck auf weitere Reiskoerner aus, bis eine unaufhaltsame Kettenreaktion in Gang gesetzt war: In China fiel ein Sack Reis um.

Genauso interessant und spannend scheint das Leben in (Fort) Cochin zu sein. Bei ueber 30 Grad im Schatten geht das Leben hier ein wenig langsamer und ruhiger von statten. Es gibt fast keinen Strassenverkehr, die Strassen sind fast leer, zwischendurch  ziehen ein paar Touristen durch die “Princess Rd.”, um tibetische oder indische Mitbringsel zu kaufen.

Im Norden der Insel laedt eine Uferpromenade zum Kauf frischer Fische ein, die man gleich nebenan im Restaurant braten lassen kann. Hinter den Bretterbuden sind riesige chinesische Fischernetze aufgebaut, die zwischen kaputten Booten und auf Stegen hockenden Familien einen seltsam orientalen Charme ausstrahlen.

Ich bin in einem Homestay untergekommen, dem “Tag und Nacht”-Homestay, in dem Antonio und seine Familie leben. Antonio ist Inder, aber sein Name erzaehlt noch von der gescheiterten portugiesischen Kolonisierung von Cochin. Den Namen “Tag und Nacht” hat er gewaehlt, weil er Deutschland toll findet. Warum? Habe ich nicht rausfinden koennen. Das einzig Bedauernswerte an diesem Homestay ist die fehlende Klimaanlage, lediglich ein Ventilator mueht sich vergeblich, der Hitze von Fort Cochin Herr zu werden, haeufig sabotiert von laengeren Stromausfaellen. Nach Einbruch der Dunkelheit ohne Taschenlampe irgendwo hingehen – ein Abenteuer.

Ein paar Stunden nach meiner Ankunft am 23.11.2011, nimmt sich Antonio die Zeit, mit mir die Zeit in Kerala, selbstdeklariertes Land Gottes (“God’s own country”) zu planen. Er bietet mir sehr guenstig an, einen Fahrer fuer die Zeit zu organisieren und wir buchen gleich auch ein paar Unterkuenfte und das Hausboot.

Am folgenden Tag schaue ich mir noch Fort Cochin an – die juedische Synagoge mitsamt Judenviertel, den Palast, allerdings alles nur von aussen, da es nicht sehr sehenswert aussieht. Viel interessanter ist das kennenlernen des “echten” Lebens beim Laufen durch Strassen, die sehr touristenleer aussehen.

Aber wirklich passieren tut nichts in Fort Cochin…